Die Hexerhütte

  • Am Rande des Königswaldes, nicht unweit des Stadttores steht ein kleines Häuschen. Auf den ersten Blick scheint es sich beinahe unter die grossen Bäume zu ducken. Wäre nicht der etwas unordentliche Garten , der sich rund um die Heimstätte des Hexers erstreckte, und der kleine Trampelpfad der unmittelbar nach dem Stadttor von der grossen Strasse abzweigte, fände kein Unwissender den Weg zum kleinen Reich des Avriellers.


    So aber war der Weg klar für jeden, der Cuanards Hilfe brauchte. Der Avrieller war bekannt dafür, niemandem Hilfe auszuschlagen und sein menschenmöglichstes zu tun. Auch wenn er in seinem Heimatland noch am Anfang seiner Karriere stehen würde, hier war er wohl eher eine Kuriosität und dementsprechend der Einzige seiner Art. Er konnte leidlich gut mit Kräutern, kannte die gängigsten Krankheiten und deren Behandlungsmethoden, konnte auch mal ein Kalb oder Kind auf die Welt bringen, sollte die Situation es erfordern. Seine Spezialiät aber waren weniger offensichtliche Gebrechen. Psychische, chronsiche Krankheiten die an den Menschen nagten, denen er mit Hilfe seiner Hände und seiner Magie auf die Sprünge kam. Energieblockaden, nannten es einige. Cuanard war sich nicht sicher was es war, aber manchmal konnte er helfen.


    Und ganz tief in seinem Innern fragte er sich, ob er auch den Verlorenen helfen könnte. Und wo gab es mehr von denen, als in Sorieska?

  • Feenkönig

    Hat das Label Unterkunft hinzugefügt
  • Ich verbiete dir dort hinzugehen, Kind!“ – „Aber Vater, du sagtest selbst, das niemand in der Stadt…“ – „Ich lasse dich zu niemandem gehen, der mit den Feen im Bunde ist!“ – „Aber das ist doch Unsinn, Vater, er…“ –„Und warum denkst du, lebt er mitten im Königswald, wo – das pfeifen die Spatzen doch von allen Dächern – die Feen allnächtlich ihr Unwesen treiben, hä?“ – „Ich habe Schmerzen Vater und das Kind…“ – „…dessen Erzeuger du mir noch immer verschweigst!?“ Ein lautes Klatschen durchbrach die Stille, dann das Geräusch von etwas zu Boden stürzendem, danach dann ein leises Schluchzen aus weiblicher Kehle. „Vater, ich…“ – „Ich erlaube nicht, dass du zu einem Feenwesen gehst und mir am Ende noch einen Wechselbalg austrägst! Oder…“, ein gefährliches Knurren aus Menschlicher Kehle entrang sich dem plötzlich eingetretenem Schweigen. „… oder ist er am Ende gar der Kindsvater?“ ein weiteres laute Klatschen, von lauterem Geschluchze gefolgt, erklang. „DU HURE, DU EHRLOSES FLEISCH VON MEINEM FLEISCHE, DU SÜNDERIN VOR DER LICHTMUTTER, DU – oh!“


    Als der Wagen schließlich um eine Wegbiegung herum kam, bemerkten die beiden im Streite so vertieft gewesen seienden Menschen schließlich den Wagen und dessen Insassen, Tuuli und Noah erblickten erstmals das Geschehen, dem sie schon zuvor hatten lauschen können. Eine junge Frau, vielleicht gerade einmal sechzehn Sommer alt – hochschwanger und weinend am Boden kauernd, darüber gebeugt, die Hand zu einem erneuten Schlag erhoben, ein gut 40 Sommer zählender kräftiger Mann, der Aufmachung nach ein Waldarbeiter und offensichtlich der Vater der weinenden, der ob der beobachteten Szenerie nun doch langsam verlegen wird und langsam die Hand wieder sinken lässt um dann aber unwirsch – wie ertappt – Tuuli und Noah, lauter denn nötig, anzufahren: „Was wollt ihr hier, verschwindet! Ihr habt hier nichts zu suchen! HAUT AB!“

    „Secrets and lies, that's how we grew up, and Albus... he was a natural.“ — Aberforth Dumbledore

  • Der Windgeist war vorraußgeflogen, getragen on den sanften Frühlingsböen ihnen den wegweisend und wie der Tag angefangen hatte so schien er weiterzugehen. Denn flüsternd kam der Wind zu ihm zurückgekehrt warnend, von Gewalt und Zwietracht flüsternd das schon gleich darauf begleitet wurde von Worten die in tiefster Wut ausgepsrochen oder eher ausgeschrien wurden und diese wiederum waren unterschwellig begleitet von einem herzzerreißenden Schluchzen, welches Tuuli die Haare im Nacken zu berge stehen ließ. Die Schimpftirade hielt erst inne als sie um die Kurve gefahren kamen und zusätzlich zum Ton nun auch noch das zu erwartende Bild zu sehen war. Ein junges Mädchen das auf dem Boden kauerte in eine mehr als nur misslichen Lage und darüber offensichtlich der mehr als nur wütende Vater mit erhobener Hand die er wohl mehrfach zuvor gebraucht hatte, der rötung im Gesicht der jungen Frau nach zu Urteilen. Tuulis Miene verfinsterte sich schlagartig. Er war nie besonders gewalt bereit gewesen und auch wenn er ab und an in Tavernenschlägereien gewesen war und sogar den Nervenkitzel daran teilweise genossen hatte, so war das was er hier sah etwas völlig anderes. Das Mädchen war nicht nur völlig wehrlos und auch noch ohnehin in einer aufgebenden Position und vollkommen unterwürfig, sie war auch noch Schwanger.


    Den gebrüllten Worten nach wusste der Vater offensichtlich nciht von wem, aber das gab ihm noch lange nicht das recht sie zu schlagen. Der Wagen kam abprupt zum stehen, was ihm Leid tat für seinen angeschlagenen Begleiter aber anders aufgrund des Untergrunds und auch seiner aufsteigenden Wut kaum möglich gewesen wäre. Unverfroren wagte der Mann, der soeben derart falsch gehandelt hatte und Tuulis Wut zunehmend förderte jetzt auch noch unfreundlich zu ihnen zu sein. Als ob er ihm verbieten könnte wo er lang ginge. Das genügte.


    Tuuli erhob sich und obwohl er so klein war wirkte er für einen Moment größer selbst der Windgeist neben ihm plusterte sich auf und mehrere Windböen die so gar nicht zu den Frühlingsböen passen wollten zerrten plötzlich an Tuulis Haaren und Kleidung und rissen ebenso an denen des Mannes auf den er anfangs ohne Worte zuschritt.


    Erst vier Schritte entfernt erhob er plötzlich die Stimme hoffend, das er seinem Begleiter damit weniger Schmerzen bereiten mochte. Seine Stimme für den kleinen Körper und vermutlich die umstehenden unerwartet Laut und von so einer Wut und Abscheu durchsetzt, das es so gar nicht zu dem kleinen Mann passen mochte, der sonst meist fröhlich und ruhig zu sein schien.


    "WER BEI ALLEN GUTEN UND SCHLECHTEN GEISTERN DIESES LANDES GLAUBT IHR EIGENTLICH ZU SEIN DAS IHR MIR DEN WEG VERSPERREN WOLLT?" er tat noch einen weiteren Schritt auf den Mann zu. "UND IHR SPRECHT VON SÜNDE UND SCHANDE DES EIGENEN FLEISCHES UND ZÜCHTIGT UND PRÜGELT DIESES ARME DING HIER OBWOHL SIE SCHON AM BODEN LIEGT UND OFFENSICHTLICH SCHMERZEN HAT. SEIT IHR DEN VERDAMMT NOCHMAL VON SINNEN? ICH SCHWÖRE EUCH BEI ALLEM WAS MIR GUT UND HEILIG IST ENTWEDER IHR ENTSCHULDIGT EUCH SOFORT BEI DIESEM MÄDCHEN UND MEINEM BEGLEITER FÜR EUER BENEHMEN ODER ICH VERGESSE MICH UND WERDE NACH DEM WAS ICH MIT EUCH TUN WERDE LANGE ZEIT IM KERKER VERBRINGEN!!!!!!!" Die Augen fast zu Schlitzen zusammengekniffen bebte der Oberkörper des jungen Mannes regelrecht, während weiterhin der Windgeist zwischen ihm und dem Mann hin und herschoss so wütend, das er regelrecht funken zu sprühen schien und ein knistern in der Luft lag, das die Situation jeden Moment zu entzünden drohte.

    Wir sind Fremde

    Fremde wohin wir gehn

    Folg den Wagen

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    Im fahrenden Volk zu Haus

  • Zornesbebend funkelte der Man Tuuli und dem noch immer auf dem Wagen sitzenden Noah entgegen. Mit jedem Schritt den der Weißschopf auf den Fremden zuging, statt – wie gefordert – mitsamt Noah und dem Wagen zu verschwinden – schien sich mehr und mehr Blut in seinem Kopf zu sammeln, bis sein Gesicht beinahe purpurn erstrahlte und wie in Flammen stehend schien. Als Noah, dessen Hand zu seinem am Gürtel hängendem schweren Beil wandern sah, begann er den quer über seinen Knien liegenden Stab sichtbar in seinen Händen hin und her rollen zu lassen. Wohl überhaupt darum nur, ließ er Tuuli so nahe an sich heran und unterbrach diesen auch nicht, als der die Stimme erhob. Er hielt sich für überlegen und als Vater des Kindes zu seinen Füßen vollkommen im Recht. Doch als Tuulis Zorn sich schließlich Bahn brach, da war nicht nur Noah regelrecht erschrocken. Auch des Vaters erste Intention, das Beil zu ergreifen und dem Fremden die Breitseite desselben einmal quer über den Scheitel zu ziehen, das er danach würde von Glück sprechen können, wenn er nach dem Erwachen nicht selbst auch einen Heiler brauchte, verpuffte wie eine Kerze im Wind. Noah, dessen in die Höhe geschnellter Puls jeden augenblicklichen Schmerz verdrängte, stellte den Stab aufrecht hin, Hämmerte dessen Ende auf den Kutschboden (das ihm der eigene Schädel dröhnte) und erhob sich.


    Den Kopf gesenkt haltend, das der noch immer an der Schwelle zum Angriff stehende Vater nicht Noahs verletztes Auge und mithin seine momentane Schwäche erkannte, stand Noah übertrieben ruhig aber in eindeutiger Kampfbereitschaft auf dem Wagen. Vermutlich war es aber nichtsdestotrotz der kleine Weißschopf mit seinem unbändigen Zorn, der den Vater schließlich einen Schritt zurückweichen ließ. „I-, äh … also komm jetzt Tochter, ehe ich mich vergesse. Wir gehen!“ Doch ehe Tuuli noch zu reagieren vermochte, war Noah, der zwischenzeitlich langsam aber sicher vom Wagen hinab gestiegen war, neben ihn getreten. Leise klang seine Stimme und die Kapuze noch immer gesenkt, das der Fremde seines Antlitzes nicht angesichtig werden konnte, war er nur unerheblich weniger bedrohlich, denn Tuuli. Doch klang seine Stimme vielmehr sanft, als er sich an den Vater wandte. „Glaubt Ihr wirklich Me‘Sir, das wir Euch gestatten Eure Tochter der Hilfe, derer sie offensichtlich bedarf, zu entziehen, sie mit Euch zu nehmen und weiter zu verprügeln?“


    Eine Ader pulste so schwer an der rechten Schläfe des bärtigen Vaters, das Noah befürchtete, sie könne augenblicklich platzen. Doch angesichts der bedrohlich gegen ihn stehenden Lage – der regelrecht aufgeladen wirkenden wie mataillsch sich auf die Zunge legenden und nach Gewitter riechenden Luft zwischen ihnen, der Überlegenheit von zwei zu eins (Noahs Angeschlagenheit war momentan in keiner seiner Regungen zu erkennen, so dass alleine Tuuli ahnen mochte, in diesem keinen wirklichen Kampfgenossen zu haben, sollte es zur Auseinandersetzung kommen) und dem noch immer windumtosten Tuuli, der aussah, als bräuchte es nur einen kleinen Funken ihn endgültig explodieren zu lassen, trat er, der Bärtige die leeren Hände beschwichtigend anhebend, ein – zwei Schritte zurück. „Sie ist MEINE Tochter und ich habe alles R- …“ Wieder hatte Noah beinahe sanft reagiert, indem er die Rechte beschwichtigend erst dem Ehrlosen entgegen streckte um selbige dann aus der Bewegung heraus Tuuli auf die Schulter zu legen. Beinahe flüsternd sanft erhob sich seine Stimme, als fürchte Noah eher um eine unbedachte Reaktion seines Begleiters, denn seines Gegenübers. „Seht: Ich drohe euch nicht damit euch zu erschlagen und den Rest meines Lebens im Kerker zu verbringen. Aber wenn Ihr nicht umgehend kehrt macht … wollt Ihr wirklich, dass ich alle Welt, eine Jede und einen Jeden in der Stadt darüber in Kenntnis setze, dass Eure Tochter…?“


    Noah beendete die Frage nicht, wartete schlicht ab, derweilen das Entsetzen sich in des Vaters Zügen breit machte. Das Leid seiner Tochter schien für ihn ohne Belang, die Frechheit sich ihm entgegengestellt zu haben, schien ihn mehr verletzt zu haben, denn alles Leid seines eigenen Kindes. Die Möglichkeit, dass s e i n e Ehre verletzt werden könnte, schien ihn mehr zu entsetzen, denn die Vorstellung Noah und Tuuli hier und jetzt – für deren Unverfrorenheit sich ihm entgegen gestellt zu haben – zu erschlagen. Noch stand es auf Messers Schneide und die folgenden Augenblicke mochten über den weiteren Verlauf der Ereignisse entscheiden!

    „Secrets and lies, that's how we grew up, and Albus... he was a natural.“ — Aberforth Dumbledore

    4 Mal editiert, zuletzt von Noah () aus folgendem Grund: Ortogradingens und so…

  • Cuanard sass in der Stille seines wilden Gartens. Im Schneidersitz, das lange Wiesengras seine nackten Zehen kitzelnd, lauschte er dem Wind. Am Rande des Königswalds hatte er immer viel zu erzählen, von den Ereignissen im Wald, die mehr oder weniger wichtig für das Geschehen der Welt. Doch der Hexer mochte in wenigem so viel Ruhe zu finden wie ihm Zwiegespräch mit seinen Elementarkräften. Meditation mochte man es nennen, auch wenn es für Cuanard herzlich wenig mit Dingen wie 'leere deinen Kopf' oder 'atme bewusst ein und aus' zu tun hatte.


    Doch heute, heute störte etwas die Konversation mit dem Wind. Eine Brise, die nicht recht zu den anderen passte, wie eine Stimme im Chor die ein anderes Lied sang. Doch sie besann sich nicht, erinnerte sich nicht an die eigentlichen Strophen, passte sich nicht den anderen an. Im Gegenteil, sie drängelte sich unwirsch, ungestüm in den Vordergrund, verlangte nach Aufmerksamkeit, nach Beachtung.


    Der Hexer erhob sich, langsam, leichtfüssig. Folgte dem Pfad zur Strasse hin, dabei mehr auf die seltsame Stimme des Windes hörend als dass es wirklich gesehen hätte, wohin er ging. Nicht lange, und er hörte erzürnte Stimmen. Männergeschrei, das Wimmern einer Frau. Er schlich nicht, doch das musste er auch nicht. Seine nackten Füsse machten kaum ein Geräusch auf dem weichen Boden, und ohnehin waren alle viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Bald schon brandeten Gefühle wie Wellen der einlaufenden Flut über ihn hinweg. Er nahm sich die Zeit, sie zu identifizieren, zuzuordnen. Wut, peinlich berührte Wut, gepaart mit der Sturheit im Recht sein zu müssen, weil man sich ansonsten die eigenen Fehler eingestehen müsste. Der Mann in der Nähe des Mädchens. Verzweiflung, Schmerz, Scham. Das Mädchen. Entschlossenheit, eiserner Wille, dahinter aber auch etwas verstecktes, kaum im Zaum gehaltenes. Der Fremde mit dem Stab. Unbändiger Zorn, der Schmächtige. Doch halt, da war noch mehr. Die Stimme des Windes, sie schien von ihm auszugehen. Faszinierend!


    Die Situation schien ziemlich angespannt. "Me'Syrs, Me'Dam. Entschuldigt die Störung, aber ich befürchte, in eurer Gruppe befinden sich zwei Patienten, um die ich mich kümmern sollte. Meint Ihr, Ihr könntet auch ohne sie weiterstreiten?" Dabei sah er vom älteren Herrn hinüber zu dem schmächtigen Hellhaarigen und zurück.

  • Ohhhh diese Worte... Mochte bei dem Mann eine Ader am Kopf pulsieren so war es bei Tuuli das knirschen der zusammengebissenen Zähne als der das "MEINE" vernahm. Bei diesem Besitzanspruch Krampfte es seinen Körper förmlich zusammen. Niemand hatte das Recht jemanden zu besitzen. Er hatte sie gezeugt, für sie gesorgt vielleicht, sie war seine Tochter aber bestimtt nicht sein BESITZ. Normalerweise störten ihn solche Aussagen, aber solange er ruhig war, ignorierte er es da es selten etwas brachte darüber zu diskutieren. Doch im Moment mit all der Wut die er schon empfand brachte es förmlich das Fass zum Überlaufen und trotz der Gefahr der gezückten Waffe in der Hand seines Gegenübers wollte er erneut losschreien, als er plötzlich der Präsenz neben sich gewahr wurde die ruhig und doch wie mit einem gezielten Stich Worte an den Mann vor ihm richtete und Tuuli regelrecht zusammenzucken ließ. Er hatte nicht damit gerechnet, dass der verletzte sich einmischen würde. Es war mehr als nur gefährlich für ihn in seinem Zustand selsbt den zuvor getätigten Schlag mit dem dieser sich angekündigt hatte, hatte er in seiner Wut nicht wirklich mitbekommen. Jetzt, da er Noah... ja so hatte er sich genannt neben sich hatte, war die Situation eine andere. Eigentlich hatte er ohnehin nicht vorgehabt, die Situation eskalieren zu lassen, aber jetzt durfte es auf keinen Fall mehr zu einem Kampf kommen, wenn er nicht die Sicherheit des Mannes gefährden wollte, dem er erst vor kurzem Hilfe versprochen hatte.


    Wieder wollte er gerade zu Worten ansetzen, diesmal ruhiger, nachdem er ein paar tiefere Atemzüge getan hatte, als eine weitere Stimme erklang. Die Köpfe aller beteiligten wanderten nahezu zeitgleich zu dem Neuankömmling und der Windgeist ebenfalls ruhiger flog nun in einer wieder etwas mehr an die verspielte Form erinnernd zu dem Neuankömmling und umtanzte ihn förmlich für ein paar Momente. Tuuli war von der Art wie der Windgeist für einen Moment so fasziniert, das er erst einen Augenblick später antwortete. Zwei Personen an einem Tag an denen der Windgeist derart interessiert ist? Das hatte er bisher noch nie erlebt. Die meisten Menschen ärgerte der Windgeist an windigen Tagen lediglich mit seinen Spielen, aber sowhl an Noah, als auch an diesem Neuankömmling der offenbar der Heiler zu sein schien, hatte der Windgeist offensichtliches Interesse.


    "Ihr stört nicht im geringsten Me'Syr Heiler? Um genau zu sein haben wir euch gesucht, sofern dieser Herr hier bereit ist eure Behandlungen nicht zu stören bin ich gerne bereit jeglichen Disput sofort beizulegen." antwortete er auf die Frage des Heilers und trat dabei einen Schritt vor Noah da er immer noch befürchtete, das der Mann entscheiden könnte weningstens einen zu bestrafen, auch wenn er nun wohl allein gegen drei wäre.

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  • Der Blick des bärtigen Vaters wanderte von Tuuli zu Noah, zu Cuanard und zuletzt dann zu seiner Tochter und ein nunmehr nur mehr kalter Zorn spiegelte sich auf seinem Antlitz wider, gepaart mit einem den Tod verheißenden Versprechen auf seinen Zügen. „Tanya?“ Doch seine Tochter, ob des Wissens, was dieser Blick bedeutete schrak nur umso panischer zurück, ängstlich ihr Hände sich vor den Bauch und damit auch ihr noch ungeborenes Kind haltend. „Ich verstehe!“ Wenn Blicke hätten töten können, würde jetzt drei Männer um ihn her augenblicklich zu Boden gefallen sein, derweil seine Tochter… Seine Hände merklich von dem Beil in seinem Gürtel fern haltend, schritt der Mann, seine Tochter keines zweiten Blickes würdigend, in einem großen Bogen an Tuuli, Noah Berta und dem Wagen vorüber um dann in unglaubwürdig freundlichem Ton noch ein „Man sieht sich!“ den zurück Gebliebenen zuzusäueln und dann sogleich um die Wegbiegung herum zu verschwinden. Tanya verharrte, panisch ihrem Vater hinterher blickend, zusammen gekauert am Boden, derweil Noah, sich nun merklich schwankend, wie verkrampft am Stab festhaltend, einzig darum bemüht schien nicht umzustürzen und gleichzeitig doch auch scheinbar wieder, wie ja auch schon auf der Fahrt hierher ins Leere nur mehr blickte.


    „Mein … mein Kind, es bewegt sich seit einem Tag nicht mehr. Ich … ich habe Angst, dass … das es … es nicht mehr … mehr … am … l- … le- …“ Die zitternde leise Stimme verkrampfte mit jeder Silbe mehr und mehr um schließlich ganz abzuebben, ehe sie noch hätte aussprechen müssen, was sowieso längst allen Zuhörenden klar doch sein musste. Doch es auszusprechen, das vermochte sie nicht und so blickte Tanya mit Augen, deren Tränen weder ihr selbst, noch ihrem Schicksal galten zu Cuanard auf, flehten ihn stumm um die Hilfe an, die ihr Vater ihr so harsch doch verwehrt hatte. Ängstlich blickte sie über ihre Schulter, als fürchte sie er könne im Gesträuch nach wie vor noch ihrer harren und – als sie ihn nicht zu erblicken vermochte – streckte ihre Rechte erst unter die Kleidung und dann dem Heiler entgegen. „Und … und …“ Sie verschloss die Augen und entließ erneut einen Strom von Tränen aus ihren Augen, wusste sie doch nur zu gut – oder ahnte es zumindest doch – was sie Cuanard da entgegen hielt. „Bitte sagt: Was ist das für ein Tee, den die Hebamme, die Vater vor drei Tagen für mich abbestellt hat, mich allabendlich zu trinken zwingt?“ Nun stahl sich auch in den Blick der jungen Frau ein kalter Glanz, vermeinte sie doch einige der scheinbar gestern aus einem schon aufgegossenen Sud geklaubten Kräuter zu erkennen und vermeinte auch zu erkennen, was das für Sie und ihre Familie bedeuten mochte, sollte der Heiler ihren Verdacht denn bestätigen. „Bitte! Helft … helft meinem Kind, ich flehe Euch an!“

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    4 Mal editiert, zuletzt von Noah ()

  • Cuanard spürte der Erde unter seinen Füssen nach, der Luft auf seiner Haut, die Strahlen der Sonne. Verankerte sich in der Wahrnehmung seiner eigenen Sinne, als die kalte Wut des Vaters über ihn hinwegrauschte und ihn mitzureissen drohte. Doch er schien sich dann doch nicht dafür zu halten, einen grösseren Aufstand anzuzetteln. Die Liebe einer Mutter schien auch bei der Schwangeren schon stärker, als die Angst vor dem Unbekannten ohne Familie. Der Hexer atmete aus, blinzelte, mustere kurz den verletzten Noah.


    "Es sind wohl eher drei Patienten. Könnt Ihr wohl?" er deutete auf Tanya und den Wagen. "Der Weg sollte auch für den Wagen möglich sein, in meiner Hütte sind wir ein bisschen geschützter." Schutz vor was spezifizierte er dabei allerdings nicht.


    Cuanard führte seine unverhofften Gäste um die kleine Hütte. Dahinter befand sich etwas, das entfernt an eine Pergola erinnern würde, wenn es nicht so überwachsen wäre, dass man nicht sagen konnte, ob unter der windenartigen Pflanze überhaupt noch eine andere Struktur bestand. Jedenfalls bot es etwas Schutz vor der Witterung, kreierte einen Ruheort. Einige geflochtene Matten lagen am Boden. Der Hexer deutete darauf. "Nehmt Platz, Tanya und Ihr, legt Euch bitte hin." Er sah Noah an.


    Das Kind war am verwundbarsten, also setzte er dort an. Die Hände auf Tanyas Bauch, die Augen scheinbar ins nichts starrend, sass er einfach nur da. Nur Tanya mochte spüren, dass tatsächlich etwas passierte.

    Der Heiler blinzelte. "Das Kind lebt, gerade noch. Das Gift macht ihm schwer zu schaffen, Tanya. Er ist Fleisch von deinem Fleische - ich kann versuchen ihm zu helfen, doch das wird bedeuten, dass du für ihn leiden wirst. Ihr werdet beide stark sein müssen, und es gibt keine Garantie." Es klang vielleicht etwas kryptisch, doch es war besser als sich auf lange Diskussionen bezüglich geteilter Blutbahnen einzulassen. Weder bei einer werdenden Mutter noch bei einem ungeborenen Kind wollte er in irgendeiner Form an den Energiebahnen herumspielen. Doch seine Affinität zu Wasser erlaubte es ihm, den Organismus des Kleinen wieder in Schwung zu bringen, die Ausscheidung des Giftes zu fördern. Was im Umkehrschluss natürlich bedeutete, dass nun mehr davon in Tanyas Körper war. "Trinkt so viel ihr irgendwie könnt, und entleert eure Blase häufig."


    Ohne weitere Erklärung wandte er sich Noah zu. Der weitläufige Bluterguss sprach Bände. "Ich werde Euch ebenfalls helfen müssen, ansonsten könntet Ihr sterben - oder langfristige Einschränkungen erleiden. Bei Euch könnte es allerdings ein bisschen wehtun."

  • Tuuli nickte Noah kurz dankend zu und trat dann zusammen mit dem Heiler zu der Schwangeren hin um sie auf dessen anraten ebenfalls mit auf den Kutschbock zu befördern. Das hieß natürlich das er vorne weg gehen musste um den Wagen zu lenken. Mehr als zwei hatten dort oben definitv keinen Platz, aber das störte ihn nicht im geringsten. Alle noch etwas aufgewühlt von dem Momentanen ereignis schien jeder mit sich selsbt in Gedanken versunken. Vorallem die Geschichte des Mädchens hatte ihm noch einmal mehr einen Stich versetzt. Wie konnte eine Hebamme nur soetwas tun. Natürlich war sie vom Vater dazu angestiftet worden und hatte sicher von ihm Geld bekommen... aber müsste es nicht gegen alles sprechen weßhalb sie diesen Beruf ausübte einer werdenden Mutter die ihr Kind empfangen wollte irgendetwas einzuflößen damit sie eben jenes verlor? Er fühlte wieder Wut in sich aufkeimen während der Windgeist ihm das Haar zerzauste und wohl versuchte ihn auf andere Gedanken zu bringen. Als dieser schließlich unweit der Hütte wieder zu Cuanard flog und ihn neugierig umkreist kehrten auch Tuulis Gedanken direkt zu den momentanen Geschehnissen zurück. Während der Heiler der Schwangeren von der Kutsche half, machte er sich daran Noah zu helfen. "Ich wollte euch noch danken für euren Beistand. Wer weiß wie das ausgegangen wäre, hätte ihr nicht trotz eurer Verletzung so vernünftig und mutig gehandelt." Er legte sich den Arm von dem größeren Mann um die Schulter, den dieser nicht für seinen Stab benutzte und folgte dem Heiler in seine Hütte. Seine Augen wanderten von dem Blattwerk, welches der Wald darüber errichtet hatte zu dem Dach und dem Eingang. Wirklich nicht so einfach zu finden wenn man nicht wusste wonach man suchen sollte.


    Auf die Anweisung des Heilers hin brachte er Noah zu einer Liege und ließ diesen sich hinlegen. Ehe er sich kurz entschuldigte da er Berta noch versorgen wollte und erst einige Minuten später zurück kam, als der Heiler gerade dabei war sich um Noah zu kümmern. "Ich wollte euch auch noch danken Me'Syr für euer sofortiges Eingreifen. Ich habe mich dort wohl etwas zu sehr mitreißen lassen. Kann ich irgendetwas tun?" Tuuli sah wie die Schwangere deren Namen er genauso wenig wusste wie den des Heilers, wie sie gerade aufstehen wollte um sich Wasser nachzuholen. "Lasst nur ruht euch aus, ihr habt genug durchgemacht ich bringe euch frisches." Damit nahm er ihn den Krug ab um das Gefäß wieder mit frischem Wasser zu füllen.

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  • Die Atmung der werdenden Mutter ging rasch, stoßweise und flach, derweil der Heiler seine drei Besucher zur Rückseite seiner Bleibe führte und fortwährend geisterte eine schreckliche Erkenntnis unausgesprochen durch ihren Geist: Er wird mich umbringen, er wird und beide umbringen, er wird… Ihr Geist schien wie in dieser einen, so erschreckend endgültigen Erkenntnis gefangen. Bis zu ihrer Ankunft hier hatte sie nur um ihr noch ungeborenes Kind gefürchtet, doch nun… Die Blöße, die er sich vor jenen drei Männern gegeben hatte, nagte schwer an ihm und sie wusste, er würde sie alleine dafür verantwortlich machen! Ja, er konnte als ihr Vormund eine Hebamme ungestraft abbestellen, ihr ihre Leibesfrucht abzutöten – ohne ihr Wissen, ja gar gegen ihren ausdrücklichen Willen! Doch sie selbst zu töten, das konnte er sich nicht erlauben. Andererseits, wenn er die Dosis des Tees, Tanya war sich sicher gestern ein versehentlich wohl auf dem Tassenrand zum Liegen gekommenes Mutterkorn erkannt zu haben und dadurch überhaupt erst misstrauisch geworden und hatte darauf erst weitere, ihren Verdacht geschürt habende Pflanzenteile im Sud noch entdeckt… Wenn er nun einfach mehrere Dosen davon auf einmal ihr in den Tee gäbe oder sie im entscheidenden Moment etwa über einen Steilhang stieß? Nein, einen offenen Mord an seiner einzigen Tochter, denn konnte selbst er sich nicht erlauben. Aber er hatte so seine Möglichkeiten! Hatte er nicht erst im vergangenen Winter damit geprahlt, die Stelle als erster Waldarbeiter unter des Königs Mannen ergattert zu haben, weil der für jenen Posten eigentlich vorgesehene Kandidat plötzlich spurlos verschwunden war? Oh wie sie sein Grinsen bei diesen Worten gehasst hatte und es doch nicht hatte vergessen können. Und genau dieses Grinsen, gepaart mit ihres Vaters letzten Blick auf sie, hatte sie vor ihrem geistigen Auge, als sie fortwährend ihr gedankliches Mantra wiederholte: Er wird uns umbringen, er wird und beide umbringen, er wird uns… Erst als sie die erste schwache Regung des Ungeborenen verspürte, vermochte sie aus dieser Gedankenfalle zumindest zeitweise auszubrechen. Das sie für ihr Kleines leiden sollte, schien ihr fast eine Erlösung, der in Aussicht gestellte physische Schmerz, fast wie ein lindernder Balsam, wider all das, was ihren Geist schier zu zerfressen drohte und so nickte sie nur stumm, Tränen der Dankbarkeit in den Augen habend, als der Heiler mit der Anweisung viel zu trinken, schließlich von ihr abließ. Das es genau das Gegenteil von dem war, was die Hebamme ihr aufgetragen hatte, sie nahm es nur am Rande wahr, als sie – ohne die sie kurzzeitig abgelenkt habende Behandlung durch den Heiler – wieder in ihr gedankliches Mantra versank: Er wird uns beide umbringen, er wird und töten, ermorden, verschwinden lassen, er wird…


    Noah indes hatte aufgehört seine Gedanken treiben zu lassen, als er bemerkte, wie es ihn dazu trieb, seine jetzige Gestalt aufzugeben, die Schwingen auszubreiten und einfach alles hier hinter sich zu l- … Aber nein, das war keine Option und hier erneut seine wahre Gestalt zu offenbaren? Noch immer rechnete er jeden Moment damit, dass die beiden Cousinen vom Fest mit mit Netzen bewaffneten Häschern seiner hinter jeder Straßenecke auflauern mochten oder auch hier aus der vermeintlich leeren Hütte des Heilers… nein! Klar und beinahe trotzig blickte Noah zum Blätterdach hinauf. Der nächste Gedanke zu diesem unzugänglich tief im Königswald gelegenen, tiefblauen Waldsee zu fliegen, in dessen Wasser er – zumindest des Tags – gelegentlich Entspannung und Ablenkung von anderen Sorgen gefunden hatte, er verbannte auch ihn, wie alle anderen Gedanken, aus seinem Kopf, konzentrierte sich regelrecht auf seinen Schmerz, nutzte ihn als Anker, der ihn im hier und jetzt halten sollte. "…Bei Euch könnte es allerdings ein bisschen wehtun." Macht ihr Scherze, Me‘Sir? schien sein sardonisches kurzes Grinsen stumm zu fragen. Kann es denn überhaupt noch mehr schmerzen? Doch anstelle einer geäußerten Erwiderung auf des Heilers Wort griff Noah nur das eine Ende der breiten, seine Hüfte umschlingenden dicken Kordel, schob es sich zwischen die gebleckten Zähne und nickte dem Heiler grimmig zu.und tatsächlich sollte er bald erfahren was Schmerzen wirklich waren, etwas weit jenseits all dessen, was er in den langen Jahren seiner bisherigen und alles andere denn behüteten Existenz jemals hatte ertragen müssen. Dass ein Mensch so schreien konnte… Und doch galt sein ganzer Wille dem Festhalten an seiner jetzigen Gestalt. Er vermocht seine, sich in die Unterlage seiner Liegestatt graben wollenden Finger, daran zu hindern, etwas anderes als Finger zu sein, zu verhindern, dass Federn allüberall sich bildeten, wie einen normaler Mensch in gewissen Situationen eine Gänsehaut etwa überkam, verhinderte sein ungebärdigen Schreie den Klang einer weidwunden Schleiereule annehmen zu lassen. Ein Teil von ihm sehnte sich während der Behandlung des Heilers danach loszulassen, die heran brandende Ohnmacht nicht weiter abzuwehren, derweil der Heiler ihm mit bloßen Händen den Kopf auseinanderzureißen schien. Doch er – durfte – nicht – loslassen! Er musste bleiben, was er schien – um – jeden – Preis! Und so sehr auf die Wahrung seines Geheimnisses fokussiert, brauchte es schließlich eine Weile, zu erkennen, das er nicht länger wie am Spieß schrie, nicht weiterhin Welle um Welle Schmerz und Ohnmacht gleichermaßen erfolglos wie unnachgiebig wider seinen Geist brandeten, etwa Warmes und Nasses sein Gesicht hinab rinnen zu spüren und den metallischen Nachall von Blut in seinem Mund durch den vormals schier grenzenlosen und nun wenigstens wieder halbwegs erträglichen Schmerzensschleier hindurch zu schmecken und aber vor allen Dingen, mit einem Male zu erkennen, wie klar und – leider darum für den verbliebenen Schmerz nur um so empfänglicher – sein Geist mit einem male wieder schien. Das Gefühl von Watte im Kopf, die Trägheit von Honig, mit welcher seine Gedanken sich zuletzt nur mehr gebildet hatten … fort! Danke! war das eine Wort, das seine Lippen zu formen versuchten. „Arghrch!“ indes war alles, was er von sich gab, ehe er nun – sich endlich sicher wähnend, doch noch der Ohnmacht nachgab und in dunklen kühlen Gefilde schwarzer Leere versank, in der kein Schmerz länger drohte und einzig das Rascheln der Blätter eines borkigen Dämons in Baumgestalt ihm ein Lied von Mutter Gëa und Vater Aëris sang.

    „Secrets and lies, that's how we grew up, and Albus... he was a natural.“ — Aberforth Dumbledore

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  • Der schmächtige Hellhaarige kümmerte sich zunächst um sein Tier, und dann um die Schwangere. Cuanard bemerkte es, war froh darum, denn die Kleine schien nicht nur am Körper heilen zu müssen. Und dafür hatte der Hexer keine Zeit, denn ein weiterer Patient benötigte seine Hilfe dringend.


    Die werdende Mutter war ein Glücksspiel, der Fremde hingegen eine unglaublich heikle Balancenfindung. Der Heiler wusste, dass es nur einen Hauch fehlgeleitete Kraft brauchen würde, um ihn endgültig zu töten. Doch war er nicht jetzt schon tot, wenn es auch sein Körper noch nicht wusste? Cuanard war der Einzige, der ihm im Moment helfen konnte - ohne seinen Schädel aufzubohren, indes. Der Hexer stählte sich, denn er wusste, er würde die Schmerzen des Fremden miterleben.


    Die Augenbrauen hoben sich langsam, als der Verletzte auf die Kordel biss. Nun, es würde sich gleich zeigen ob er so hart war, wie er sich gab. Oder es von sich dachte. Die Finger des Heilers suchten die Schläfen Noahs. Er atmete tief durch, dann schloss er die Augen.


    Es dauerte viel, viel, viel länger als bei der Heilerin. Wie zu erwarten war es keine einfache Erschütterung des Gehirns, es reichte nicht die übermässige Flüssigkeit darum herum über den Abfluss in den Rücken zu entlassen. Nein, es war selbst angeschwollen, viel zu heiss, zu klebrig, zu zäh. Das wahnsinnig detaillierte Muster von Energie und Flüssigkeit, ein Zauberwerk der Natur, zusammengeschlagen zu Scherbenhaufen, ertränkt in Pfützen. Langsam und behutsam begann der Hexer damit, das Muster wieder herzustellen, aufzubauen. Brücken zu schlagen, Abflüsse zu schaffen, neu zu bauen. Er konnte das Gewebe nicht heilen, nichts schaffen was nicht ohnehin schon da war. Er musste mit dem Arbeiten, was ihm zur Verfügung stand, Wasser und Luft anleiten, um die Selbstheilung des Körpers zu unterstützen, anzuregen, beschleunigen.


    Er nahm Noahs Schreie nicht wahr, nicht wie die Sonne weiterwanderte, nicht wie dunkles, zähes Blut aus Augen und Mund des Fremden tropften, nicht wie erratisch unregelmässig sich seine eigene Brust hob und senkte.


    Es war vorüber. Der Fremde stöhnte und fiel ihn Ohnmacht. Cuanard öffnete die Augen zum ersten Mal seit Stunden, tiefe Ringe darunter ein Zeichen der unendlichen Erschöpfung. "Er wird leben, doch die Schäden waren schwerwiegend. Was ist ihm zugestossen?" Tatsächlich war der Bluterguss in Noahs Gesicht nun nicht mehr schwarz, sondern schillerte bereits in ersten zarten Grüntönen - als wäre er in den vergangenen Stunden um Tage gealtert.

  • Tuuli entging die Stimmung der jungen Frau nicht... Dennoch war es schwierig ihr wirklich beistand zu geben. Sie schien kaum auf seine Ansprache zu reagieren betrachtete apathisch das Gefäß mit dem Wasser aus dem sie Tuulis anweisungen folgend immer wieder einen Schluck nach dem anderen Tat und so binnen ein Stunde einen ganzen Krug geleert hatte, welchen tuuli nahezu sofort wieder auffüllte während sein Blick immer wieder besorgt zu dem Heiler und dessen Patienten wanderte. Außer Schmerzensschreien und lauten war seit über eine Stunde nichts mehr von den beiden gekommen. Die Stimme von dem Mann der sich als Noah vorgestellt hatte, war zuletzt so heiser gewesen das die Schmerzensschreie mehr einem Röcheln und Stöhnen gewichen war, während der Heiler nahezu unbewegt dastand. Aber irgendetwas musste er definitv tun, denn auch wenn Noah zuvor Schmerzen das was er nun durchlitt musste noch um ein vielfaches schlimmer sein. Die ganze Situation wirkte sich nicht gerade positiv auf die Schwangere aus, die nur noch apathischer wurde und nun gar nicht mehr auf Ansprache zu reagieren schien, stattdessen immer wieder die Angst vor ihrem Vater vor sich hinmurmelte, was immer wieder Wut in Tuuli aufkochen ließ, doch vorerst kämpfte er sie nieder. Hier war sie unangebracht und würde ohnehin kein Ziel finden. Irgendwann hatte die Schwangere sich hingelegt und war vor erschöpfung eingeschlafen, während Tuuli sich neben sie gesetzt und beruhigend die Hand auf ihre Schulter gelegt hatte. Er war schließlich selbst kurz davor einzunicken, während er sich gedanken machte ob Nari ihn womöglich suchte. Schließlich hatte er eigentlich nur vorgehabt den Stand abzubauen und nach einem kurzen spaziergang direkt ins Gasthaus zurückzukehren. Dennoch, auch wenn er nicht wusste wie er wirklich von nutzen sein konnte, machte er sich Sorgen das der Vater jeden Moment auftauchen könnte und dann wäre der Heiler mit Sicherheit überfordert beide Patienten zu beschützen...



    Schließlich erwachte der Heiler aus seiner fast vollkommenen Starre bei der sich lediglich die Finger und Hände ab und bewegt hatten. Tuuli stand bei dessen Anblick sofort auf und zog ihm einen Sessel in die Nähe. der Heiler wirkte nun selbst als bräuchte er einen Arzt, oder zumindest drei Tage Schlaf. "Ihr seid erschöpft möchtet ihr etwas trinken?" Er reichte ihm einen der Tonkrüge gefüllt mit Wasser. "Um ehrlich zu sein ich weiß es nicht. Ich habe ihn erst kurz bevor wir hier ankamen kennengelernt. Er saß am Marktplatz und schien Schmerzen zu haben und mit der Situation und der Suche nach einem Heiler deutlich überfordert zu sein. Also habe ich ihm Hilfe angeboten. In der Stadt sind die meisten Heiler überfordert mit den Nachwehen vom Feentanz, der soll dieses Jahr einige Verletzte mit sich gebracht haben und deßhalb wurde uns geraten es bei euch zu versuchen." Fasste er mehr oder minder kurz Zusammen was er wusste.

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  • Dankbar nahm Cuanard den Becher entgegen und trank ihn in einigen tiefen Zügen leer. Seine Finger wanderten über die Oberfläche, betasteten jede Unregelmässigkeit, als hätten sie noch nicht ganz realisiert, dass die Arbeit vorüber war.


    "Danke. Für das Wasser und dass Ihr ihn zu mir gebracht habt - viel länger hätte er nicht mehr durchgehalten. Sein Schädel wurde arg durchgeschüttelt." Was eine kleine Untertreibung war, aber der Hexer ging nicht davon aus, dass sich der schmächtige Hellhaarige für die Details interessierte.


    Ein nachdenklicher Gesichtsausdruck, ein tiefer Seufzer. "Ja, der Feentanz war dieses Jahr wohl besonders spannend." Er dachte an das Mädchen mit den Kratzern im Gesicht. Wenigstens der Kerl mit dem gebrochenen Arm war tatsächlich wieder aufgetaucht und hatte sich behandeln lassen. Er nickte zu der Schwangeren hinüber. "Und Sie? Kennt Ihr diese junge Frau?"

  • Erneut schüttelte Tuuli den Kopf und kam sich ein wenig unnütz vor. "Nein ebenfalls nciht." sagte er mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck. "Wir sind ihr und ihrem "Vater" erst auf den letzten Metern zu euch begegnet." Er sah besorgt zu dem schlafenden Mädchen. "Es war ziemlich deutlich, dass ihr übel mitgespielt wurde. da konnte ich nicht..." er hielt inne da er die Wut wieder hochkochen fühlte. "Die regeln und Sitten der "zivilisierten" Leute und ihr Glaube daran was sie doch alles als ihren Besitz ansehen können ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar." Versuchte er sich ein wenig darum herumzureden.


    "Sie ist vor kurzem eingeschlafen. Ich denke sie macht sich große Sorgen um ihr Kind aber auch darum, dass ihr Vater hier her kommen könnte um ihr zu Schaden. Ich konnte nicht wirklich zu ihr durchdringen um sie zu beruhigen." Fasste er auch zusammen was er auch zusammen was bisher so passiert war.

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  • Der Hexer nickte. "Dann gebührt Euch Dank, Me'Syr. Ihr habt heute zwei armen Geistern geholfen, die wohl sonst niemanden haben der für sie einsteht. Das ist nicht selbstverständlich."


    Er lauschte den Worten. "Ihr sprecht, als gehöret Ihr nicht zu diesem Volk?" So etwas wie müdes Interesse färbte die Stimme des Heilers, der deutlich gebeutelt von seinem Tagwerk, nun wieder etwas gerader sass. "Ich bin übrigens Cuanard, Cuanard Macrae." Stellte er sich doch noch vor, etwas, das ob ihrem ungewöhnlichen Zusammentreffen schlicht vergessen gegangen war.

  • Tuulis Gesichtsausdruck wirkte für einen Moment regelrecht ertappt. "Oh entschuldigt, ja dazu war wohl bisher keine Zeit. Ihr könnt mich einfach Tuuli nennen." Damit ließ er sich schließlich auch wieder am Bettende nieder darauf bedacht weder durch eine zu laute Stimme noch durch sein Gewicht die schlafende zu wecken.


    "Nunja ich gehöre zum Reisenden Volk. Sesshaftigkeit und das Leben in Städten auf dauer ist nichts das ich aus eigener Erfahrung kenne." Er zuckte mit den Achseln. "Davon abgesehen ist meine Ansicht von Besitz und vorallem was man Besitzen kann vermutlich einfach eine andere. Freiheit ist den Kindern des Windes sehr wichtig." erklärte er lächelnd und fand das er sich ausnahmsweise sehr diplomatisch ausgedrückt hatte. Nicht das er ein Geheimnis aus seiner Herkunft machte, oder über die Tatsache schwieg, dass der Wind mit ihm sprach, aber da es so schien, als ob er wegen Nari noch ein wenig länger in Sorieska bleiben würde, war es vielleicht doch besser wenn die Leute ihn nicht sofort für verrückt hielten.

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  • Langsam kam Noah wieder zu sich und es war so verschieden, von seinem Erwachen in den vergangenen Tagen. Alles war irgendwie wieder klarer. Der Duft von Wals lag in der Luft und als er, die Augen nach wie vor geschlossen, lauschte, konnte er endlich auch auch wieder auf seinen besonderen Hörsinn zugreifen. In den vergangenen Tagen, hatte jeder Versuch seine Tiergestalt heraufzubeschwören – und sei es auch in noch so vernachlässigbar unbedeutender Weise, wie eben jetzt, sein Gehör so zu schärfen, war ein dumpfer Schmerz durch seinen Schädel gejagt, als wenn jeder Versuch der Wandlung wie ein Messer in einer offenen Wunde herum gedreht den Schaden nur mehr verzigfachte. Doch jetzt, unbewusst sich auf die Geräusche seiner Umgebung zu konzentrieren versucht haben, tat sich kein Schmerz auf. Vielmehr gewahrte er zwei sich offenkundig unterhaltende Männer und eine dritte, scheinbar schlafende Person auf der anderen Seite eines zwischen ihnen offensichtlich sich befindlichen hölzernen Bauwerkes. Ebenso konnte er das Rascheln im nahen Buschwerk mehreren kleinen Mäusen auf der Nahrungssuche zuordnen, derweil ein fernes leises Trommeln, wenn er nicht irrte, von einer noch fernen, wie aber doch beständig näher rückenden Regenfront kündete.


    Vorsichtig richtete sich Noah auf. Der Schädel schmerzte ihn noch gehörig, war es eine andere art von Schmerz. Der dumpfe, sich gleichermaßen auf Schädel, Gemüt und Verstand gelegt habend bedrückende Schmerz war einem scharfen aber sich irgendwie … vertrauter sich angefühlt habendem Stechen gewichen. Der erwarte Schwindel ob des sich langsamen Erhebens, war ausgeblieben, aber sein Magen drehte sich ihm plötzlich um. Nicht wie zuvor, einfach aus sich selbst heraus, sondern ob des Geruches alten, irgendwie brackig und … ja, verdorben seienden Blutes. Er versuchte die Augen zu öffnen, was aber nur mit dem gesunden linken gelang, blickte an sich hinab und sah einen Schmier, der wie geronnenes und wieder verflüssigtes Blut, aber aber so dunkel – beinahe schwarz – und klebrig erscheinen, als hätte ihm irgendwer im Schlafe Birkenpech darauf verteilt. Doch stach ihm statt des scharfen Geruchs von Pech vielmehr nun auch noch ein leichter Eitergeruch zusätzlich zu dem von verdorbenem Blut, so glaubte er, in die Nase. Angewidert streifte er das Gewand ab, verwandelte sich, nach einem letzten, der Umgebung geschuldeten Blick, gänzlich wieder in seine Tiergestalt, jederzeit bereit, den Vorgang abzubrechen, sollte der alte Schmerz der vergangenen Tage sich denn zurück melden. Doch nichts. Ein paar Mal schlug er mit den Schwingen, erhob sich beinahe lautlos wenige Handbreite vom Boden, sank zurück und nahm seine menschliche Gestalt erneut an, derweil der vorhin vernommene Regen als warmer Gewitterschauer endlich leise trommelnd über Wald und Land nieder ging.


    Nur zögerlich griff Noah nach dem beschmutzten Gewand, zog es sich über, nicht ohne allerdings zuvor mit einigen, von tief hängenden Zweigen abgerissenen Blättern die Reste das verdorbenen Blutes abzureiben. Nachdem das getan war, blieb Noah reglos im nun endgültig eingesetzt habenden, frühlingswarmen Regenschauer stehen. Als er nach einem Heiler gesucht hatte, hatte er nicht einen solch durchschlagenden Erfolg erwartet. Er hatte noch immer eine ernsthafte Verletzung auszukurieren, Doch jetzt schien es wirklich nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sie vergessen war. Die Arme weit ausgebreitet, als wolle er den hernieder fallenden Regen willkommen heißen, stand er nun also auf dem Fleck hinter einer Hütte am Rande eines Waldes und genoss es einfach nur wieder am Leben zu sein, als wären die vergangenen Tage vom Tode mehr, denn vom leben bereits gezeichnet gewesen. und ein leises Lachen der Erleichterung entrang sich mit einem Male seiner Kehle. Die Schmerzen der Behandlung waren gänzlich aus seinem Geiste getilgt, ebenso alles was die Ereignisse rund um den Feentanz sich zugetragen hatten. Er wusste das er aus einem dummen Impuls heraus nochmals zu dem Fest gegangen war und das er dort wohl eine Verletzung davon getragen haben musste, da er die Tage darauf in seiner Studierstube dahin gesiecht hatte. Wie er vom Feste wieder dorthin zurück gelangt war, das entzog sich ihm vollständig, doch seltsamerweise erleichterte ihn dder Gedanke vielmehr, als das er ihn etwa erschreckt hätte. Beinahe schien es ihm, als wären diese… als wären die ihm fehlenden Erinnerungen ebenso… so verdorben gewesen, wie das beinahe schwarze Blut, welches er eben erst so angewidert von seinem Gewand zu entfernen versucht hatte.

    „Secrets and lies, that's how we grew up, and Albus... he was a natural.“ — Aberforth Dumbledore

  • Ein Fahrender also. Cuanard hatte hie und da einige von ihnen getroffen, als er selbst noch auf Reisen gewesen war. Doch sein Weg hatte ihn mehr oder minder direkt von Avrielle nach Sorieska geführt. Und obwohl er das Gefühl der Freiheit genossen hatte, war er doch auch froh gewesen zum Komfort einer festen Bleibe zurückkehren zu können.


    "Das Volk des Windes?" Interesse blitzte in seinen blaugrauen Augen auf, das für einen Moment die Müdigkeit zu vertreiben schien. "Ich habe davon gehört, Gerüchte, Geschichten. Ist es ein blosser Name, oder geht es wirklich mit Elementarkräften einher?" Vielleicht hätte er diplomatischer sein sollen, doch wenn es um Wissen ging, gelang ihm das selten. Und aus erster Hand vom Volk des Windes zu hören - das passierte einem nicht alle Tage. Vielleicht konnte er noch das eine oder andere von diesem Tuuli lernen.

  • Obwohl er doch gedacht hatte, dieses Mal recht vorsichtig an das Thema herangegangen zu sein schien es nciht wirklich geklappt zu haben. Der Mann ging nahzu sofort auf das Thema ein, welches Tuuli eigentlich vermeiden wollte. Doch in seinen Augen lag Neugier und seine Frage klang nicht verächtlich wie sie es meistens Tat, wenn jemand schon einmal davon gehört hatte. Tuuli musste fast seinerseits lachen, als er jedoch die Aussage mit den Elementarkräften hörte und schüttelte den Kopf. "Nein, ich fürchte da habt ihr ein falsches Bild Me'Syr. Es ist nicht im geringsten so das ich Windkräfte hätte oder gar den Wind befehligen könnte. Ich glaube auch nicht das letzteres einem Kind des Windes jemals in den Sinn käme. Mir zumindest auf keinen Fall. Der Wind ist so Frei wie sonst kaum etwas in dieser Welt. Ich glaube nicht das er gerne Befehle erhält..." sagte er Schulterzuckend während er sich durchs Haar strich. "Nein, keine Elementarkräfte. Der Wind ist unser Begleiter unser Freund. Er reist mit meinem Volk oder wohl wir mit ihm, er erzählt uns Geschichten von Orten an denen wir noch nicht waren, reizt unsere wanderlust noch mehr mit verborgenen Orten und fantastischen Städten die es noch zu besuchen gilt und er gibt Acht auf uns. Warnt uns vor Gefahren, lässt uns die besten Routen auswählen, oder sagt uns wenn er etwas von uns möchte. Noah, war zum Beispiel jemand der dem Wind aufgefallen war. Deßhalb wurde ich erst richtig auf ihn Aufmerksam."



    Tuuli machte eine kurze Pause ehe er fortfuhr. "Ähnlich wie bei euch. Euch scheint der Wind ebenfalls gern zu haben." Das plötzlich einsetzende prasseln auf dem Dach, verriet nur zu deutlich, dass der Regen eingesetzt hatte. Noah war draußen geblieben, weßhalb Tuuli fast ein wenig besorgt zur Tür sah. "Sollte ich mal nach Noah sehen? Nicht das ich an eurer Heilkunst zweifle, er sah vorhin bereits deutlich besser aus."

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  • Cuanard schmunzelte. "Ich glaube, er fände es ganz hinreissend Befehle zu erhalten, um dann lachend das Gegenteil zu tun." Vieles von dem, was dieser Tuuli erzählte, glich seiner eigenen Erfahrung. Auch wenn er den Wind etwas weniger personifiziert zu betrachten schien als das fahrende Volk. "Ich bin ein wilder Hexer, mit einer besonderen Affinität zur Luft", erklärte der Heiler das ungewöhnliche Interesse an seiner Person - jedenfalls ging er davon aus, dass dies der Grund sein dürfte. Und nachdem Tuuli so bereitwillig mit Informationen herausgerückt war, war es nur rechtens sich zu revangieren.


    Das sanfte Trommeln von Regen hüllte die beiden Männer in eine vollkommen neue Geräuschkulisse. Cuanard liebte seine Hütte mit den dünnen Wänden und dem mit flachen Schindeln bedeckten Dach - man war geschützt, doch nah am Geschehen. Allein der Klang schien seine müden Geister zu beleben.


    Er nickte. "Die Laube ist nicht dicht, doch die Elemente bergen eine ganz eigene Heilkraft. Dennoch, wenn er jetzt an einem Infekt der Lunge stirbt, war viel Arbeit umsonst." Die Wärme in seinen Worten machte deutlich, dass er die Worte viel weniger harsch meinte, als sie womöglich interpretiert werden konnten.