Beiträge von Siral Al`Shazir

    Geschäftsgespräch vom Teehaus hierher verlegt:



    Siral stieß noch einmal, mit einem Blick auf die Haushälterin, die Luft angespannt zwischen seinen Lippen aus.

    "Danke Dunjia." meinte er anerkennend, und beließ es ein wenig Kopfschüttelnd dabei, dass trotz dieses ungewöhnlichen Vorfalls, vorerst alles wieder dabei war, in seine üblichen Bahnen zu geraten. Die ältere Frau hatte sich alle Laken aufgeladen, die zum Schutz der Möbel ihren Dienst getan hatten und schien inzwischen zusammen mit Zustran wirklich alles im Griff zu haben. Der verletzte wurde auf ein kleines Zimmer oben verlegt und ihm wurde versichert, dass man für die Kosten würde aufkommen.


    Entschuldigend sah das Dschinnblut zu Coralyne, während er wieder zum Tisch zurückkehrte und ein letztes Mal den Blick durch den Schankraum schweifen ließ bevor er sich langsam setzte.

    " Ob Ihr es glaubt oder nicht, soetwas ist mir noch nie passiert... Draußen vor dem Teehaus kommt es schon einmal vor, dass ein Heiler gerufen werden muss. Das ist einfach dieses Viertel hier, aber... " langsam schüttelte er erneut den Kopf. " Entschuldigt, Me`Dam Coralyne."


    Ein wenig zerstreut aber darum bemüht den Faden wieder zu finden, trommelten seine Finger einen Moment auf der hölzernen Stuhllehne herum.

    " So." meinte er mit ein wenig mehr Schwung in der Stimme um die Situation ein wenig aufzulockern. " Wo waren wir.. Ah.. Ihr hattet meinen Vorschlag angenommen." nach einer Winzigkeit des Grübelns erklang Sirals Einstieg ein wenig triumphierend und offensichtlich freudig über diese Tatsache.

    "Wie ich schon sagte, meine Küche ist Eure Küche. Dadurch, dass ich erst am frühen Nachmittag öffne, steht sie Euch bis dahin frei zur Verfügung, meinen Küchenjungen werde ich wieder einstellen und all die Einzelheiten, können wir ja noch besprechen. Ich nehme an, ihr wollt keinen Likör?" ein leichtes Schmunzeln zierte seine Züge, denn auch wenn es sich bei dieser erneuten Geschäftsvereinbarung eigentlich nach den Gepflogenheiten seines Landes so geziemte, so hatte die Zuckerbäckerin dennoch deutlich gemacht, wie sehr ihr dieses Getränk zugesetzt hatte.

    Sie wirkte von seinem Angebot sichtlich überrascht, doch ganz abgeneigt schien sie auch nicht. Denn sonst hätte sie wohl sogleich verneint. Hätte er nocheinmal deutlich machen müssen, dass es sich hierbei wirklich nur um ein Angebot handelte? Dass sie es nur annehmen musste wenn sie sich damit wohl fühlte? Oder war es ihr gar zu unsittlich?

    In seinen Augen war nichts verwerfliches daran, abgesehen davon, dass er ihr sein Zimmer angeboten hätte, wie es die Höflichkeit gebot, aber vor allem damit sie nicht die Treppe erklimmen musste. Doch das hatte er noch nichteinmal genauer ausgeführt.

    Vielleicht hatte sie die Befürchtung wie sich solch eine offensichtliche Geschäftspartnerschaft, auf ihren Ruf auswirkte... oder es fiel ihr schlicht schwer eine Hilfe dieser Art anzunehmen? Jedenfalls haderte sie mit sich selbst.

    Siral ließ Coralyne die Zeit die sie brauchte doch sie entschied sich dann doch sehr abrupt.

    Er begegnete doch ein wenig überrascht ihrem Blick, dann erblühte ein zufriedenes Lächeln auf seinen Zügen. Noch nicht bedenkend wie sich das alles mit seinen Umständen hier vereinbaren ließ, dennoch erfreut.

    "Meine Küche, ist Eure Küche, Me`Dam Coralyne." bekam er gerade noch heraus, da flog die Türe auf und ihrer beider Aufmerksamkeit lag diesmal auf den Personen die eine Dritte zwischen sich in sein Teehaus trugen.


    Unwillkührlich hatte sich der Teehaus besitzer langsam erhoben. Zustran der näher am Geschehen gewesen war, lief schon Kopfschüttelnd mit einem Lappen in der Hand durch die Tische. Wedelte mit den Händen und fing einen der kleinen Sitzhocker auf, den die rothaarige Frau achtlos beiseite geschoben hatte.

    " Ich verbitte mir diese Anmaßung. Das ist keine Heilerstube oder irgendeine Kaschemme! "tat er mit seinem starken Akzent seinen Unmut kund. Doch von hier aus war die Lage abgesehen davon, dass sein Ziehonkel erboßt über die Dreistigkeit war, nicht weiter zu beurteilen.

    "Entschuldigt mich einen Moment." meinte das Dschinnblut an die Zuckerbäckerin gewandt, den Blick noch immer auf das Geschehen gerichtet, bevor er sich eilig in Bewegung setzte.

    Auch wenn Siral es ganz und garnicht schätzte, dass man so achtlos mit seiner Einrichtung umging, so Dringlinglich schien dennoch die Situation. Siral hielt Zustran am Arm zurück, als er sich nun deutlicher Einmischen wollte. Doch Siral erkannte. dass es sich hier keineswegs um einen Trunkenen handelte, der einfach so wieder weggeschickt werden konnte. Auch wenn es ihm nicht zusagte, was er da gerade zu sehen bekam und vermutete.

    " Hol Laken.. und Dunjia." schickte er den älteren Samharen weg beim Blick auf die Gerätschaften, die die Frau gerade ausgepackt hatte. Zustran bekam so die Möglichkeit sich abzuregen und mittels der Tücher konnten sie vielleicht die Teppiche und Möbelstücke vor Schaden bewahren.

    "Sollten gerade Zwei Heiler, nicht den Alkohol bei der Hand haben?" erkundigte er sich spitz, als der Mann auch noch Schnaps als Trunk forderte. Er war durchaus Gastfreundlich, doch blieb er hier womöglich auf all dem sitzen, was die beiden hier veranstalteten oder ruinierten. Doch er war bereits dabei aus einer niedrigen Anrichte eine bauchige Flasche herauszuholen und sie dem älteren Heiler zu reichen.

    " Etwas stärkeres hab ich nicht." meinte er ehrlich. Der Alkohol den er nutzte um die gezuckerten Früchte für spezielle Anlässe zu flambieren. Schade drumm... denn er rechnete nicht unbedingt damit dass man ihm diesen ersetzte. Er rückte sowohl in weiser Vorraussicht eine niedrige Sitzgelegenheit beiseite, als auch um den beiden Arbeitenden Platz zu machen.

    Siral lauschte aufmerksam den Worten der Zuckerbäckerin. Eine fähige Hilfe in der Küche...

    Coralyne ordnetete diese Möglichkeit als denkbar schwer umsetzbar ein, doch hatte er nicht vor kurzem seinen Küchenjungen wegen einer Auseinandersetzung mit einem Kunden vorerst entlassen müssen um den Achein zu wahren, dass der Markthändler recht behalten sollte?

    Turlid kannte sich zwar nur mit der samanharitanischen Küche aus, dennoch würde er ihn als nicht ungeschickt bezeichnen. Die Frage dabei war, welche Ansprüche Me`Dam Coralyne an ihre Angstellten hatte.

    Siral strich sich noch einmal über den Bart. Am Liebsten hätte er seine eigene Hilfe angeboten, doch er selbst hatte mit dem Teehaus und dem Feenhandel schon soviel zu tun, dass er inzwischen seinen Schlaf einbüßte. Auch wenn es ihn durchaus reizte ihre Art des Backens und vor allem Techniken ferner jenen aus seiner Heimat einmal kennenzulernen und ihr bei dieser misslichen Lage auszuhelfen, so musste er doch der Tatsache ins Auge sehen, dass er nicht drei Geschäfte gleichzeitig unterstützen konnte. Aber vielleicht auf eine andere Art...


    Siral ließ Coralyne aussprechen. Folgte ihrem Blick, hinab zu ihrem Fuß, nicht. Er glaubte ihr das durchaus und es geziemte sich nicht seinen Blick zu senken. Stattdessen schickte er seine Bedienung mit einem kurzen Deuten zu einem Kunden und wandte sich dann wieder seiner Geschäftspartnerin zu.

    " Da gebe ich dem Heiler durchaus recht... ihr solltet Euch schonen." nickte er zu der Erklärung, während sie die Tasse zum Mund führte. " Aber sehe ich ebenso eure Missliche Lage..." Der Samhare ließ die Hand sinken und trommelte auf seinem Unterarm herum.

    "Insofern, ihr nicht genügend Mittel auf der Seite habt, um Euch diese Ruhe zu gönnen, so sehe ich da zweierlei Möglichkeiten die ich Euch anbieten könnte." begann er geschäftlich, wenn auch sein Mund zu einem recht spitzbübigem Lächeln verzogen war.


    " Bei Ersterem, hätte ich noch einen Küchenjungen in der Hinterhand... den ich auf beschränkte Zeit freistellen musste, wegen eines Missverständisses mit einem Kunden. Aber er ist fleissig, ehrlich. Spricht annehmbar für den Verkauf und bräuchte nur Eure Anleitung. So könntet ihr Euer Geschäft dennoch öffnen." Siral nahm die Hände auf der Tischkante zusammen.

    " Oder so ungebührlich es im ersten Moment klingen mag. Ihr bezieht hier ein Quartier, sofern Euch die Geräuschkulisse nicht stört und ihr für die späten Abendstunden etwas Watte für Eure Ohren bereithaltet und führt Euer Geschäft von hier aus.. im Sitzen natürlich und hättet Zugang zu meiner Küche, meinem Koch und meinem Lager und ihr verweisst Eure Kunden mit einem Schild an Eurer Tür hier her für die Zeit Eurer Genesung. Oder wir vereinen diese beiden Möglichkeiten. " Sein Lächeln verbreitete sich etwas, als er vor hatte, seine Hintergedanken kundzutun.

    "Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mann, Me`Dam Coralyne. Solch ein Angebot kommt auch diesmal nicht uneigennützig. So würde vielleicht ein anderer Kundenstamm auf mich aufmerksam werden, ihr lehrt meinem Koch ein wenig Sorgfalt, aber im Gegenzug hättet ihr womöglich weiterhin Eure Einnahmen. Ich würde mich ja gerne selbst als Aushilfe anbieten, doch ich fürchte, das endet hier in einer Unordnung, wenn ich zu lange mit Abwesenheit glänze."


    Und in diesem Moment, drang durch die geöffnete Türe der Aufruhr von draußen, dass Siral aufblickte und die Frau, die im Begriff gewesen war einzutreten, gebannt den Blick nach draußen gerichtet, wieder nach draußen verschwand. Abgesehen von den paar Münzen die ihm nun wohl entgingen, sah Siral vorerst keinen weiteren Grund zur Beunruhigung. In diesem Viertel, gab es oft dergleichen Tumult, Auseinandersetzungen, oder Geschrei. Und das Unterstützte seine Worte von zuvor noch einmal, dass Coralyne sich selbst überlegen musste, ob sie die Unruhe hier in Kauf nehmen wollte.

    " Wie ich schon sagte..." brachte er sich wieder gedanklich zurück an den Tisch. "Ich würde Euch ein ebenerdiges Zimmer herrichten lassen, sofern Euch das helfen würde." Dann würde er zwar Zustran oder sich selbst ausquartieren müssen, aber die Treppe hinauf, kam sie unmöglich um zu den anderen Zimmern zu gelangen und er konnte ihr ja unmöglich die Besenkammer anbieten.

    Und dann war er an der Reihe. Ein wenig unsteht, ging sein Blick von den Anwesenden zurück zum Feenkönig. Die Präsenz dieses Mannes war überwältigend. Eine Selbstsicherheit, die unweigerlich klar machte, wer hier am längeren Hebel saß.

    Dennoch galt es abzuwarten, bis der Feenkönig ihn gemustert hatte.

    Siral bemühte sich siche Gefühle zu unterdrücken. Die Befürchtungen, dass seine Bitte zu dreist gewesen war und sein Angebot zu anmaßend.. Was dieser Mann wohl allein mit einem Fingerschnippen mit ihm anstellen konnte, wenn er wollte. Ihm alles Nehmen was er besaß und sogar konnte... Bis nichtsmehr übrig blieb als eine Hülle...

    Erinnerungsfetzen an die Geschichtsstunden zuhause flackerten in ihm auf. Doch musste er einen halbwegs klaren Kopf behalten.


    Was zunächst wie eine Anerkennung geklungen hatte, wandelte sich schlagartig in unterschwelligen aber beissenden Spott. Der Feenkönig missbilligte das, eindeutig.. Vielleicht war er feige.. Ja. Ziemlich sicher, hätte er sich auf dem Fest nicht so offen zeigen dürfen. Aber.. Sein Blick huschte kurz zu Sephaire. Er hätte sich dem auch nicht ganz erwehren können. Ebenso wie er den Tee mit den Tropfen getrunken hatte, der ihn hierher gebracht hatte ohne darüber nachzudenken. Als hätte sie nach ihm gerufen...

    Bei jedem anderen der seine Ehre anzweifelte, hätte er wohl anders reagiert. Doch hier hing alles davon ab, genau das nicht zu tun. Er machte deutlich, dass er wusste, was dort in seinen Kellern vor sich ging. Doch forderte er weit mehr... Er würde vor seinem Zorn nie sicher sein...

    Es würde also nicht reichen, einfach nur jene freizulassen die sich gerade in seinem Gewölbe befanden... und danach weiterzumachen als wäre nichts geschehen.. Die Drohung verstand er. Ob ihm selbst auch sein Wunsch gewährt wurde, oder ob er einfach nur froh sein durfte, davon zu kommen. Das wollte Siral besser nicht erfragen. Sein Leben oder das Geld, das mit dem Feenhandel einherging. Wäre seine Familie nicht.. wäre es eindeutig was Siral bevorzugte.


    Und zu schnell wurde deutlich, was mit jenen passierte, die sich dem Feenkönig widersetzten. Adameos mordlüsterner Blick, wenn auch nicht auf ihn gerichtet, brannte sich in sein Gedächtnis. Als die Ranken nach ihm griffen und sich um seinen Körper wanden, gab es kein Entrinnen. Eine Aussichtslose Situation. Seine Hände griffen nach den Fesseln ein letzter hektischer Blick durch den Raum, bevor ihn der Marmor verschluckte und ihn mit einem Sog in die Tiefe beförderte.

    Gabrias Leine war ihm in dem Moment entglitten, als der Zauber Saphaires von ihm abfiel. Die Welt ein bisschen klarer und konzentrierter sehend, wandelte sich sein Blick von der Fee in dem Käfig ab. Traf erneut auf den Feenkönig und endlich hatte er die Geistesgegenwart, wirklich mitzukriegen was um ihn herum passierte.

    Auch wenn die Gedanken noch träge waren. Ohne dieses Durcheinander, an Ängsten, Sehnsüchten und einem kaum beherrschbaren Drang sich vor dieser Sirene zu beweisen um ihre Gunst zu erlangen, witterte Siral endlich eine Chance.

    Er bot Nostra, tatsächlich einen Pakt an?

    Ein Ausweg.. vielleicht der Einzige, denn sich vorzumachen, dass er hier wieder herausgekommen wäre, ohne etwas dafür zu Opfern war naiv und dumm.

    Die Gäste der Weissen Herzogin strömten auseinander und vorbei war es damit, sich ungesehen in der Menge zu verstecken. Keine Chance mehr, abzuwarten und den richtigen Moment zu nutzen.

    Nur wenige in diesem Raum... blieben so Präsentiert zurück wie er und diese ungleichen, wissenden Augen trafen auf seine und alle übrigen in der Mitte dieses Saals. Zweifellos konnte man dem Feenkönig nichts vormachen. Wer er war, ja sogar was er war.. Als würde er direkt in sein innerstes Blicken, obwohl er nur kurz seine Aufmerksamkeit bekommen hatte.

    Nostra.. Die beiden Frauen in den Käfigen und die Herzogin die auf den Narbigen deutete... Der Schatzsucher neben ihm.. Und er schien ihnen allen gleichermaßen einen Pakt anzubieten...

    Doch was hatte er zu bieten?! War es töricht, zu denken, dass der Feenkönig nicht von den Machenschaften seiner Familie wusste? Vermutlich.. Da konnte man noch so vorsichtig sein und abstreiten könnte seinen Zorn auf ihn lenken.


    Er hörte den Wunsch, gar eine sehnsüchtige Forderung des Schwarzhaarigen, dem er schon am Festplatz gegenübergestanden hatte. Noch mächtiger, als das was er dort erlebt hatte? Warum waren die Erinnerungen nun viel Klarer? Blut und ein Wilder Mordlüsterner Ausdruck in seinem Blick. Die Befürchtungen nahmen ihren Lauf...

    Der Schatzsucher neben ihm, rührte sich als nächstes. So wie er ihn schon in der Umkleide erlebt hatte.. Mit einer Mischung aus Wahnsinn und unbeirrbarer Selbstüberschätzung, seiner Meinung nach.. lehnte er einen Pakt ab.

    Der Narbige, der irgendwie wichtig schien, doch den Zusammenhang zwischen Weltenwanderer und einem Schlüssel entzog sich ihm noch vollend. Warum war er so wichtig, dass er den Feenkönig geradezu erpressen zu wollen schien? Dinge von denen er nicht viel verstand..

    Seine Sicherheit war ihm wichtiger, als all das was sein könnte. Ja er könnte sich mehr Einfluss mit seiner Magie wünschen... Ein unbestechlichen Sinn für das was in seinen Kunden vorginge... Florierende Geschäfte... Doch wenn er sich eingestand.. brauchte er das alles nicht... Und es war dumm... Ja wenn er eines von seiner Familiengeschichte mitbekommen hatte, dann das man das tunlichst vermied.

    Er wollte nicht sein Leben lang fürchten, dass ihm der in irgendeiner Gasse auflauerte um die Schmach zu rächen, als er ihn hatte stolpern lassen.. oder ihm den Gehrock über den Kopf gezogen hatte..

    Er wollte nicht befürchten, dass ihn der Schatzsucher erpresste, weil er Dinge gesehen hatte, die nur magischer Natur sein konnten...

    Nein. Er hatte schon immer lieber sein Teehaus betrieben, erfolgreich betrieben und das nicht wegen eines Zaubers oder Paktes sondern weil er es selbst geschafft hatte...


    Als er das Gefühl hatte, man erwartete nun sein Angebot, richtete sich der Samhare gänzlich auf.

    "Es ist vermessen zu glauben, ich könnte Euch etwas vormachen, was mein Gegenangebot angeht. Ihr wisst sicherlich, welchem Geschäft sich meine Familie verschrieben hat, doch war dies nicht meine Entscheidung und ich bin bereit, jene zu gehen lassen, die sich gerade in meiner Obhut befinden. Ich wünsche lediglich, unbehelligt zurückkehren zu dürfen, und dass sich diese Anwesenden nichtmehr an mich oder meine Kräfte, Einschließlich der Geschehenisse und meiner Einwirkungen auf dem Fest erinnern können, auf dass ich mein Leben unbeeinflusst von derlei Befürchtungen durch diese Personen fortführen kann. " War das ein gewichtiges Angebot für diese Bitte?

    Schon wie beim letzten Mal, war Adameo hier sein Konkurent. Wirre Gedanken, die so garnicht zu seiner misslichen Lage und dem logischem Denken passen wollten. Auch wenn dieser verheerende Abend in seltsamen Nebel lag, rief die Gestalt Nostras etwas in ihm Wach. Kurze Eindrücke und Bilder, deutlicher als zuvor. Ein Starkes Verlangen sich vor Saphaire erneut zu beweisen und sich dem Mann erneut gegenüberzustellen um ihre Gunst zu gewinnen, dass allerdings gerade von vielerlei überschattet wurde.

    Rascheln von Stoffen und Gestalten in seinem Augenwinkel, die näher an den Schatzsucher heranschlichen und seinen Blick Kreuzten. Saphaires Anblick im Käfig, erhaben und doch einen Drang auslösend, dass man sogleich aufspringen wollte um ihr zu Hilfe zu eilen.

    Die Stimme des Feenkönigs der allen in Mark und Bein zu dringen schien und ihn wieder soweit ins Hier und Jetzt holte, dass Siral die Bedrohung dieser Situation erneut bewusst wurde.

    Er besaß weder eine Waffe, noch gab es bis jetzt irgendeinen Ausweg. Zumindest hatte sich noch keiner ergeben.. Die Herzogin konnte ihm so wohl auch nichtmehr helfen...

    Ja er hatte seine Magie, doch er bezweifelte stark, dass er damit hier wirklich etwas auszurichten vermochte. Er hatte gesehen, was Nostra mit Leuten anstellte die ihm im Weg standen... Vielleicht hatte er jetzt das Glück und der Feenkönig nahm sich seiner an, dann müsste er nichtmehr befürchten, dass er in seinem Teehaus auftauchte um sich für die Schmach zu rächen zu der er sich hatte hinreissen lassen... Im Vergleich nichtige Gedanken zu dem was er befürchtete, dass ihm widerfahren könnte. Wieder fingen ihn die Worte des Feenkönigs ein.

    Der Schatzsucher war nun umringt, wenn er sich ehrlich eingestand, war es Siral ganz recht, dass die Aufmerksamkeit noch nicht auf ihn gefallen war.. doch war das nur eine Frage der Zeit?

    Eine durchdringende Stimme. Geprägt von einer ungreifbaren aber spürbaren Macht...

    Sirals Blick lag auf starr irgendwo in der Ferne, während er sich bemühte, all die Gedanken und Befürchtungen unter Kontrolle zu bringen die auf ihn hereinfluteten. Ängste die dafür sorgten, dass Magie in seinem Körper kribbelte, weil er Zuflucht darin suchte, oder sie unbewusst fließen ließ, dass loser Stoff an seiner Festgewandung kaum merklich zu zittern begonnen hatte. Er sah die Möglichkeiten von hier zu fliehen immer mehr schwinden. Malte sich all die Schauergeschichten seiner Kindheit aus, während sich die Baronin förmlich überschlug um den Zorn des Feenkönigs nicht auf sich zu lenken.

    Das Kettengerassel riss den Samharen schließlich wieder aus seinen Gedanken. Der leicht flatternde Stoff gab wieder der schwerkraft nach. Die Bewegung des herabfallenden Käfigs kam so unvorhersehbar, dass es jeden in dem Raum unweigerlich darauf aufmerksam machte.

    Und so hob sich auch sein Blick ruckartig und Saphaire bannte seine Aufmerksamkeit, dafür musste sie noch nichteinmal zu ihm sehen.

    Jene Frau deren Gesicht er seit dem Abend auf dem Marktplatz auf jeder glänzenden Oberfläche zu sehen glaubte...

    Jene Frau die ihn in den Träumen zu sich rief. Sie war hier...

    Entrückung die ihn für einen Moment alles andere vergessen ließ, sogar seine missliche Lage um der Sehnsucht nachzugeben. Sehnsucht, wenn auch nicht ganz so stark wie an jenem Abend als sie ihn in seinen Bann gezogen hatte, doch stark genug um so töricht zu sein, seine Demutshaltung zu vernachlässigen, sich etwas aufzurichten, ohne das Knie vom Boden zu lösen.

    Eine Erinnerung an das Verlangen sich zu beweisen.. An das verlockendste Spiel, dem er sich jemals gegenüber gestanden sah. Und vor allem ihre Stimme im Bewusstsein, die ihn die letzten Tage gelegentlich im Geiste begleitet hatte. Und doch... war der Willen zu überleben vermutlich eine Spur größer, dass sich Siral im Gegensatz zu seinem Konkurenten - der schlürfend und blutend auf den Feenkönig zustapfte- nicht erhob. Jedoch konnte Siral auch den Blick von Saphaire kaum abwenden.

    Coralyne wies mit einer Geste auf den Stuhl und Siral würde der Aufforderung nur zu gerne nachkommen, doch er würde warten, bis sich der kurze Moment ergab, sich selbst etwas zu trinken einzuschenken. Das Dschinnblut nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte und zog den Stuhl ein Stück unter dem Tisch heraus.

    Es war erleichternd, als sie seine Befürchtung im Sande verlaufen ließ.

    Der Likör? Ein leichtes Schmunzeln verzog seine Lippen und er legte kurz die Finger unters Kinn. Ja, der schaffte sie alle und dennoch oder gerade desswegen, kamen die Damen wieder. Der Likör war süß genug um ihr Interesse zu wecken und raffinierter im Geschmack, vor allem aber nicht so scharf wie der Alkohol den lieber die Herren der Schöpfung tranken. Da hatte er wohl etwas gefunden, dass es in Sorieska nicht allzuhäufig gab und so hatte er sich seine eigene kleine Stammkundschaft geschaffen.


    Me`Dam Coralyne zwinkerte ihm zu, dennoch überkam ihn das leichte Gefühl, nicht gänzlich vom Tadel verschont geblieben worden zu sein. Sein Blick lag auf der Person vor ihm, die ihre Teetasse langsam anhob, sich in diesem Moment beinahe schon ehrwürdig dem Tee widmete um die Aromen in sich aufzunehmen.

    Wann traf man schon auf jemanden, der sich wirklich die Zeit dafür nahm? Und offensichtlich noch so Gefallen daran fand? Unwillkührlich erwiederte er das Lächeln das auf ihren Zügen erblühte, zumindest bis sie sich zu erklären begann.


    Und hier wurde auch deutlich warum er glaubte einen leichten Tadel in ihren ersten Worten gehört zu haben. Einen Unfall? Sein Gesichtsausdruck wandelte sich.

    "Nichts Ernstes so hoffe ich doch?" erkundigte sich Siral ohne wirklich eine Antwort zu erwarten, denn sie war hier und wirkte auf den ersten Blick nicht so, als wäre etwas gavierenderes geschehen, Es war anmaßend das genaue Gebrechen zu erfragen, wenn es ein Gegenüber nicht von sich aus erzählte, doch darum schien es auch garnicht zu gehen.


    Die Gedanken eines Geschäftsmannes begannen ihre Bahnen zu ziehen. Wenn sie ihre Bäckerrei nicht öffnen konnte, hieß das, sie hätte einbußen. Vermutlich sogar schwerwiegende... Er versuchte in ihrem Blick zu lesen, doch allzuviel offenbarte sie ihm nicht, oder sie versuchte es zu überspielen. Er besaß zwar eine gute Menschenkenntnis, doch war Coralyne kein offenes Buch für ihn.

    Er ließ sich nun doch langsam auf den Stuhl sinken, der Tee konnte warten. Zumindest sein Eigener.

    "Und dann bemüht ihr Euch hier her, statt einen Boten zu schicken und mich zu Euch zu bestellen?" ein bisschen verständnislos aber belustigt schüttelte er kurz den Kopf. Eine eigenwillige Frau...


    "Selbstredend, komme ich gerne meinem Teil der Abmachung nach und wir knüpfen dort an, was ich Gestern eigentlich vor hatte... doch..." fügte er beinahe im gleichen Atemzug an und verschrenkte die Finger ineinander.

    Der Samhare lehnte sich nachdenklich zurück.

    " Ich bin vielleicht anmaßend, doch kommt das natürlich auch nicht ganz uneigennützig.. " er schmunzelte und die Stimmung ein wenig aufzulockern.

    " Was wäre nötig um Euch zu helfen, dass ihr - Euch schonend selbstverständlich- Euer Geschäft nicht vorrübergehend schließen müsstet?" ein wohlwollendes Angebot, wusste er doch um laufende Kosten und die Befürchtungen die damit einherkamen. Siral strich sich nachdenlich einmal mit der flachen Hand über die Mundpartie, strich einmal kurz über den gepflegten Kinnbart und sah seine neue Geschäftspartnerin mit leicht schräg gelegtem Kopf an.

    " Bis später, Me`Dam Laflar." verabschiedete er sich mit milder Tonlage und hob die leere Tasse von der Theke um auch diese näher an die Küche zu schieben. Noch immer konnte er seinen Koch und seinen Ziehonkel energisch in Samhari diskutieren hören und innerlich rollte der Samhare mit den Augen. Auch wenn nicht viel los war, so waren doch Gäste im Schankraum und das war nicht unbedingt färderlich für den Ruf des Teehauses. Ein wenig überdeutlich stellte er die Tasse, ohne sie wirklich zuerst abgestellt zu haben auf den langen Tisch innerhalb der Küche, ohne wirklich den Raum betreten zu müssen und wurde mit einem kurzen Schweigen belohnt. Das genügte ihm um anzudeuten, dass es durchaus Arbeit gab, der auch irgendwer nachkommen musste.


    Mit einem frisch aufgebrühtem Tee für die Zuckerbäckerin auf dem Handteller balancierend, umrundete er die Theke mit gleichmäßigen Schritten. Dabei lächelte das Dschinnblut der Sängerin noch ein letztes Mal entschuldigend entgegen und trat dann seiner neuen Geschäftspartnerin entgegen.

    "Me`Dam Coralyne." begrüßte er sie aufrichtig lächelnd und neigte in langsamer Geste den Kopf um ihr zeitgleich den Tee zu servieren.

    " Ich muss gestehen, Euer Besuch überrascht mich. Positiv selbstverständlich. Ich hoffe, Ihr seid hier, weil ich Euch beeindruckt habe und nicht, weil ich Euch mit meiner Nachlässigkeit verstimmt haben könnte und ihr mich nun spüren lassen wollt, dass ich eure Geduld überstrapaziert habe? " schon nach den ersten zwei Sätzen erblühte ein schelmisches Lächeln auf seinen Lippen. Ein wenig von sich selbst überzeugt und an dieser Stelle sich selbst nicht ganz ernst nehmend.

    Natürlich hoffte er, dass Me`Dam Coralyne nicht verstimmt war, aber Frauen neigten häufig dazu, ihre wahre Gefühlslage nicht nach Außen dringen zu lassen. Vorsichtig und etwas abwartend, lehnte er sich etwas zurück. Seine gebräunte Hand legte sich langsam auf einer Stuhllehne ab, fast als überlegte er ob er sich einfach setzen sollte, oder erst einen etwaigen Sturm abwarten, der womöglich über ihn hinwegrollen könnte. Auch, wenn er die Zuckerbäckerin nicht so einschätzte. Ihr letzter Besuch hatte eigentlich sehr deutlich gemacht, dass sie eine direkte aber ehrliche Frau war. So war es doch sicherer und hier in Sorieska vermutlich höflicher abzuwarten bis sie ihm einen Sitzplatz anbot.

    Laflar nickte ausweichend, doch es war nicht an Siral das weiter zu ergründen. Jeder hatte seine Vergangenheit und Gedanken, nicht jeder sah es so wie er und er hatte schon viele Geschichten und Leidenswege von Gästen gehört um zu wissen, dass man bei so etwas nur dann nachbohrte, wenn sein Gegenüber einen kleinen Hinweis fallen ließ, dass er es insgeheim wünschte.

    Nicht so Laflar, ihr Blick ging durch den Raum zurück zu Coralyne und dass die Sängerin so zuvorkommend reagierte überraschte ihn ein wenig.

    "Ein Gast? Nein. Nein, nicht direkt. Der Zufall hat es gewollt, dass sich erst vor kurzem eine vielversprechende Geschäftspartnerschaft ergeben hat. Aber.." seine Hand hob sich um Laflar zu deuten, dass sie sich einen Moment gedulden sollte, während die andere die Beutelchen durchging, die er sorgfältig in die Kiste gereiht hatte.

    " Ich habe.. euren.." Siral hob ein vermeintliches Beutelchen heraus und steckte es wieder zurück, als er den Vermerk darauf nicht die Sängerin betraf. " Lohn bereits..." triumphierend zog er einen roten Seidenbeutel heraus in dem mehr Münzen klimperten, als ursprünglich abgemacht schienen.

    " Hier. Einschließlich der direkten Spenden im Nachhinein, bei denen ich so frei war, sie Statt in Ware.. also einem Ausgegebenem Getränk einer Speise - in den effektiven Münzwert umzusetzen. Ich hoffe, das war in Eurem Sinne." Er stellte den Lohnbeutel vor der hellhäutigen Frau ab und strich in seinem Kassenbuch die Zeile durch. Viele Gäste gaben den Sängern Getränke oder Speisen aus, die in den meisten Fällen natürlich nicht alle verzehrt werden konnten und desswegen vermerkt wurden und schlussendlich abgerechnet.

    Sein Blick ging zu Coralyne die sich an ihren erwählten Platz gesetzt hatte während seine Hände weiter arbeiteten.

    " Heute ist es etwas ruhiger, ich bin mir Sicher es ergibt sich später am Abend für Euch die Möglichkeit mehr über Jenen zu erfahren, in dessen Gasthaus ihr Verbleibt." ein zuvorkommendes ja fast zufriedenes Lächeln zierte sein Gesicht, während er Gedanklich daraus schlussfolgerte, dass ihm die Sängerin wohl noch eine Weile erhalten blieb. Er hob das Sieb von der Tasse ab, schwenkte es kurz um die verbliebene Flüssigkeit abtropfen zu lassen und schließlich den Tee für Coralyne servierbereit herzurichten, während es ihn schon mehr zur Zuckerbäckerin zog.

    Stur lag seine Aufmerksamkeit gerade auf dem Gegenüberliegenden Kronleuchter, als er den Blick des Schatzsuchers auf sich fühlte. Ja er hätte es nicht tun sollen, seine Magie ein weiteres Mal preisgeben und dennoch, blieb ihm keine Wahl. Nicht, wenn er ihr die Schmerzen nehmen wollte ohne sich tatsächlich zu bewegen. Und Ja, der Mann hatte es eindeutig mitbekommen. Seine Worte verrieten es. Er dachte zuerst dass Noah spottete, doch seine abschließenden Worte verhießen anderes. Ein kaum merkliches Anspannen der Muskeln ging durch seinen ganzen Körper.

    Siral konzentrierte sich weiterhin auf die davoneilende Baronin ohne sie wirklich anzusehen.

    Mitgefühl.. Gleichermaßen Schwäche und Stärke.. oder in diesem Fall viel eher sein Verhängnis. Ganz sicher würde ihm das zum Verhängnis, wenn die Fee zurückkehrte und erkannte was er getan hatte.

    Wenn nicht alle abgelenkt wären von diesem näherkommendem Geräusch, oder vielmehr pochendem Vibrieren, dass durch das Gemäuer zu hallen schien, hätte er vermutlich nicht länger dem Drang widerstehen können. Noah zuzuzischen, dass er das gefälligst lassen sollte, So auffällig das Halsband präparieren, dass es nun inzwischen wohl wirklich jeder mitbekommen musste.

    Mehr Unruhe erfasste die Gäste. Stoffe raschelten. Hände wurden erschrocken und abwartend zu den Mündern gehoben. Niemand den er kannte oder den er sich vorstellen konnte, vermochte solch eine Ehrfurcht zu verursachen. Niemand strahlte eine solche Macht und Erhabenheit aus, noch bevor er tatsächlich im Raum erschien. Und doch .. kannte er einen! Aus Erzählungen ja..

    Farben und dann Dunkelheit in diese Eiskalte schneeweisse Welt brachte und jeder auf die Knie sank oder sich förmlich zu Boden warf. Durch die überwältigende Präsenz, ging auch der Samhare auf die Knie, wurde sich dessen erst wirklich bewusst, als er schon den kalten Boden durch die Seide fühlte und langsam den Blick senkte. Der Feenkönig höchst selbst. Eindeutig... All die Geschichten aus seiner Kindheit schienen auf ihn hineinzufluten und wurden seiner Vorstellung von Damals doch nicht gerecht.

    Auch wenn sie zuvor verhüllt gewesen war, hatte er diese Frau schon richtig eingeschätzt. Ihr Gesichtsausdruck verriet selten, welchen Einfluss seine Worte haben könnten. Ein Kompliment brachte sie sichtlich nicht aus der Bahn. Der Augenaufschlag mit dem sie ihn ansah verriet kaum etwas über das was in ihr vorgehen mochte und noch weniger Regung zeigte sich, als sie an dem Behältnis roch aus dem der Dampf aufstieg.

    Kein Staunen.. Kein Wiedererkennen eines geliebten Duftes. Keine Überraschung über ein neues Aroma.

    Es lag zwar ein Klang in der Stimme, aber wenig aufrichtiges Gefühl. Wie Jemand der Worte schlecht einstudiert hatte und nur gering beeindruckt war...

    Sein Blick lag einen Moment auf den schlanken Händen die das Gefäß umklammerten. Er war schon zu lange im Geschäft um durchdringen zu lassen, dass es ihn doch etwas kränkte, dass sie eine solch erlesene Teemischung nicht entsprechend zu würdigen wusste. Die er ihr noch nicht einmal berechnet hätte. Doch rief er sich ins Gedächtnis, dass nicht jeder dem arjisthanischem Tee gleichermaßen Wertschätzung beimaß und schon garnicht in Sorieska. Wo die Geschmäcker andere waren.. Dinge mehr oder weniger Wert besaßen als Zuhause. Eine erneute herausforderung mit jedem neuen Kunden...


    Und außerdem war sie direkt... Siral horchte auf ihre Nachfrage und nahm es ihr keinesfalls übel, dass sie mehr über ihn wissen wollte, auch wenn es gleichermaßen ungewöhnlich war, dass jemand so fordernd nach Antwort verlangte. Eine Frau die kaum mit ihm bekannt war und selbst soviel zu verbergen vermochte. Etwas, dass er auch erst hier hatte lernen müssen... Dass die Frauen in Serijsa anders waren als in Arjisthan.

    Sein Vater hätte mit einem Zähneknirschen geantwortet um den Schein des guten Gastgebers zu wahren, doch er der alte Samhare hätte das niemals so auf die leichte Schulter genommen, wie Siral es tat.

    Er legte die Utensilien auf ein Tablett und stellte es näher an die Küche ein mildes Schmunzeln lag auf seinen Zügen.

    " Ich bemühe mich, ein freundschaftlicheres Verhältnis zu meinen Angestellten zu wahren als viele Wirte in manch anderen Teehäusern, desswegen ist es vermutlich schwerer ersichtlich wer hier wirklich das sagen hat. " meinte er scherzend und lächelte bevor er wieder mit der Schulter zuckte.

    " Für manch einen, mag das unkonventionell wirken. Aber ich finde die Stimmung in so einem Hause ist doch eine ganz andere. Also ja. Das Gasthaus gehört mir. Mein Onkel unterstützt mich allerdings bei dieser Aufgabe." erklärte er noch abschließend und sah einmal kurz auf als er mitbekam wie sich die Türe geöffnet hatte. Beinahe überkam ihn ein schlechtes Gewissen, als er Me`Dam Coralyne erkannte, die auf den Stock gestützt in den Schankraum eintrat.

    Er hatte so schnell nicht mit ihr gerechnet, oder hätte sie erwartet, dass er ihre Angebot zuerst nachkam? Um sich ihr Geschäft anzusehen und sich ihres Könnens zu versichern? Er hatte eigentlich gedacht, er hätte deutlich gemacht, dass er in diesem Punkt auf ihr Wort vertraute. Das Dschinnblut lächelte begrüßend und hob kurz die Hand in die Richtung der Zuckerbäckerin. Es wäre unhöflich Laflar gegenüber, jetzt davon zu stürmen und ihr einen Platz anzubieten. Doch der Etikette nach folgend, wäre ein Geschäftspartner wie es Coralyne nunmal war höher gestellt als ein angestellter Musiker..

    " Me`Dam Coralyne, ihr beehrt mich unerwartet!" schmunzelte er und hob bittend die Hand. " Wenn Ihr mich noch einen Augenblick entschuldigen würdet? Ich bin gleich bei Euch." versicherte er ihr und griff nach einem leeren Gefäß, während er sich wieder Laflar zuwandte.

    "Es ist das erste Geschäft meiner Familie, so weit außerhalb von Arjisthan. Doch wer nichts Neues wagt und etwas mit Herausforderung sucht hat sich den Stolz seiner Familie nicht verdient, meint ihr nicht auch?"

    Die getrockneten Kräuter gaben schnell ihre Farbe an das heisse Wasser ab und verbreiteten ihren unvergleichlichen Duft. Orangenblüten aus Theramia, Kaktusblüte aus Arjisthan und eine seichte Gewürzmischung, die dem süßen Geschmack noch eine Kräftigere Note verliehen.

    Siral wartete eigentlich darauf, dass die Sängerin mit der hellen Haut zu ihrem eigentlichen Anliegen kam. Doch sie schien sich erst erklären zu wollen, warum sie keinen Schleier trug. Oder suchte sie einfach nur Gesellschaft und suchte nach einem Thema mit dem sie in ein Gespräch einsteigen konnte? Er war selbst ein wenig überrascht von dem Wortschwall mit dem sie ihre Seite der Geschichte verdeutlichte, obwohl er garnicht vorgehabt hatte, sie darum zu bitten sich zu erklären. Soetwas wäre unhöflich und konnte missverstanden werden.

    Siral kannte schon eine Menge, eigentümlicher Personen. Es hätte den Samharen auch nicht gestört, wenn sie einfach nur exzentrisch gewesen wäre und desswegen einen Schleier trug. Oder auch einen anderen Grund gehabt haben mochte, als schlichte Ruffördernde Maßnahmen.

    " Zuweilen, mag ein Geheimnis die Neugierde der Kunden steigern, es kann aber auch ins Gegenteilige umschlagen und dem Ruf schaden, da habt Ihr Recht." nickte Siral dem Ganzen irgendwie zustimmend und doch ließ er seine eigene Meinung dazu nicht wirklich durchblicken. Er selbst, das Teehaus und seine Gebäckstücke Ja sogar seine eigentliche Ware, ließen sich manchmal besser anpreisen, wenn man eine vermeintliches Geheimnis erwähnte, doch sollte man an gewissen Dingen nicht kratzen, wenn man das Geheimnis nicht zu offenbaren bereit war.

    " Ich kann Euch versichern, dass Jemand wie Ihr, sich nicht hinter einem Schleier verstecken müsste, nur um sich der Neugierde der Gäste sicher zu sein." versuchte er sich an einem Kompliment und hob das kleine Tablett von seiner Seite der Theke um es vor Laflar zu stellen und das Sieb abzuklopfen und Abzuheben. Ihre Haut und Haarfarbe war ungewöhlich hell und die Augen für sein Empfinden zu durchdringend... So manche Männer mochte das durchaus anziehen. Nicht, dass das den leidenschaftlichen Gastwirten aus der Bahn werfen würde.

    "Das beste aus Arjisthan und Theramia.." meinte er selbstsicher präsentierend mit einem kurzen Deuten auf den Tee. Dann stellte er ein kleines Tiegelchen Honig daneben. " Wenn Ihr denn wünscht, doch ich finde er besitzt schon eine leichte süße Note, die Honig für manche überflüssig macht."

    Siral vermerkte die Summe gerade in dem schweren Kassenbuch, als er die vorsichtige Anfrage an ihn gerichtet hörte. Eine Sekunde später und unmittelbar nach dem letzten Federstrich sah der Samhare auf, noch während die ersten Silben ihrer Befürchtung über ihre Lippen gekommen waren hatte die Sängerin seine volle Aufmerksamkeit. Er hatte zwar die Bewegung im Augenwinkel bemerkt, doch hätte er die Stimme nicht zuerst gehört und eindeutig Me`Dam Laflar zugeordnet, hätte er sich wohl in Anbetracht eines ihm unbekannten Gesichts gehörig in die Nesseln setzen können.

    "Nein, tut ihr nicht. Me`Dam." ein zuvorkommendes Lächeln bahnte sich seinen Weg auf das gebräunte Gesicht während er das Kassenbuch ein Stück zur Seite schob. Warum also trug sie einen Schleier, wenn es eigentlich keinen Grund gab, dass sie sich verhüllen müsste? Sie war weder entstellt, noch verlangte die ungewöhnlich helle Hautfarbe im Inneren des Hauses danach vor der Sonneneinstrahlung geschützt zu werden. Unaufdringlich musterte er sein Gegenüber. Dass sich die Frauen in Samanhar verhüllten, war ihm bekannt... doch sonst? Und vor allem, warum trug sie ihn jetzt nichtmehr? Lag es daran, dass sich hier weniger Gäste als am gestrigen Abend befanden?

    " Ganz und garnicht. Wie kann ich Euch helfen? Tee?" fragte Siral aufrichtig interessiert wirkend und wartete keine Antwort ab, bevor er einen sauberen Kupferbecher auf ein Tablett stellte, etwas von einer fruchtigeren Kräutermischung hinein Löffelte und in einstudierten Bewegungen nach dem von der Hitze rosigglänzenden Teekessel griff um das Gefäß mit dem dampfenden Wasser aufzugießen.

    Siral liebte die Arbeit die mit dem Gasthaus und der Teestube einherging. Vermutlich zu sehr,um davon die Ruhezeit abzuzwicken die er eigentlich brauchte. Und manchmal fragte er sich, ob sich beides weiterhin gut genug miteinander vereinbaren ließ, wenn sich der Samhare die übrigen Nachtstunden zumeist damit um die Ohren schlug, sich um sein eigentliches Gewerbe im Kellergewölbe zu kümmern, dass er manche Tage mehrere Tassen starken Tee und einen Dampfbadbesuch brauchte um wieder einigermaßen in Form zu kommen.


    Der Samhare grübelte gerade, nach vielen bereits erledigten Aufgaben, hinter der Theke über seinem Kassenbuch und verteilte diverse Münzen aus einem Kästchen in kleine Beutelchen, während er den lauten Diskussionen Zustrans und seines Kochs auf Samhani mit halbem Ohr lauschte. Während sein Ziehonkel stets die Finanzen im Hinterkopf behielt und daran festhielt, nicht übermäßig die Speisekammern damit zu füllen, was man Ende gar nicht gebraucht wurde, so fühlte sich der Koch in seiner Freiheit mehr als eingeschränkt und protestierte gegen den vermeintlichen Geizhals. Siral hatte es aufgegeben sich dort einzumischen. Er vertraute darauf, dass sowohl Zustran als auch der Halbsamanharite sich wieder einig wurden. Schließlich konnte er sich nicht um alles in dem Haus kümmern, dann könnte er auch gleich Lareann hinterherdackeln und jeden ihrer Handgriffe beim Bettenüberziehen kritisieren. Desshalb hatte er ja eigentlich für jeden Bereich einen Stellvertreter ernannt. Dunija behielt die Gästezimmer und Sauberkeit im Haus Blick und damit auch die Zimmermädchen. Der Koch, dass die Verköstigung seiner Gäste reibungslos von Statten ging. Während Zustran eigentlich die Hand über alle anderen Verwaltungsangelegenheiten haben sollte, so hatte er sich das zumindest in anfänglicher Naivität vorgestellt. Die Realität sah dabei schlussendlich immer ganz anders aus.


    Er ließ die beiden Männer diskutieren, nur wenn es zu laut wurde, mischte sich der Hausherr ein. Ein offensichtliches Streitgespräch kam selten gut bei Gästen an, auch wenn der Gastraum noch sogut wie leer war. Ungewöhnlich für so einen Tag wie heute...

    Das Dschinnblut verteilte den Lohn der Tänzerinnen gerecht nach Vereinbarung und sortierte danach wieder die Beutel zurück in ein Kästchen, wo sich die Damen nach und Nach ihre Bezahlung abholen oder gegenverrechnen würden. Dabei trank er gelegentlich aus einem der verzierten Becher seine starke Teemischung.

    Die Wunden schienen sich nicht zu verschließen, oder nur quälend langsam, dass man es nicht einmal mit den Augen sehen konnte. Als könnte die Schattenwandlerin dafür einen Gedanken verschwenden. Das Blut tropfte warm über ihren Arm nach unten. Das Brennen auf der Wange nahm ihr noch immer die Sicht auf einem Auge. Sie fühlte sich so unendlich erschöpft, dass sich ihre Fingernägel in die Rinde des jungen Baumes gebohrt hatten um mehr Halt zu finden.


    Dankbarkeit durchströmte Persecea , als der Sereis Iago oder vielmehr der Hexe seinen Schutz anbot. Machte das einen Unterschied? Doch war es eine Hoffnung, denn weder sie noch Desmondeo waren dazu noch in der Lage den jungen Fabrian zu schützen. Der Fürst stand zu seinem Wort. Bisher zumindest..

    Doch was dann passierte erschütterte Persecea. Die Erleichterung über dieses Angebot wandelte sich zur Angst, weil sie sein Zögern bemerkte und dann fast schlagartig in Wut, als der geflügelte Schattenwandler ablehnte.

    Ein Fluch kam keuchend über ihre Lippen. Die Schattenspringerin wollte einen Schritt nach vorne machen, doch ihre Fuß wollte ihr Gewicht nicht ohne die Stütze der jungen Birke halten.

    Dummer Junge! Denn nichts anderes war er gerade. Verlassen von jedweder Vernunft. Bezirzt von der verdammten Hexe in seinen Armen, dass er sich seinem Fürsten widersetzte und sich selbst dem Tode nahe brachte.

    Verzweifelt wanderte ihr Blick zum Rücken des Sereis. Flehte innerlich, dass er ihn aufhalten würde und nicht um ihn, für seine Befehlsverweigerung zu bestrafen, sondern um ihn gegen seinen Willen zu schützen. Er würde sich vermutlich wehren, doch niemand bestand gegen den Fürsten. Noch nicht... Iago war noch nicht so weit. Und wenn er das hier nicht überlebte, würde er es niemals...

    Doch Magnas erhob sich nicht um der fliegenden Silhouette zu folgen.

    Die Rufe und das Geschehen um sie herum verschwamm. Ein Toter... Vermutlich von Desmondeo zur Strecke gebracht.. Sie hatte ihn schon oft in der Arena Kämpfen und vor allem siegen sehen. Dass sich eine Hexe und ein Mensch hier eingemischt hatten, hatte sie im Eifer des Gefechts garnicht mitbekommen. Rufe in der Ferne.. und dann sank Iago wieder hinab.

    " NEIN!" rief die Schattenwandlerin aufgebracht in den Himmel. Selten wurde sie so laut. Wütend. Voller Sorge und stolperte doch einen Schritt nach vorne und ging in die Knie. Weil sie die herannahende Hexenzunft bereits sehen konnte und Iago dort direkt landen würde. Du dummer einfältiger...!

    " Bitte, Sereis..." ihr Blick lag fast flehend auf dem Fürsten und huschte unstet immer wieder auf dem hinabsinkenden Iago.

    " Er weiss nicht was er tut.." hauchte sie beinahe. Eine Stumpfe unsinnige Erklärung.. Sie nahm sich zu viel heraus, das wusste sie. Wer war sie schon, dass sie den Fürsten um etwas bat oder auch nur das Wort an ihn richtete? Doch die Verzweiflung, war ihr Grund genug. Angst um jenen mit dem sie aufgewachsen war und den sie nun nicht mehr beschützen konnte, obwohl sie einen Schwur geleistet hatte Nur langsam verschlossen sich die Wunden. Doch sie war weit entfernt davon, dass sich ihre Kraft wieder herstellte.

    Ja, davon hatte Siral gehört. Das kam zwar häufiger vor als man glauben mochte, dass jemand in dem Dampfraum das Bewusstsein verlor. Denn die Nicht-Samanhariten, muteten sich mit den heissen Dampfbädern zuviel zu und unterschätzten die Auswirkungen. Doch Dunjia arbeitete sehr gewissenhaft und desswegen machte er sich keine Sorgen.


    "Alles eine Sache der Gewöhnung." entschied Siral freundlich versichernd und hauptsächlich an die Verhüllte gewandt.

    " Aber unter den Umständen verständlich." Da die Frau so schon ihr Gesicht nicht zeigen wollte, konnte er sich auch nicht vorstellen, dass sie unverhüllt in so einen Raum ging.

    "Dann möchte ich mich vorerst entschuldigen. Und solltet Ihr doch noch etwas brauchen, könnt Ihr Euch jederzeit an einen meiner Angestellten wenden." verkündete er an beide gewandt und senkte verabschiedend den Kopf und machte noch einen Halben Schritt weiter in den Raum hinein, als Frauengekicher aus der Richtung kam, aus der Laflar zuvor in den Flur getreten war.

    Gleichzeitig schälten sich drei Damen ähnlich dürftig bekleidet wie der Teehausbesitzer, nämlich nur mit einem großen Tuch bedeckt, aus dem Treppenabsatz und kamen sich unterhaltend in ihre Richtung, offensichtlich ebenfalls mit dem Ziel des Dampfenden Raumes. Es war nicht unüblich, dass die Tänzerinnen den Raum nutzten, das kam schonmal vor. Doch musste es ein gar missverständliches Bild abgeben, als der Samhare, begrüßend lächelnd den Damen die Türe aufhielt und die Tänzerinnen schnell hineinhuschten und dann bedenkenlos die Tücher lösten um sie an die Haken zu hängen.

    " Me`Dam... Me`Syr." verabschiedete er sich und verschloss die Türe.

    "Ja, Euer Lohn." nickte Siral noch einmal auf die beinahe iritierte Nachfrage. Bevor sein Blick kurz zwischen den beiden Gästen hin und her huschte.

    Doch Laflar schien nachsichtig mit ihm und verlangte die Bezahlung nicht sofort.

    " Bei den Öffnungzeiten läuft die Innere Uhr ein bisschen anders, ja." begann er zu schmunzeln. Überhaupt kam er, wenn man die Zeit hochrechnete, am Tag mit sehr wenig Stunden schlaf aus, wenn man bedachte, dass er eigentlich zwei Geschäfte hier führte und ein Teil davon im Dunkel der Nacht erfolgen musste. Mitunter brachte da die lange Öfnnungszeit des Roten Schleiers doch eine glaubhafte Ausrede, dass er bis Mittag schlief.

    Und doch, während er die Gäste beobachtete, wurde deutlich, dass ihm gerade eigentlich keine Beachtung geschenkt wurde. Die beiden Feenblute schienen irgendwie, abwesend. Eine seltsame Stimmung die man beinahe greifen konnte.


    Sein Blick wurde kurz von Laflars Worten zurück zu Vajdan gedrängt, als sie sich nach seinem Befinden erkundete. Die Regungen der Sängerin, war wohl vorteilig verhüllt vom Schleier, an Siral vorbeigezogen. Während Vajdan ohnehin irgendwie immer Bleich wirkte, seitdem er seine Bekanntschaft gemach hatte. Und der Teehausbesitzer aus seiner ganzen Art nicht so recht schlau wurde. Für gewöhnlich gestand er sich selbst ein gutes Maß an Menschenkenntnis ein... Doch der vernarbte war irgendwie seltsam.

    Ach was.. beide.

    "Ich kann einen Heiler holen lassen, wenn Ihr Euch nicht wohl fühlt, Me`Syr. Oder Ihr gebt meinem Onkel unten im Schankraum bescheid?" schlug er vor. Auch wenn Zustran genau genommen nicht sein Onkel im eigentlichen Sinne war. Doch war das deutlich Einfacher ihn als einen Onkel vorzustellen, als einfacher Geschäftspartner oder gar jemand der durch eine Schuld an seine Familie gebunden war.