Myra Sorin Feenjägerin

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Über mich

Über mich

Ich bin die zweite Tochter.

Und die erste.

Aber ich hätte es niemals sein sollen.


Meine Bestimmung war bereits mit meiner Geburt besiegelt, aber damals ahnte ich noch nicht, was das wirklich bedeutete. Ich war die zweite Tochter der Sorin, einer der ältesten Familien Sorieskas. Frei, meinen eigenen Weg zu wählen und mein Glück zu finden, während meine Schwester das Geschäft übernehmen würde. Den großen Stoffhandel meiner Familie, der selbst mit den Carjesan, den Hoflieferanten der Raben, konkurrierte. Es war ein stolzes, altes Geschäft, geführt von einer ebenso stolzen Ahnenreihe.


Und so lernte Adelija, das Geschäft zu führen und mit der feinen Gesellschaft zu verkehren, während ich der Wildfang der Familie war. Mit einem zu großen Mundwerk verflucht und lieber mit meinen Freunden Vijctor und Lucyn in den Wäldern, als auf einer der Teegesellschaften meiner Mutter. Mein Vater ließ mich gewähren, amüsiert von seiner wilden jüngeren Tochter, während meine Mutter die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Doch am Ende war ich die Zweitgeborene und niemand hielt mich auf, wenn ich mit meinen Freunden im Wald verschwand.


Zu Beginn waren unsere Spiele harmlos. Wir alle waren mit den Geschichten über das Blut der Dämmerung aufgewachsen, das in unseren Adern floss. Und wir träumten davon, unseren Vorfahren zu folgen. Ruhmreiche Feenjäger, Hüter des Menschenreiches, Streiter für das Licht.

Kinder. Dumme Kinder, die nicht wussten, wovon sie wirklich träumten.


Dann, eines Tages, veränderte Vijctor sich. Es begann, als seine Mutter ihn häufiger mit zum Schloss der Raben nahm. Er wurde ernster, verbissener. Und er trug Wissen nach Hause. Altes Wissen, das weit über die Geschichten hinausging, die wir kannten. Wissen um Waffen. Um Tränke und Gifte, die Feen betäuben konnten oder gegen ihren Einfluss wirkten. Schutzsymbole, die sie abwehrten. Und er teilte sein Wissen mit uns.


Aus unserem Spiel wurde Ernst.


Wir lernten gemeinsam. Die Waffen zu gebrauchen. Feen zu erkennen. Ihnen auf die Schliche zu kommen und uns ihnen zu nähern. Sie zu betrügen. Und sie schließlich unschädlich zu machen. Wir jagten Feenbestien und niedere Feen und unsere Erfolge wuchsen ebenso wie unsere Arroganz und der Glaube, unschlagbar zu sein. Wir würden sein, was unsere Ahnen waren. Wahrhaftige Krieger des Lichts, die die Dunkelheit aus Sorieska vertrieben.


Wie stolz ich darauf war … und wie dumm. Dumm genug, mich für unbesiegbar zu halten und zu glauben, dass ich den Lauf unserer Welt verändern könnte. Dass ich schützen könnte, was mir anvertraut war.

Bis sich eines Tages erwies, wie viel mein Wissen und mein Können wert waren.


Ich erkannte die Fee nicht, die in unser Geschäft kam. Keine von den niederen Kreaturen oder Feenbestien, die sich in den Wäldern herumtrieben oder sich in den heruntergekommenen Schänken der Stadt nach Zerstreuung umsahen. Er war eine wahrhaftige hohe Fee, vielleicht zu schön, um ein Mensch zu sein. Aber unsere Augen waren zu sehr von seinen Zaubern geblendet, als dass wir vermocht hätten, die Wahrheit zu sehen. Selbst ich konnte es nicht.


Das Haar des Mannes war flammend rot, seine Augen von dem tiefen Blau eines Saphirs und meine Schwester zog mühelos seine Aufmerksamkeit auf sich.


Adelija war immer die Hübschere von uns beiden, auch wenn sie es nicht gern hörte. Während mein Haar von einem dunklen Blond ist und nur einen Rotstich aufweist, besaß ihres das tiefe, leuchtende Rot unserer Mutter. Selbst das Blaugrün ihrer Augen strahlte mehr als meines. Wie oft habe ich sie darum beneidet. Und wie oft könnte ich mich heute für meinen törichten Neid ohrfeigen, denn es war ihr Verhängnis. Ihre Schönheit war wie ein Leuchtfeuer für die Feen. Es zog sie an, wie das Licht die Motten.

Vielleicht hätte ich die Zeichen erkennen müssen. Die ungewöhnliche Abwesenheit in den Augen meiner Schwester. Die Art, wie sie träumend aus dem Fenster sah und ihre Pflichten vergaß, wenn sie doch immer pflichtbewusst gewesen war. Aber ich war zu beschäftigt, um es zu beachten und glaubte, sie wäre zum ersten Mal verliebt und albern, wie es Mädchen eben waren.


Adelija war von dem Fremden verzaubert. Mein Vater sah es nicht gern, dass sie sich mit einem Adeligen einließ, aber meine Schwester war nicht davon abzubringen. Bereits zu tief im Zauber der Feen verstrickt, um noch auf die Vernunft zu hören.


Er verbot ihr, ihn zu sehen und Adelija lief davon, um ihn heimlich zu treffen. Er verschloss die Türen und die Fenster, trotzdem fand sie wie von Zauberhand einen Weg, zu entwischen. So ging es eine ganze Weile, bis ihr Körper begann, die ersten Anzeichen zu zeigen.


Sie wurde dünner, als würde sie mit jedem Tag schwinden. So dünn, dass es eines Tages nicht mehr damit zu erklären war, dass sie wenig aß. Ihre strahlende Haut verlor ihr Leuchten, ihr Haar wurde stumpf. Und das Glühen in ihren Augen erlosch.


Erst da verstand ich. Zu spät. Viel zu spät. Und ich begann, Fehler zu machen.

Ich würde meine Schwester nicht an die Feen verlieren, das schwor ich mir. Vijctor war mit seinem Vater und seinem älteren Bruder auf Reisen, Lucyn von seinen Eltern nach Lylleis gesandt, wo er in die Kirche des Lichts aufgenommen werden sollte. Also blieb nur ich allein. Und ich tat alles, um die Fee von Adelija fernzuhalten. Feeneisen, das Fenster und Türen sicherte, Büschel aus getrockneter Eisenwurzel, um ihren Verstand vor dem Einfluss und den Einflüsterungen der Feen zu schützen. Eisenwurzelsud, den ich ihr einflößte, um sie aus dem Bann der Fee zu befreien. Und tatsächlich gewann ihr Gesicht an Farbe. Ihre Augen wurden heller und verloren den Schleier, der sie getrübt hatte. Und mit jedem Tag kehrte sie ein Stück weiter zu uns zurück.


Ich bewachte sie und wartete darauf, dass der Fremde zurückkehren würde, doch die Tage und Wochen zogen ins Land und er kam nicht zurück.


Ich glaube, dass wir gewonnen hätten.

Wie sehr ich mich doch irrte.

Denn die Rache einer Fee ist gründlich und grausam.


Das Schiff mit unserer Seidenlieferung kenterte auf dem Weg nach Sorieska und das Unglück riss ein tiefes Loch in die Finanzen meiner Familie. Mein Vater vermochte nicht, seine Kunden zu beliefern und der große, makellose Name meiner Familie erhielt die ersten Flecken. Unser Geschäft lief schlechter. Die Aufträge blieben aus, ohne dass es zu erklären war und nichts, was wir taten, konnte den Verfall aufhalten.


Die großen Sorin, sie strauchelten und fielen. Schlag um Schlag traf uns und riss uns weiter in den Abgrund. Es gab kein Entkommen.

Doch der Fall unserer Familie genügte noch nicht. Ein letzter Hieb traf uns, als wir bereits am Boden lagen, und diesmal zerschmetterte er alles, was von uns geblieben war.

Unser Name, unsere Ehre, unser Reichtum. Alles war geschwunden. Und zuletzt … tat es meine Schwester.


Der Feenwahn kam über sie und stahl ihren Geist. Die Fee hatte niemals von ihr gelassen. Sie hatte uns in Sicherheit gewiegt, uns vorgegaukelt, dass sie das Interesse an Adelija verloren hätte. Und dann hatte sie ihre Seele gestohlen. Zurück blieb ihre leere Hülle. Augen, die an die Wand starrten, ein verklärt lächelndes Gesicht. Ein Herz, das schlug, aber kein Verstand. Denn sie weilte im Feenreich, für alle Zeit gefangen in einem Traum, der nicht wirklich war.


Scherben lagen auf dem Boden. Ihr Handspiegel, zersprungen, als die Fee ihren Geist geraubt hatte. Und als ich auf das glänzende Silber nieder sah, erblickte ich für einen Herzschlag das Gesicht des Fremden. Ohne die Zauber, die seine wahre Gestalt verhüllt hatten. Strahlend wie Feuer und ebenso gefährlich. Und ich sah in seine Augen. Eines blau wie Saphir, das andere golden wie die Sonne.


Ich begriff. Ich begriff, dass es der Feenkönig selbst gewesen war, der meine Familie heimgesucht hatte. Und ich wusste, es war meine Schuld. Ich war das Ärgernis, das den Feenkönig gereizt hatte, meine Familie in die Schranken zu weisen. Ich war schuld, weil ich geglaubt hatte, dass ich imstande sein würde, meine Schwester zu retten. Vor der mächtigsten Kreatur, die je den Fuß auf den Boden von Sorieska gesetzt hatte.

Ich hätte niemals gewinnen können.


Alles, was von meiner Familie blieb, war Asche im Wind.

Den Stoffhandel der Sorin gibt es nicht mehr. Die kleine Schneiderei, die heute mir gehört, ist alles, was uns geblieben ist. Vijctor Carjesan war es, der mir half, die Scherben zusammenzusetzen, ebenso von dem Gefühl der Schuld erfüllt wie ich, weil er nicht da gewesen war, um Adelija zu retten. Unsere Freundschaft war immer schon stärker als die Konkurrenz unserer Familien. Und ich weiß, dass ich ihm für alle Zeit dafür verbunden sein werde.


Adelija ist nur noch eine Hülle. Sie lebt, aber sie ist seit Langem nicht mehr hier.


Und ich …


Am Tag nähe ich Kleider und kümmere mich um das Geschäft. Meine Finger sind geschickt und ich besitze ein Auge für Muster und Formen, wenngleich ich es selbst nie geglaubt hätte. Ich habe gelernt, in den höheren Kreisen zu verkehren und Teegesellschaften zu erdulden, weil ich auf ihnen oft die Narren finden kann, die die Feen in unsere Welt einladen.


Denn bei Nacht … bin ich eine andere.


Adelijas Schicksal hat aus Kindern Erwachsene werden lassen. Und es hat Vijctor dazu gebracht, neu zu erschaffen, was verloren war: Die Hüter der Dämmerung. Unsere Familien sind einander immer verbunden geblieben, durch das gemeinsame Erbe und das Ziel unserer Ahnen. Alle haben bewahrt, was die Welt längst vergessen hat.

Wir alle sind zweite Töchter und Söhne. Jene, denen es nicht bestimmt ist, das Geschäft der Familie zu übernehmen und die stattdessen ihrer wahren Bestimmung folgen: die Feen endgültig aus unserer Welt zu vertreiben. So ist es immer gewesen und so wird es immer sein.


Also sitze ich in den späten Stunden oft in meiner Schneiderei und sticke Schutzsymbole in die Mäntel, Handschuhe und Hemden der Hüter. Die alte Magie der Dämmerung, wieder ins Leben gerufen von den Erben des Rates der Dämmerung. Doch meine eigene Bestimmung geht noch darüber hinaus. Denn eines Tages werde ich dem König der Feen gegenüberstehen. Und ich werde ihn zwingen, meine Schwester wieder freizugeben, ganz gleich, was es mich kostet. Das habe ich Adelija geschworen. Selbst wenn ich es ohne die Hilfe der Hüter der Dämmerung tun muss, denn niemals könnte ich sie in eine solche Gefahr bringen. Ohne die Hilfe von Vijctor, dessen Augen zu oft nachdenklich auf mir ruhen … als könnte er in meine Seele blicken und lesen, was darin vor sich geht, so wie er es schon als Junge gekonnt hat. Ich weiß, er wird versuchen, mich aufzuhalten. Aber ich werde nicht zulassen, dass es ihm gelingt.

Optische Merkmale

Optische Merkmale

Haarfarbe: Rötliches Blond

Augenfarbe: Blaugrün


Myra ist eine hochgewachsene Frau von ungefähr 25 Jahren. Ihre Statur ist schlank und wirkt sportlich, als wäre die Schneiderei nicht die einzige Art der Betätigung für sie. Normalerweise trägt sie ihr langes Haar auf eine Weise frisiert, die es bei der Arbeit nicht in ihr Gesicht fallen lässt. Sie kleidet sich für gewöhnlich selten in Röcke, sondern bevorzugt Hosen, Stiefel und Gehröcke von einer guten Qualität, was sie ein wenig exzentrisch wirken lässt und ihr nicht selten schiefe Blicke einträgt.

Spiel-Informationen

Heimatland
Serijsa
Beruf / Rang
Schneiderin

Persönliche Informationen

Geschlecht
Weiblich

Kontaktmöglichkeiten

Website
http://www.michelle-weber.de