Die Hexerhütte

  • Tuuli besah sich den Mann erneut diesmal sogar noch genauer... Fast prüfend. Nich das er noch nie von den wilden Hexen gehört hatte.. Es gab sehr viele Geshcichten über sie und sie zählten zu jenen Lagerfeuergeschichten die er als Kind am liebsten von seinem Vater gehört hatte, dennoch war er nie einem begegnet, zumindest nicht wissentlich. Zwar hatte er beim betrachten seiner Heilkunst bereits stark vermutet das Magie eingesetzt wurde. Allerdings sicher war er sich da nicht gewesen.


    "Das erklärt natürlich so einiges und ich denke das könnte ihm wirklich Spaß machen." Besonders dem junge aufgeweckten Wind, der die Brisen ritt. Nur zu gerne würde dieser mit Sicherheit genau das Gegenteil von dem tun, was man ihm zu Befehlen versuchte. Unweigerlich kam ein Grinsen in sein Gesicht, dass erst wieder verschwand, als Cuanard über einen Infekt der Lunge sprach. Tuuli kannte sich Hauptsächlich mit äußeren Verletzungen aus. Ein wenig auch mit Erkältungen und vorallem mit Pferdekrankheiten, nicht aber bei derart schlimm klingenden Erkrankungen die zum Tod führten.


    "Dann sehe ich mal nach wie es ihm geht." Gab er besorgt von sich und wendete sich zur Tür um und trat hinaus in den Regen. Sein Wagen stand unter einem leicht überhängenden Baum und Bertha schien den Frühlinsschauer zu genießen während sie sich weiter an dem saftigen Grün satt fraß. Ihr Ohren zuckten als er Noah suchend um die Hütte herumschritt um nach Noah zu suchen und er von einer ähnlich warmen Windböe begrüßt wurde. Der Wind wirkte wieder ausgelassen tanzte mit und um die Tropfen. Durchstob sie, änderte ihre Richtung um sie dann wieder weiter niederprasseln zu lassen. Dann sah Tuuli Noah am Waldrand hinter der Hütte stehen. Auch dieser schien ähnlich wie Bertha, den Regen willkommen zu heißen. "Me'Syr Noah, wie geht es euch?" fragte er leise um ihn nicht zu erschrecken während er näher trat und der Wind einige Tropfen im Schlepptau auch Noah umtanzte, mit der Arbeit von Tuuli und vorallem der von Cuannard sichtlich zufrieden.

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  • "Me'Syr Noah, wie geht es euch?" Freudig drehte sich Noah, die Arme noch immer weit ausgestreckt, das der plötzliche Windstoß ihm die Ärmel wild flattern ließ. „Phantastisch, Me‘Sir, einfach phantastisch!“ Doch das von fast schon kindlicher Freude zeugende Lachen, das ihm ob der Tatsache hier aufrecht, inmitten der so wunderbaren Natur zu stehen, wo der besonnenere Teil von ihm im Stillen doch schon längst mit seinem Leben abgeschlossen hatte, dieses Lachen brach zu rasch ab und der von einem Schmerzenslaut begleitete Griff seiner Hand an deine Stirn, bezeugten das Gegenteil des eben geäußerten. „Ich lebe, Me‘Sir Tuuli und das ist mehr, als ich heute Morgen noch zu hoffen gewagt habe! Aber vielleicht sollte ich es dennoch ruhiger noch angehen.“ Das eine Auge war inzwischen wieder blutverkrustet, doch linste durch einen kleinen Spalt ein gesund scheinendes Auge, dem unverletzten gleich, gen Tuuli, derweil der Regen, noch immer von einem neckisch Noah umtanzend Wind durcheinander gewirbelt, belebend auf das Tierblut niederging. Mit einem Male, als eine Böe im die Kapuze über den Kopf schob, als wollte sie ihn ermahnen dem Regen noch nicht jetzt schon, in diesem Stadium, zu lange sich auszusetzen, blitzte Erkennen in Noahs Augen auf. „Ihr Seid ein Kind des Windes!“ Doch als Noah die Kapuze wieder abstreifte, den Regen so – zumindest ein paar Augenblicke noch – weiter genießen zu können, da war eher Freude den Missachtung oder Ablehnung in seinen Blicken zu lesen und es mochte beinahe schmunzelnd anmuten, als Noah den unsichtbar ihn umtanzenden Wind mit seinen Blicken zu erfassen versuchte. „Danke!“ sprach er darum ins Leere, ehe er sich erneut Tuuli zuwandte.


    „Me‘Sir, ich verließ heute Morgen die Kemenate um – auch wenn ich es mir bis eben nicht habe eingestehen wollen – die Heilung oder den Tod zu finden und ohne Eure Hilfe…“ Noah griff in einen an der Kordel seiner Kutte befestigten Geldbeutel und klaubte eine gut gefüllte Geldkatze daraus hervor aus der er eine, für eine reine Kutschfahrt bloß, unverschämte Zahl an Goldraben hervor nahm und Sie Tuuli zur Not auch aufgezwungenermaßen in die Hand drückte. Ich schulde euch mein Leben, Me‘Sir Tuuli; das ist so sicher, wie Dinëis! Wirken heute und hier nicht bestritten werden kann. Ich schulde euch mein Leben, Me‘Sir und dies ist die geringste Form des Dankes und doch alles, was ich gegenwärtig geben kann. Bitte nehmt es, würde alles Andere mich doch nur beschämen, wenn nicht gar entehren. Nehmt es darum – bitte!“ Nach dem, was Noah von den, auf der Burg seines Vaters stets willkommenen, Kindern des Windes zu wissen glaubte, waren die wenigsten dermaßen auf die Besitztümer Anderer in dem Maße aus, wie es die restliche Welt zumeist doch befürchtete, weswegen Noah also auch von Anfang an versuchte, jeden Widerspruch abzuwiegeln. „Und nun…“, Noah stützte sich einen Moment lang wankend auf seinen Stab und griff dann sichernd auch noch nach Tuulis Schulter, „– würdet Ihr einem kürzlich Todgeweihten, auf dem Weg zu einem noch unentlohnten Heiler, Eure stützende Hand nochmals leihen?“ Der noch immer gut gefüllte Geldbeutel in Noahs rechter Hand zeugte davon geleert werden zu wollen und auch ein leichter kurzer Husten belegte, dass eine heiße Tasse Tees, einem, gleich wie sommerlich auf der Haut prickelndem Regenschauer doch vorzuziehen sei.

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    5 Mal editiert, zuletzt von Noah ()

  • Noah sah deutlich besser aus als noch Stunden zuvor und trotzdem nach wie vor ramponiert. Bis er völlig über den Berg wäre würde es sicher noch dauern. Trotz seiner anfänglichen Worte schien er selbst auch recht schnell zu diesem Schluss zu kommen. Um so mehr erstaunte ihn der Ausruf Noahs bezüglich seiner Abstammung. Nicht das er sonderlich überrascht war das ihn jemand als solches erkannte, aber das er sich in seiner Momentanen Situation damit beschäftigte und offenbar ähnlich viel freundliches Interesse daran zeigte wie der Hexer erstaunte ihn. Andererseits hatte der Wind sicher auch bei nicht grundlos so reagiert wie er es eben getan hatte. Erstaunt stellte Tuuli fest, dass sich Noah dann auch noch Tatsächlich beim Wind bedankte... Konnte er ihn auch sehen? Doch nein er blickte in die falsche Richtung oder zumindest folgten seine Augen nicht dem Windgeist... Dennoch war sich Tuuli sicher, dass der Mann das danke an den Wind richtete, welcher darauf antwortete indem er ihn einmal in einer wilden Kaskade umkreiste, was beinahe so wirkte als würden die Tropfen rund um Noah für einen Moment nach oben fliegen und in der Luft stehen bevor sie wieder weiter nach unten prasselten.


    "Ja, das bin ich und wie ich vermute, bin ich wohl nicht das erste Kind des Windes, dass ihr trefft." sagte er lächelnd und trat noch ein Stück weiter auf Noah zu der einen Moment schwankte. Obwohl er Noahs folgende Worte durchauß ernst nahm, lehnte er mehrfach dessen Bemühungen ab. "Ich habe bloß getan was richtig war ihr müsst mir dafür kein Geld geben ihr schuldet mir auch nichts." Mehrere Ansätze führte er aus, doch er merkte schnell, dass er Noah davon nicht abbringen konnte. Es war dem Mann ein wichtiges Bedürfnis und obwohl es sich nicht vollkommen richtig anfühlte das Geld zu nehmen willigte er schließlich ein vorwiegend auch da Noah offensichtlich nicht bereit war das Gespräch erst drinnen fortzuführen und er wollte, dass der Mann aus dem Regen kam. "Dann danke ich euch Me'Syr Noah, ich nehme euren Dank an unter zwei Bedingungen. Erstens lasst ihr mich noch Sorge tragen, das Bertha und ich euch gute nach Hause begleiten insofern euch der Heiler bereits entlässt und zweitens lasst ihr mich euch demnächst zu einem guten Essen einladen, bei dem wir Geschichten austauschen, wie es bei meinem Volk üblich ist wenn man Freunde trifft und ihr seid ein Freund meines Volkes und des Windes, das sehe ich nur zu deutlich." sagte Tuuli lächelnd und erschrak dann nur kurz als Noah sichtlich seine noch schwächelnden Beine nur schwer kontrollieren konnte. "Natürlich kommt, nutzt mich als Stütze!" Damit begleitete er den Mann in die Hütte zu dem Mann der sich ihm als Hexer zu erkennen gegeben hatte.

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  • Cuanard hatte nur genickt und das Kind des Windes ziehen lassen. Er fühlte, dass sich sein Patient gegenwärtig nicht (mehr) in einer lebensbedrohlichen Lage befand. Die Heilung des Todgeweihten hatte ihm einiges abverlangt, er würde einige richtige Mahlzeiten, Schlaf und einige Meditationen brauchen, bis seine Vorräte wieder aufgefüllt wären.


    Mit geschlossenen Augen lauschte er dem Trommeln des Regens, den regelmässigen Atemzügen Tanyas, und von weiter weg den Stimmen der beiden Gäste. Erst als diese sich langsam der Hütte näherten blinzelte der Hexer, erhob sich langsam und schritt zur Tür, um diese für die beiden zu öffnen.


    "Me'Syr, schön Euch wieder auf den Füssen zu sehen."

  • Noah betrat die Hütte und lächelte, ein nichtsdestotrotz leicht schmerzverzerrtes Lächeln. „Wenn ihr euch schon freut, könnt Ihr euch sicherlich denken, wie es mir dann erst gehen muss!“ Erneut ein leichter, aber harmloser Husten, der nichts weiter als den Beginn einer leichten Erkältung bezeugte. „Ich bin mir sicher heute Abend bereits vor Mutter Gëa hätte treten müssen, hätte ich keinen Heiler gefunden, der sich meiner annähme, aber dieses hier…“ Noah drehte sich mit ausgebreiteten Armen einmal im Kreis, als wolle er sein Äußeres präsentieren. „Dann wandte er sich Cuanard wieder, warf ihm den klimpernden Beutel zu. „Ein bescheidener Dank!“ Nach der Drehung sich dann aber doch an Tuuli kurz festhalten müssend, bis der darob aufgekommene Schwindel vorüber war, bat Noah dann doch: „Darf ich mich setzen und hättet Ihr vielleicht etwas warmes zu trinken?“ Erschöpft wischte Noah erneut wider die Stirn und lächelte erneut Tuuli und Cuanard dankbar entgegen. „Ein wahrhaft gesegneter Tag, der mich Euch begegnen ließ! Ich werde heute Abend wohl ein sehr lange Zwiesprache mit der Göttin halten müssen.“


    Langsam ließ das Trommeln des Regens auf dem Dach nach und ein angenehmer Duft nach Wald drang von außen in die Hütte ein. Die durch die Wolken brechenden Strahlen der Sonne ließen den Boden bereits nach wenigen Augenblicken dampfen und ein Gefühl von Wärme bereitete sich in Noah aus. All dieses zusammen schien Noah mit einem Male wie ein Zeichen, als wenn die Göttin selbst… „Aber ich schulde Euch mehr, als bloß Gold. „Wann immer Ihr Hilfe benötigt, welcher Art auch immer – solange Euer Anliegen fair und gerecht ist, könnt Ihr auf meine absolute Unterstützung hoffen. Und bis dahin, erlaubt mir bitte, Euch beiden meine aufrichtige Freundschaft hiermit anzubieten.“ So ruhig Noah auch sprach, mit der Tür in seinem Rücken, dahinter die im strahlenden Sonnenschein dampfende Wiese vor dem dunklen und geheimnisvollen Wald, der just jetzt so wirkte, als gehöre er gar niemandem und zuallerletzt dem Königshause selbst, hatte dieser Moment doch etwas beinahe Magisches an sich; als wären die eben von Noah getätigten Worte keine profane Äußerung bloß, denn vielmehr etwas gar Heiliges, er kein einfacher Patient, sondern von der Lichtmutter daselbst berührt.

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  • Tuuli war zufrieden mit dem Ausgang der ganzen Situation hier. Es schien als hätte der Wind ihn wiedereinmal zur richtigen Zeit an den richtigen Ort geführt und die beiden Männer hier hatte er auch zueinander geführt. Noch während Noah sprach und ihnen die Freundschaft so feierlich, ja fast schon zeremoniell anbot wie Tuuli es in diesem Zusammenhang noch nie erlebt hatte, erschien ihm das knacken der Äste vor dem Haus, als ob auch der Wind damit seine Zustimmung geben wollte, dass er zufrieden war. Ja als ob auch der Wind selbst diesen Moment für wichtig erachtete.


    Er betrachtete den immer noch geschwächten aber jetzt so viel lebendiger Aussehenden Noah für einen Moment ehe er freudig nickte und mit breitem Lächeln zustimmte. "Ich sagte ja bereits, dass ich in euch nur zu deutlich einen Freund meines Volkes erkenne und umso mehr freut es mich natürlich euch jetzt auch direkt als meinen Freund betrachten zu können." Er sah auch zu Cuannard mit dem er sich zuvor noch so interessant unterhalten hatte. Von diesem Mann konnte er womöglich noch einiges erfahren über dessen Sicht auf den Wind und wie er ihn verstand. Vielleicht würde er öfter hier halt machen als ursprünglich geplant... Immerhin hatte er nun auch abseits von Nari und dem Feentanz noch zwei Gründe die ihn hier her zurück locken könnten.

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  • Von hier...


    Es dauerte nicht lange, und sie erreichten die Hütte unweit des Stadttores.

    Der Gefreite Hobjen hatte angehalten. Er war als Kutscher tatsächlich ganz passabel wie Feldwebel Rahlan anerkennen bemerkte.

    Der Ehemalige Gerber war vom Kutschbock gesprungen und hielt den beiden Vorgesetzten sogar die Tür auf.

    "Die Herren... Wisst ihr, damals, als Gerber hab ich ja immer die großen Fuhrwerke..." Ein Blick von Vajdán brachte ihn jedoch zum Schweigen.

    Die sprangen aus der Kabine und Vajdán eilte zur Hütte.

    Ein verwildert aussehender Kräutergarten und ein kleines unauffälliges Häuschen. Es war tatsächlich bemerkenswert, wie der Gefreite das gefunden hatte. Man mußte schon wissen, wonach man suchte, das mußte Vajdán anerkennen.

    Der Feldwebel eilte zur Hütte und klopfte dort an die Türe während Vajdán die Gegend im Auge behielt und dafür sorgte, dass Hobjen schwieg.

    Auch zusammen mit seiner blauen Uniform trug er sie dünnen Handschuhe, die Erfahrung hatte einfach gezeigt, dass sehr viele Materialien in dieser Stadt einen unangenehmen Effekt auf seine Haut hatten. Wie die anderen Menschen das ausheilten wußte er nicht, aber vermutlich waren sie abgehärtet weil sie hier aufgewachsen waren. Allerdings gab es auch für sie Dinge, sie sie ungern mit bloßen Händen berührten, das eine oder andere hatte vor allem Hobjen in aller Ausführlichkeit beschrieben, insofern schien das nicht unnormal zu sein.

    So wartete Leutnent Jaroměr, die Hände auf dem Rücken, darauf, dass der Hexer die Türe öffnete.

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

  • Noah / Tuuli


    Mit einem erschöpften, aber dennoch deutlich amüsierten Lächeln betrachtete er Noah und das Kind des Windes. Etwas ungelenk fing er dabei den Beutel, die Reaktion später und hastiger, als dass es nötig gewesen wäre. Ein weiteres Zeichen der Erschöpfung.

    Doch auch der Patient spürte die Folgen seiner Tollerei.

    "Ihr seid nicht genesen, Noah, nur etwas weiter in eurem Heilungsverlauf, als dass es ohne Magie möglich wäre. Vergesst das nicht. Es war eine Menge Arbeit, Euren Kopf wieder zurechtzurücken - macht Sie nicht zu Nichte." Mahnte der Heiler, doch der sanfte Ton der dunklen Stimme minderte die Schärfe der Worte. Mit einer einladenden Geste liess er die beiden Männer wieder eintreten. Nachdem Tanya bereits das einfache Bett besetzte, wies er nun auf den Sessel, damit Noah sich ausruhen konnte. Eine einfache Bank würde als Sitzgelegenheit für Tuuli und ihn selbst genügen.


    "Das Wasser wird bald heiss genug sein, auch einen Tee für Euch, Tuuli?" Fragte der Avrieller, bevor er einige irdene Becher zu Tage förderte und aus einem Sammelsurium getrockneter Kräuter die scheinbar passenden heraussuchte.


    Vajdan Jaromer - deutlich später im Jahr


    Ein eindringliches Klopfen an der Türe liess den Heiler aufblicken. Er hatte die ruhigen Stunden genutzt, um die Ernte aus seinem kleinen Garten haltbar für den Winter zu machen. Dementsprechend war der einfache Holztisch voller Tiegel, Töpfe, Mörser, getrockneter und frischer Kräuter, sowie einer Kladde, in der er feinsäuberlich aufschrieb, was er hatte, und was er noch brauchen würde.


    Der Avrieller legte die Feder zur Seite und schritt zur Tür. "Seid gegrüsst, wie kann ich Euch helfen?"

  • Cuanard Macrae / Tuuli


    Noah besann sich eines Besseren, fest entschlossen, den mahnenden Worten des Heilers nun gerechter zu werden. Darum schwieg er auch, als er im Sessel das Kochen des Teewassers abwartete, auch wenn sich doch immer wieder ein freudiges Lächeln auf seine Züge stahl. Freude darüber, einfach noch am Leben zu sein. Als dann der Tee schließlich fertig war, schien Noah indes noch in sich gekehrter, bemerkte etwaige Gespräche zwischen den beiden Männern kaum und blickte nur wiederholt zu der im Bett scheinbar schlafenden schwangeren jungen Frau hinüber, als wolle er sich der Echtheit ihres momentanen Schlafes versichern, derweil er immer wieder kleine Schlucke der heißen Flüssigkeit aus dem Becher in seinen Händen, nahm, sich auch von innen so aufzuwärmen, wie zu beleben. Dann unvermittelt, als die Tasse leer war und noch bevor der Heiler ihm einen neue Tasse etwa anbieten mochte, sprach Noah doch nochmals – wie sich mit einem erneuten Seitenblick versichernd, das die junge Frau im Bette auch wirklich noch immer schlief.


    „Ihr habt Recht, Me’Sir Cuanard, ich sollte möglichst rasch heimkehren und mich dort rundum schonen, bis Mutter Gëa vollenden kann, was Ihr indes überhaupt erst ermöglicht habt. Und nein Me’Sir Tuuli, Ihr braucht mich nicht zu fahren!“, kam er dem einem möglichen Vorschlag des Kindes des Windes zuvor. „Erlaubt mir nur bitte einiges hier zu lassen, was ich so nicht mitnehmen kann. Wenn ihr wünscht, werde ich es später gerne abholen lassen, euch damit nicht unnötig weiter zu belasten!“ Sprachs, schrieb auf ein Blatt Papier mit einem Kohlestift noch rasch auf, wie und wo er zu finden wäre und verwandelte sich dann vor seiner neuen Freunde Augen in seine wahre Gestalt, sodass es zuerst scheinen mochte, als falle die von ihm getragene Robe in sich zusammen, ehe schließlich eine Schleiereule aus der Kapuzenöfnung schlüpfte, krächzte und, die Flügel ausbreitend, durch ein offenes Fenster schließlich fort und davon flog, auf geradestem Weg zu seiner Mansarde zu gleiten und erst dann wieder von dort hinabzusteigen, wenn die Verletzung endgültig ausgeheilt sein würde.

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  • <der spätere Handlungsstrang>


    "Leutnant Jaroměr und Feldwebel Rahlan von der Wache." stellte Rahlan sich und seinen Vorgesetzten knapp vor, er nickte kurz Vajdán zu, der bereits auf dem Weg zur Hütte war.

    Der Heiler kam Vajdán vage bekannt vor, woher konnte er aber beim besten Willen nicht mehr sagen.

    "Die Pferde haben die Kutsche vollkommen führerlos bis vor die Tore der Stadt gebracht. Ein Mann, lag im Innenraum am Boden, dem Mantel nach zu urteilen war er der Kutscher, ist wohl schon länger tot. Eine Frau liegt auf der Sitzbank, sie hat eine Verletzung an der Schulter, die von einem Unbekannten bereits versorgt wurde. Sie war von Zeit zu Zeit kurz bei Bewusstsein und hat von einer Schießerei geredet. Könnt ihr sie euch ansehen und ihre Wunde versorgen?"

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    (Matthias Beltz)

  • Vajdan Jaromer


    Überrascht musterte er die beiden Mitglieder der Stadtwache, doch deren Worte waren wiederum vertraut. So oder so ähnlich schon in vielen Varianten vor seiner Tür vorgetragen, löste es eine routinierte Abfolge von Bewegungen aus. Den Mantel vom Haken neben der Tür, die vor lauter Inhalt beinahe überquellende Umhängetasche über die Schulter, die gefilzten Hausschuhe von den Füssen und draussen in die weitaus dickeren, mit Fell gefütterten Winterstiefel geschlüpft. Für einen Moment jagte Gänsehaut über seine Arme, das Leder kalt und steif.


    "Natürlich", sprach er dabei, "wie alt schätzt ihr die Patientin? Ungefähr, meine ich" fügte er hinzu, um zu viel Rätselraten entgegen zu wirken. "Ist Euch sonst noch etwas aufgefallen? Spricht sie klar, wenn sie spricht? Sonstige Verletzungen? Was hat sie getroffen, Pfeil, Bolzen?" Diese und weitere, im ersten Moment vielleicht scheinbar befremdlich unwichtige Details erfragte er auf dem Weg zur Kutsche, seine langen Beine trugen ihn in grossen Schritten. Dabei huschten seine Augen immer wieder zum Leutnant, dessen beinahe farbloses Antlitz im seltsam bekannt vorkam.

  • Vajdán blinzelte und rief sich das Bild der Frau vor Augen.

    "Ich schätze sie auf ungefähr 50 Sommer, sie spricht, wirkt aber verwirrt und hat sich mehrfach danach erkundigt wo sie sei und erzählte von Menschen, die sich in Luft auflösen und sprechenden Vögeln. Sie wirkte während der Fahrt blass und zitterte als wäre ihr kalt. Was sie getroffen hat ist schwer zu sagen, zumindest ist kein Pfeil zu erkennen, aber auch keine Austrittswunde. Ich vermute also ein kurzes Projektil wie von einer Muskete. Die Kutsche tauchte so wie wir sie hierher brachten am Stadttor auf, führerlos. Es sieht allerdings so aus als hätte jemand die Wunde bereits versorgt, wie fachkundig*, das müßt Ihr beurteilen. Der Tote, dem Mantel nach der Kutscher, hat sich sicher auch nicht alleine in die Fahrgastkabine gelegt. Es war noch ein weiterer Passagier dabei, sie war unverletzt deshalb haben wir sie zur Befragung auf die Wach gebracht."

    äußerte er seine bisherigen Beobachtungen.

    Dass der Mantel, den die Frau trug eher einem Herren gehört und dass diesem ein passendes Einschussloch fehlte behielt er zunächst für sich, dass war nichts was dem Heiler weiterhalf, es diente eher der Ermittlung des Tatherganges.


    _____

    *spitzes Wegekraut = desinfizieren und bluntungsstillend. Wird gern von unmagischen Schulmedizinern verwendet. :)

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