Nari Aranya Spieler

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Über mich

Über mich

Eine warme Brise weht in den kleinen Raum und streicht über mein rostrotes Fell, das in den wenigen, wärmenden Sonnenstrahlen, die es durch das kleine Fenster schaffen, orange zu leuchten scheint. Mit geschlossenen Augen genieße ich die herrlichen Temperaturen hierzulande, die man in meiner Heimat nur allzu selten antrifft. Ein Teil von mir sehnt sich nach der Kälte und dem Schnee und dem wärmenden Kamin in der kleinen Hütte, die wir unser Zuhause nannten. Doch der andere Teil weiß es besser. Es ist nicht die Kälte, die ich vermisse oder unsere bescheidenen, aber gemütlichen vier Wände. Nichteinmal Vater, der doch so manches Jahr dafür gesorgt hatte, dass wir den Winter überstanden, bis er in einem besonders kalten Jahr krank geworden war.

Es geht um Kadu. Kadu war schon meine erste Priorität gewesen, seit er geboren war. Sieben Jahre nach mir hatte er unserer Mutter die letzte Kraft geraubt und so hatte ich es auf mich genommen, für den kleinen Kerl zu sorgen. Ich habe ihn beruhigt, wenn er Nachts nicht hatte schlafen können, habe ihn durch seine erste Verwandlung geführt und habe dafür gesorgt, dass er weiß, wie man die Nager auch unter der dicksten Schneedecke noch aufspürt. Er ist zu einem sorglosen Burschen heran gewachsen, aufgedreht aber dabei herzlich. Ich habe es immer mit Sorge beobachtet, wenn er wieder einmal in die Stadt ging, um sich mit Freunden zu treffen oder einfach die Gegend zu erkunden. Ein unbedachtes Wort oder eine gedankenlose Wandlung könnte nicht nur ihn sondern uns alle in große Gefahr bringen. Wann immer ich ihn über diese Gefahren belehrt habe, hat er jedoch nur gelacht und mir erklärt, dass er doch schon alt genug sei und wisse, was er tue. Und schließlich waren das doch seine Freunde. Und nicht einmal die würden etwas ahnen. Ich mache mir zu viele Sorgen.

Er war dreizehn, als er nicht zur verabredeten Zeit Zuhause war. Ich habe wahrscheinlich eine Kuhle in den Boden vor der Tür gelaufen, bevor ich schließlich doch los gelaufen bin. Es war schon dunkel, nicht einmal der Mond wollte sich in dieser Nacht zeigen. Ich weiß nicht, was genau passiert ist, nur, dass die Händler ihn entlarvt haben mussten und zwei von ihnen gerade lachend und voreinander prahlend aus der Kneipe kamen. Ich horchte erst auf, als ich das Wort Fuchs aufschnappte und entsetzt mein Kopf herum fuhr. Ich folgte den beiden zu ihrem Lager auf der anderen Seite der Ortschaft. Sie waren nicht alleine. Und ich war scheinbar in meiner Panik nicht leise genug, denn in dem Moment, in dem ich ihn entdeckte, explodierte Schmerz seitlich an meinem Kopf und die Welt wurde komplett schwarz.

Mit einem unwilligen Laut ziehe ich mit einer Pfote das eingekerbte Ohr herunter und fege mit dem Schweif über den Boden. Ich hasse diese Erinnerungen und doch kehrt mein Geist immer wieder dorthin zurück. Schließlich war all das der Grund, weshalb ich nun hier war und durch die Lande zog, anstatt durch den Schnee meiner Heimat zu stapfen. Sie hatten uns von Anfang an getrennt und die Fahrt hatte sich ewig hingezogen, ich habe irgendwann die Orientierung darüber verloren, wie viel Zeit tatsächlich vergangen ist. Als man mich dann schließlich aus der engen, abgedunkelten Kiste zerrte – denn mehr war dieses Gefängnis wirklich nicht – und mich zwang, mich vor diesem schmierigen Kerl hin zu knien, schüttelte dieser nach kurzer Betrachtung nur den Kopf. „Keine beschädigte Ware“, war alles was sie von ihm hörte. Die Kerbe, die der Schlag bei meiner Gefangennahme an meinem Ohr zurück gelassen hatte, gemeinsam mit dem Blut das mir wohl übers Gesicht gelaufen war, hatten mich wohl davor bewahrt, gekauft zu werden. Doch das galt nicht für Kadu.

Ich verbrachte eine gute Woche damit, diesen Ekeln die Dienstmagd zu spielen, bis wir auf einem Rastplatz auf Tuuli trafen. Ich konnte immer noch kaum glauben, was ich für ein Glück gehabt hatte. Auch wenn ich wünschte, dieses Glück wäre meinem Bruder zuteil geworden. Ich wünschte auch jetzt noch, mit ihm den Platz tauschen zu können, doch alles, was ich tun konnte, war, mich in Geduld zu üben, bis ich ihn aufgespürt hatte und eine Möglichkeit gefunden hatte, ihn wieder zurück zu holen.

Schnaubend erhob ich mich schließlich und schüttelte mein Fell aus. Mein Magen knurrt, doch ich möchte keine Aufmerksamkeit auf mich lenken, indem ich hinaus gehe. Also strecke ich mich und meine Glieder verlängern sich dabei, während das Fell verschwindet. Schließlich stehe ich auf meinen menschlichen Füßen und ziehe recht achtlos ein lockeres Oberteil und Hosen an, bevor ich mir zu einem Stückchen Brot verhelfe, das Tuuli freundlicherweise in der Kiste mit den Vorräten gelassen hat, bevor er los gegangen ist, um Besorgungen zu machen und Erkundigungen einzuholen. Nachdenklich auf dem Brot kauend, hocke ich kurz darauf in einem Eck des Wagens. Wenn man den ganzen Tag nichts tun kann, als abzuwarten, schweifen die Gedanken nur umso mehr ab. Ich begreife noch immer nicht ganz, was diesen völlig Fremden dazu bewegt hat, mir zu helfen. Ja, man war nicht gerade sanft mit mir umgesprungen, aber sie riskierten auch keine weitere 'Beschädigung'. Also hatte ich nicht allzu viel zu befürchten, selbst bei meinen Fluchtversuchen, von denen es einige gab. Schließlich hatte ich recht schnell bemerkt, dass mittlerweile keine weiteren Tierblute mehr hier waren. Das hieß, dass irgendwer Kadu hatte. Und das wiederum bedeutete, dass ich so schnell wie möglich weg von diesen Händlern musste, um ihn zu finden. An dem Tag hatte ich mich zum Schein mit der Aufgabe zufrieden gegeben, das Reise-Geschirr zu waschen, das man mir vor die Nase geknallt hatte. Sie gaben mir mit Absicht keine Messer oder ähnliches, doch ich fand zwischen den Tellern und Löffeln eine kleine Gabel. Ich steckte sie ein und tat mein Möglichstes, mit den mühevoll verbogenen Zinken das Schloss von dem Halsband zu öffnen, das sie mir nach meinem ersten Fluchtversuch angelegt hatten. Ich schaffte es sogar irgendwie, doch in dem Moment packte mich eine Hand an den Haaren und der Kerl rief einen zweiten herbei.

Tuuli muss eine Weile zugesehen haben, oder sein Wind war wieder gesprächig, denn bevor man mich hätte bestrafen können, stand er da und verkündete, mich kaufen zu wollen. Wir alle haben ihn wohl ziemlich verdutzt angestarrt, doch er beharrte darauf. Als man sich schließlich auf einen Preis geeinigt hatte und ich mir bereits meine neuen Chancen auf eine Flucht ausgerechnet hatte, da dieser hier allein zu sein schien, brachte er mich zu seinem Wagen, nahm mir das Halsband ab und erklärte, ich könne mit fahren, wenn ich wollte. Ich habe eine Weile gebraucht, um völlig zu begreifen, was er getan hatte, doch als ich das tat, war ich einfach nur dankbar. Ich wusste bereits, wo ich hinwollte. Die Händler hatten sich immer wieder über ihre Geschäfte ausgetauscht und dass der Deal mit den Sorieskern doch wirklich lohnend gewesen sei, auch wenn sie nicht alles los geworden wären. Dort musste ich hin. Und als Tuuli auch noch erklärte, er wolle sowieso in diese Richtung, stieg ich bereitwillig zu ihm in den Wagen. Er war schon ein komischer Kerl. Doch ich war mir sicher, dass die meisten anderen einfach den Kopf abgewandt hätten und zugesehen hätten, dass sie weg kämen. Er hatte nicht nur eingegriffen, sondern auch seine Ersparnisse aufgewendet, um mich zu befreien. Das würde ich ihm nicht vergessen. Dennoch ist mein Bruder noch immer die oberste Priorität. Und ich werde ihn finden.

Spiel-Informationen

Heimatland
Gatalija

Persönliche Informationen

Geburtstag
1992-10-15
Geschlecht
Weiblich
Beruf
Studentin
Hobbys
Lesen, Zeichnen, Foren-Postings