Teehaus "Zum roten Schleier"

  • Als hätte sie drauf gewartet oder ihren Namen gehört - stand plötzlich Laflar bei ihnen im Flur. Gerade, als Vajdán sich zum Gehen wenden wollte. Interessanter Zufall, ihre Begegnung im Flur. Hatte sie seine Frage gehört?

    Eigentlich wollte sich Vajdán vollkommen auf ihre und auch Sirals Gesten und Minen konzentrieren, doch in dem Moment öffnete der Samanhare die Türe zum Dampfbad ein Stück weiter und ein Schwall der heißen Luft angereichert mit Eisenwurz wogte ihm entgegen. Ob es nur die Erinnerung an den gestrigen Abend war oder bereits die Wirkung, das Herz pochte ihm im Hals, und für einen Moment stieg Übelkeit in ihm hoch. Er behielt die Fassung, aber wer genau beobachtete sah, dass er noch ein Stück blasser geworden war. Und ihm entging das meiste von Sirals Worten. Als er wieder klar war bemerkte er Laflars Blick auf sich ruhend.

    Ihr schien der Geruch weit weniger auszumachen.

    Er setzte ein professionell freundliches Lächeln auf und nickte ihr zu. "Ich wünsche ebenfalls einen schönen guten Morgen, Me'Dam." er hatte kurz überlegt, ob er sie zum Frühstück einladen sollte, aber gerade in dem Moment zuvor war ihm jeder Appetit vergangen.

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

  • Siral wandte sich zuerst an sie, nachdem Laflar den Blick auf Vajdan gelegt hatte, der ihr plötzlich etwas blasser erschien als noch wenige Minuten zuvor. Hatte sie die beiden vielleicht bei etwas gestört, das sie nicht hätte mitbekommen sollen? Mehr als Vajdans Kompliment über Sirals Tattoo hatte sie nicht gehört. Sie musterte nun abwechselnd Vajdan und Siral, der im Badehandtuch an einer Tür lehnte, die zu einem Raum führte, den Laflar bisher nicht kannte. Dann wurde ihr etwas bewusst, hatten die beiden vielleicht geflirtet? In den ländlichen Gegenden Sorieskas, wo Laflars Heimat war, war es oft verrufen Liebe zu einem anderen Mann zu empfinden, vielleicht war das hier in der Stadt auch nicht gern gesehen und sie fürchteten, dass Laflar zu viel davon mitbekommen hatte. Einen Augenblick lang schien ihr Blick in die Leere abzudriften, dann jedoch schob sie den Gedanken bei Seite. Das war absurd, es gab keine wirklichen Indizien. Sie hatte Siral derweil nur halb zugehört, die letzten Worte seines langen Monologs schnappte sie allerdings noch auf. Wie kam er auf den Lohn? "Verdammt, ich habe wirklich das halbe Gespräch überhört." Laflar ließ sich wie immer nichts anmerken, ihre Miene verriet nichts. "Der Lohn?" Sie sah noch einmal an Siral auf und ab, deutete mit einer Kopfneigung auf sein Badehandtuch. "Ihr seht nicht aus, als wolltet ihr euch gerade mit dem Geschäft beschäftigen. Ich kann darauf warten." Geld war ihr immerhin nicht wichtig. Es diente nur dazu zu überleben oder sich vielleicht ein paar Informationen zu kaufen.
    Langsam kam auch bei Laflar ein Hauch der Luft aus dem Raum, den Siral kurz geöffnet hatte an und sie empfand ihn als äußerst unangenehm, als würde man darin Urinieren, so brannte der Duft in ihrer Nase wie Ammoniak und sie kam nicht drumherum ihr Gesicht für einen kurzen Moment kaum erkennbar zu verziehen. Nun wandte sich auch Vajdan zu, auf den sie ihren Blick nun ein wenig krampfhaft gerichtet hatte, nachdem sie ihre Antwort an Siral beendet hatte, um nicht wieder unsittlich auszurutschen.
    Auch er hatte sie begrüßt, dann aber nichts weiter gesagt. Wirklich gut sah er aber noch immer nicht aus. "Geht es euch gut? Ihr seid ein wenig blass.", entschied sie nun ihn auf ihre Entdeckung anzusprechen.

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare

    Einmal editiert, zuletzt von Laflar Raurel ()

  • "Ja, Euer Lohn." nickte Siral noch einmal auf die beinahe iritierte Nachfrage. Bevor sein Blick kurz zwischen den beiden Gästen hin und her huschte.

    Doch Laflar schien nachsichtig mit ihm und verlangte die Bezahlung nicht sofort.

    " Bei den Öffnungzeiten läuft die Innere Uhr ein bisschen anders, ja." begann er zu schmunzeln. Überhaupt kam er, wenn man die Zeit hochrechnete, am Tag mit sehr wenig Stunden schlaf aus, wenn man bedachte, dass er eigentlich zwei Geschäfte hier führte und ein Teil davon im Dunkel der Nacht erfolgen musste. Mitunter brachte da die lange Öfnnungszeit des Roten Schleiers doch eine glaubhafte Ausrede, dass er bis Mittag schlief.

    Und doch, während er die Gäste beobachtete, wurde deutlich, dass ihm gerade eigentlich keine Beachtung geschenkt wurde. Die beiden Feenblute schienen irgendwie, abwesend. Eine seltsame Stimmung die man beinahe greifen konnte.


    Sein Blick wurde kurz von Laflars Worten zurück zu Vajdan gedrängt, als sie sich nach seinem Befinden erkundete. Die Regungen der Sängerin, war wohl vorteilig verhüllt vom Schleier, an Siral vorbeigezogen. Während Vajdan ohnehin irgendwie immer Bleich wirkte, seitdem er seine Bekanntschaft gemach hatte. Und der Teehausbesitzer aus seiner ganzen Art nicht so recht schlau wurde. Für gewöhnlich gestand er sich selbst ein gutes Maß an Menschenkenntnis ein... Doch der vernarbte war irgendwie seltsam.

    Ach was.. beide.

    "Ich kann einen Heiler holen lassen, wenn Ihr Euch nicht wohl fühlt, Me`Syr. Oder Ihr gebt meinem Onkel unten im Schankraum bescheid?" schlug er vor. Auch wenn Zustran genau genommen nicht sein Onkel im eigentlichen Sinne war. Doch war das deutlich Einfacher ihn als einen Onkel vorzustellen, als einfacher Geschäftspartner oder gar jemand der durch eine Schuld an seine Familie gebunden war.

  • "Mir geht es gut, danke. Das ist wohl meine natürliche Hautfarbe." Er lächelte.

    "Und wo ich herkomme sind Dampfbäder wenig üblich, ich denke ich vertrage heiße Aufgüsse nicht gut. Dort drinnen werdet ihr mich also eher selten antreffen. Ich wünsche euch aber einen entspannten Aufenthalt."

    Er war Laflar einen langen Blick zu, zeigte sie eine Reaktion?

    Sie wirkte immer ein wenig abwesend und in Gedanken versunken.

    Oder war es wegen Siral? Hatte Dunija recht? Wühlte ein nackter Männerkörper das Gemüt von jungen Mädchen tatsächlich derart auf, dass sie zu nichts anderem mehr imstande war, gar erschrocken? Jung war sie, zweifellos, und Siral halb nackt... Hätte er doch nur ein wenig mehr Kenntnis von den Reaktionen und Bedürfnissen seiner Mitmenschen gehabt.

    "Habt ihr denn das Dampfbad schon einmal versucht, Laflar?"

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    (Matthias Beltz)

  • Vajdan tat seine Blässe mit seiner üblichen Hautfarbe ab und es stimmte, dass er auch sonst sehr blass war, so war es Laflar ja auch, aber der kleine Unterschied, als das Blut seine Lippen verlassen hatte, fiel ihr auf, denn das ist auch die Gegend in der man es bei ihr selbst am besten bemerkte, wenn sie mal krank war. Wenn Vajdan aber nicht zugeben wollte, dass ihm nicht ganz wohl war, warum auch immer, dann wollte Laflar auch nicht weiter darauf herumreiten. Stattdessen lauschte sie den nächsten Worten des großen blonden Mannes. Auch wo Laflar herkam waren Dampfbäder nicht üblich, sie hatte noch nie zuvor davon gehört, aber sie hatte auch keine große Chance umher zu ziehen und die Welt kennenzulernen. Laflar sah zu der Tür vor der Siral stand und dann wieder zu Vajdan, als er eine Frage an sie richtete. "Nein.", antwortete sie knapp. Und der Gestank, der von diesem Raum ausging war auch nicht gerade einladend für sie. "Und ich glaube es wäre auch nichts für mich.", fügte sie dementsprechend noch an.

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  • Ja, davon hatte Siral gehört. Das kam zwar häufiger vor als man glauben mochte, dass jemand in dem Dampfraum das Bewusstsein verlor. Denn die Nicht-Samanhariten, muteten sich mit den heissen Dampfbädern zuviel zu und unterschätzten die Auswirkungen. Doch Dunjia arbeitete sehr gewissenhaft und desswegen machte er sich keine Sorgen.


    "Alles eine Sache der Gewöhnung." entschied Siral freundlich versichernd und hauptsächlich an die Verhüllte gewandt.

    " Aber unter den Umständen verständlich." Da die Frau so schon ihr Gesicht nicht zeigen wollte, konnte er sich auch nicht vorstellen, dass sie unverhüllt in so einen Raum ging.

    "Dann möchte ich mich vorerst entschuldigen. Und solltet Ihr doch noch etwas brauchen, könnt Ihr Euch jederzeit an einen meiner Angestellten wenden." verkündete er an beide gewandt und senkte verabschiedend den Kopf und machte noch einen Halben Schritt weiter in den Raum hinein, als Frauengekicher aus der Richtung kam, aus der Laflar zuvor in den Flur getreten war.

    Gleichzeitig schälten sich drei Damen ähnlich dürftig bekleidet wie der Teehausbesitzer, nämlich nur mit einem großen Tuch bedeckt, aus dem Treppenabsatz und kamen sich unterhaltend in ihre Richtung, offensichtlich ebenfalls mit dem Ziel des Dampfenden Raumes. Es war nicht unüblich, dass die Tänzerinnen den Raum nutzten, das kam schonmal vor. Doch musste es ein gar missverständliches Bild abgeben, als der Samhare, begrüßend lächelnd den Damen die Türe aufhielt und die Tänzerinnen schnell hineinhuschten und dann bedenkenlos die Tücher lösten um sie an die Haken zu hängen.

    " Me`Dam... Me`Syr." verabschiedete er sich und verschloss die Türe.

  • Siral verabschiedete sich zusammen mit zwei in der Zwischenzeit wohl nackten Damen.

    Vajdán nickte ihm zu quittierte die Beobachtung indem er eine Augenbraue hob.

    Die Tänzerinnen hatte er am Vorabend gesehen, waren sie nicht später mit den Händlern auf deren Zimmer gegangen?

    Was sie nun im Dampfbad mit dem Samanharen anstellten war leicht zu erraten.

    Sobald die Türe wieder geschlossen war und sich der Dampf verzogen hatte kehrte auch Vajdáns Farbe zurück, sofern man bei ihm von Farbe sprechen konnte.

    Sein Zimmer hatte er wieder abgeschlossen, Waffen und Uniform deponiert, nun überlegte er, was er mit den restlichen Stunden bis Dienstbeginn anstellen sollte. Er warf Laflar noch einen unschlüssigen Blick zu.

    Sollte er nocheinmal versuchen eine Unterhaltung in Gang zu bringen? Sie schien jedoch nicht wirklich daran interessiert zu sein.

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  • Laflar bewegte sich keinen Zentimeter, stand angewurzelt wie ein Baum in dem Gang und musterte Vajdan nachdenklich. Eigentlich hatte sie nicht viel Lust mit ihm zu sprechen, nachdem er sie am Vorabend so bedrängend ausgefragt hatte, aber irgendwas in ihr wollte unbedingt mehr über diesen vernarbten Mann vor ihr in Erfahrung bringen. Sie hatte selten Gespräche mit Fremden angefangen und war so ein wenig unbeholfen, aber genau das, nämlich neue Dinge in Erfahrung bringen, Hinweise finden, das war ja das, wofür sie überhaupt in die Stadt gekommen war. Sie blickte den blonden Mann noch immer an und auch er musterte sie, überlegte sich wohl auch, sie anzusprechen. "Ehm.", räusperte sich Laflar. Vielleicht sollte sie das Gespräch mit dem Dampfraum beginnen? Sie schienen es beide bemerkt zu haben, dass dieser Dampf für sie beide unausstehlich war. "Du verträgst diesen Dampf scheinbar nicht. Die Farbe kam in dein Gesicht zurück, als Siral die Tür vollständig geschlossen hatte."

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  • Vajdan kniff die Augen zusammen und musterte sie einen Moment länger. Sie hatte den Zusammenhang hergestellt.

    "Ja, etwas darin vertrage ich wohl nicht, irgendein Harz oder aristhanische Minze oder so." Das Eisenkraut liess er bewusst aus, kannte sie seine Wirkung?

    Und sie hatte auf eine deutlich persönlichere Anrede gewechselt, sobald sie alleine waren.

    "Du scheinst dich such nicht ganz wohlzufühlen dabei. Ist es auch das Zeug darin, oder nur zu viel nackte Haut?"

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  • Als Vajdan die nackte Haut erwähnte senkte Laflar den Kopf. So etwas war ihr wirklich noch nie passiert, aber es war auch das erste Mal, dass sie jemanden des anderen Geschlechts so freizügig sehen konnte. Der Gestank und ihr Unwohlsein, was damit einherging war aber doch eindeutig dem Dampf zuzuschreiben. "Ehm...", stotterte sie kurz. "Nein ich finde den Dampf auch unerträglich. Vielleicht ist das ja etwas, das nur Samharen vertragen..." Laflar hatte tatsächlich keine Ahnung, dass eins der Kräuter in dem Dampf dafür verantwortlich war.

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  • Sie wirkte plötzlich unsicher, verlegen.

    "Ja, wahrscheinlich." Allerdings war er sich relativ sicher, dass nicht auch beide Frauen aus Samanhar waren, mindestens eine von Ihnen war eine Einheimische. Der Unterschied war also ein anderer.

    Er hätte sich doch auch etwas von dem Eisenkraut mitnehmen sollen, nur um eine These zu überprüfen.

    "Wollt ihr etwas Essen? Ich lade euch ein."

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    (Matthias Beltz)

  • Der große blonde Mann schien Laflar heute deutlich freundlicher, als am Vortag, aber vielleicht hing das auch mit ihrem eigenen Verhalten zusammen. Gerade war sie deutlich entspannter, als gestern Abend. Das ganze ließ ihn deutlich vertrauenswürdiger erscheinen. Außerdem hatte Laflar auch noch nichts gegessen, seit sie aufgewacht war. "Oh ja, das wäre wirklich freundlich von euch." Sie nahm seine Einladung an und fragte sich dann, ob sie hier im Teehaus essen würden oder ein anderes Lokal der Stadt aufsuchen würde. Laflar war sich nicht mal sicher, ob die Küche dieses Hauses um die Mittagszeit überhaupt schon offen war. Sie wusste wirklich wenig über diese Ort, an dem sie nun seit Gestern wohnte. Jedenfalls war ein gemeinsames Essen auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, mehr voneinander zu erfahren und auch an möglicherweise wichtige Informationen zu gelangen.

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  • Sie stimmte also zu. Gut. Das ermöglichte ihm das eine oder andere in Erfahrung zu bringen, zumal sie nicht mehr so abweisend wirkte wie tags zuvor. Und zum Essen würde sie wohl den Schleier lüften müssen.

    Als hätte er ihre Gedanken erraten "Zieht ihr es vor hier zu essen? Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Küche bereits geöffnet hat. Ansonsten kann ich den weißen Hirschen empfehlen, dort habe ich bereits sehr gut gegessen."

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  • "Ich bin neu in der Stadt, daher vertraue ich mal Ihrem Urteilsgefühl.", antwortete Laflar. "Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Küche hier bereits geöffnet hat, also lasst uns doch einfach zu dem weißen Hirschen gehen." Mal wieder raus zu kommen und die Außenwelt zu erkunden würde Laflar sicherlich auch gut tun. Vielleicht würde sie ja auch irgendwas entdecken, was ihr weiter hilft. Bisher war ihr Aufenthalt in Sorieska ja nicht allzu aufschlussreich.

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  • Vajdán nickte.

    Er deutete auf die Treppe am Ende des Flures:

    "Gut, wir können gleich hier entlang, dann müssen wir nicht erneut durch die Gaststube."

    Er ging voraus um den Weg zu zeigen, öffnete ihr auch die Türe, allerdings entglitt sie ihm so, dass Laflar sie noch am Griff würde auffangen müssen. Es sah aus als wäre er einfach abgelenkt gewesen, tatsächlich wollte er wissen, wie sie auf das Eisen reagierte, das auch so sehr auf seiner Haut brannte.

    "Entschuldigt."

    Der weisse Hirsch war nicht sehr weit entfernt, sie konnten problemlos zu Fuß gehen.

    Vajdán bot Laflar seinen Arm an. Er hatte beobachtet, dass es nicht unüblich war, und wohl etwas mit Höflichkeit zu tun hatte.

    "Woher aus Serijsa kommt ihr denn, wenn ihr noch nicht so lange in der Stadt seid?" Dass sie aus der Gegend kommen musste verriet ihr Akzent, besser, das fehlen eines solchen.

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    (Matthias Beltz)

  • Laflar folgte Vajdan, der ihr die Tür aufhielt, aber nicht lang genug für sie um durchzukommen, so dass sie den Griff auffangen und die Tür wieder aufschieben musste. Die Berührung brannte zwar, aber Laflar war es gewohnt, dass manche Türgriffe leichten Schmerz in ihrer Hand hervorriefen. Für sie war das ganz normal und sie wusste auch nicht, dass das bei anderen Menschen nicht so war und so merkte man ihr auch nichts an. Vajdan entschuldigte sich, scheinbar war es nicht seine Absicht, die Tür vor ihrer Nase wieder zu schwingen zu lassen. Laflar nickte kurz und trat durch die Tür, schloss sie hinter sich wieder. Als sie sich umdrehte blickte sie etwas irritiert auf den angewinkelten Arm von Vajdan, den er ihr anbot. Die Geste war ihr nur von eng befreundeten, familiären Kontakten oder Liebenden bekannt, aber Laflar war so selten in der Außenwelt unterwegs, dass sie eigentlich nicht wirklich wusste, ob das vielleicht sogar üblich war. Trotzdem entschied sie sich ein wenig Abstand zu halten und lehnte sein Angebot ab. "Danke, aber ich würde lieber allein gehen."
    So setzten sie sich dann schweigend in Bewegung, bis Vajdan die Stille mit einer Frage brach. "Ich komme aus dem ländlichen Serijsa, bin in einem Dorf aufgewachsen. Aber ich kenne nicht viel von der Gegend, ich war selten draußen.", formulierte Laflar ihre Antwort so, dass sie möglichst wenig Fragezeichen aufwarf. Sie wollte einem Fremden nicht gleich ihre ganze Lebensgeschichte auftischen.

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  • Sie fing die Türe ohne ein ungewöhnliches Anzeichen auf.

    In Vajdáns geistiger Aufstellung entstand eine weitere Notiz, jedoch noch ohne Interpreationsansatz.

    Seinen Arm lehnte sie ab, gut, dann blieb sie eben wieder auf Distanz. Auch ihre antworten waren wieder ausweichend.

    "Und was hat euch dann jetzt in die Stadt verschlagen? Ihr habt wohl auch keine Verwandten hier, sonst würdet ihr nicht in einem Gasthaus singen um euch eure Quartier zu verdienen. Und ihr wollt nicht erkannt werden... aber wer kann euch erkennen wenn ihr vom Land kommt und nicht oft draußen wart? Ihr müsst schon zugeben, das alles ist schon ungewöhnlich..."

    Ja, er hatte wieder Töne wie ein Verhör angeschlagen. Dabei hatte er am gleichen Tag erst bei der Wache angeheuert. Vielleicht war sein gefälschtes Patent nicht so weit von der Wahrheit entfernt?

    "Entschuldigt. Ich wollte euch nicht bedrängen, aber wenn ihr vor jemandem auf der Flucht seid, wenn ihr Hilfe braucht, vielleicht kann ich euch helfen."


    hier weiter:

    Gasthaus zum weissen Hirschen

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    (Matthias Beltz)

    2 Mal editiert, zuletzt von Vajdan Jaromer ()

  • Von hier: Die Straßen der Unterstadt


    Am Teehaus angekommen verabschiedeten sich Vajdan und Laflar relativ schnell. Er schien noch etwas erledigen zu müssen und für Laflar ging nun ja auch bald die Abendunterhaltung los, für die sie, unter anderen, natürlich mitverantwortlich war. Zuerst zog sie sich allerdings kurz auf ihr Zimmer zurück um sich einige Dinge zu notieren. Das Schreiben hatte sie von ihrem Onkel gelernt, der deutlich schlechter darin war als sie und schon bald von ihr hätte lernen können. Eines der vielen Dinge, die sich als positiv an der engen Verwandtschaft mit einer Fee herausstellten. Sie notierte sich Dinge, die sie bei ihrem kleinen Ausflug mit Vajdan bemerkt oder erfahren hatte, über Eisenkraut, ihre Fähigkeit und über Vajdan und hoffte, sich aus diesen Informations-Schnipseln irgendwann ein großes Ganzes bilden zu können. Über Tuuli, Siral, die Musiker und Nari hatte sie sich schon mehr oder weniger lange Notizen gemacht. Als sie damit fertig war, versteckte sie sowohl Schreibutensilien als auch die Notizen sicher, auch wenn sie sie immer verschlüsselte, so war es doch besser, wenn diese Worte gar nicht erst in die falschen Hände gelangen würden.

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  • Auch Vajdán war zunächst ins Teehaus zurückgekehrt.

    Zum einen wollte er sich umziehen - sein Dienst würde in wenigen Stunden beginnen und bei seinem nächsten Vorhaben konnte sie ebenfalls behilflich sein. Und dann mußte er nachdenken. Dringend. Alles was er an diesem Tag und am Tag zuvor erfahren hatte kreiste in seinem Kopf.

    In seinem Zimmer angekommen schloß er sorgfältig die Tür. Dann bliebt er vor dem Bett stehen und atmete tief durch.

    Zwei wichtige Fragen drängten immer weder in sein Bewusstsein:

    Kann es sein, dass ich auch ein Mischling bin?

    Und:

    Was wäre so schlimm daran?


    Der Spiegel war wieder abgedeckt, wer auch immer dafür sorgte, vermutlich Dunija, hatte Angst vor dem Einfluss, den Feen dadurch ausüben konnten. Soviel zur zweiten Frage...

    Nur wie sollte das funktioneiren? Er näherte sich dem Spiegel, untersuchte ihn von allen Seiten. Das war nichts als Glas mit Silber beschichtet in einem Rahmen aus verziertem Messing und Holz.

    Kein magischer Gegenstand, der einmal aufgeladen worden war, wie Sirals Kamele. Was machte einen normalen Spiegel zu einem magischen Einfallstor? Glas und Silber? Dann funktionierte es auch mit Weingläsern, die zum Teil ebenfalls silber beschichtet waren? Nein, dass es nicht das reine Material war, das war Vajdán klar, aber da fehlte noch immer ein so großes Puzzlestück zu einem schlüssigen Gesamtbild.

    Langsam zog er das Tuch vom Spiegel und sah hinein.

    Ein blasser hellblonder Mann blickte ihm entgegen aus blaugrauen Augen und einem vernarbten Gesicht.

    Er trat näher. Laflar war schön, ebenmäßige Züge, glatte feine Haut, klare Augen. Ihre Haare waren ebenfalls hell... War das ein Merkmal? Nein, viele Menschen waren hellhäutig und hellblond, vor allem aus dem Norden, daher passte seine Legende ganz gut. Und es gab auch andere Haarfarben bei den Feen... zumindest der Feenkönig selbst war wohl rothaarig.

    Gut, die Augen... Laflar hatte klare blaue Augen, seine waren eher glaublau. Nicht unähnlich, aber Laflars Blick wirkte tief und unergründlich, seiner eher scharf und durchdringend. War das ein Merkmal? Diese Frage konnte er nicht beantworten.

    Die Haut... ein klarer Unterschied. Die Narben passten absolut nicht zum ebenmäßigen Erscheinungsbild einer Fee. Und die Bartstoppel dazwischen auch nicht. Wuchs Feen denn überhaupt ein Bart?

    Schwer vorstellbar. Aber was bedeutete das?

    Die Narben... Er zog Hemd und Jacke aus, um das ganze Ausmaß begutachten zu können.

    Sie zogen sich über den ganzen Oberkörper und Rücken, wie ein Netz, vor allem auf der rechten Seite. An manchen Stellen waren sie schwächer. Dass sie auch unterhalb der Gürtellinie weitergingen wusste er bereits.

    An Rücken und Brust bildeten sie ein Streifenförmigeres Muster... Als hätte ihn etwas rechts getroffen und war an den Seiten abgeglitten oder als wäre er gegen etwas gelaufen... Das war kein Brand, kein Feuer, sondern lokaler... als hätte der Auslöser an etwas Festem gehaftet. Die Dornenranken kamen ihm wieder in den Sinn...

    Das hieß aber nur, dass er es mit etwas ungewöhnlichem zu tun gehabt hatte. Tatsächlich etwas magischem?

    Aber auch das macht ihn noch nicht zur Fee.

    Nur warum stellte er sich diese Frage überhaupt?

    Warum suchte er nach Merkmalen und Unterschieden?

    Wußte er doch tief in seinem Inneren, dass er anders war?


    Laflar hatte eine steinerne Bank zum Leben erweckt und sie schien diese Fähigkeit zu kennen, wenn sie auch nicht viel darüber wußte. War er auch dazu in der Lage?

    Das könnte ihn genau zu der erwünschten Erkenntnis führen. Oder zu einer Unerwünschten.

    Er betrachtete seine Hände.

    Nein, hier würde er es nicht versuchen.

    Dann der Geruch. Sowohl Laflar, als auch die Fee beim Fest hatten einen intensiven Blütenduft verströmt. Die Fee am Fest noch mehr als Laflar. Trotzdem, sogar nach dem Auftritt und heute nach dem Spaziergang hatte sie nicht wie Menschen nach Schweiß gerochen. Das war einer der Gründe, weshalb er gehen wollte... einer seiner Testes. Das Eisenkraut im Weissen Hirschen war jedoch nur ein glücklicher Zufall gewesen. Auch wenn er es fast erwartet hatte. Er wusste, dass man auch dort vorsichtig war.

    Ihm war es erspart geblieben, er war mit Nevin dort gewesen, und ihn kannte man gut.

    Und man sah es ihm selbst auch einfach nicht an... eine verhüllte blasse Frau dagegen...

    Ja, natürlich, das Eisenkraut...

    Aber zunächst der Geruch. Nein, Schweiß konnte er auch bei sich nicht wahrnehmen, obwohl er schon lange auf den Beinen war. Im Grunde hatte er das schon früher wahrgenommen. Sein eigener würziger Geruch, nicht unangenehm, er hatte es immer darauf geschoben, dass er in der Nähe des Hafens zu sich gekommen war, vielleicht hatte er auf leeren Gewürzsäcken gelegen.

    Verdammt... hatte er bei einem Mann einen Duft nach Maiglöckchen erwartet?

    Etwas krampfte sich in seinem Inneren zusammen.

    Das nächste war das Eisenkraut. So wie er gestern darauf reagiert hatte...

    Wieder blickte er in den Spiegel.

    Doch eine Fee? Oder zumindest ein Mischling?

    Floss tatsächlich Feenblut in seinen Adern?

    Aber Nevin war nicht davon abzubringen gewesen, dass er seinen Vater kannte...

    War die Fee dann seine Mutter? Oder irrte sich Nevin?

    War der Vorwurf der Schneiderin berechtigt gewesen?

    Hatten ihn die Feen geschickt?

    Sollte er noch einmal zu ihr gehen? Aber was würde sie tun?

    Konnte man dafür eingesperrt werden? Nur dafür Feenblut in sich zu haben? Den Posten in der Wache wäre er sicher los. Laflars Angst war gewiss nicht unberechtigt.

    Aber egal wer er nun war, er würde es auf jeden Fall für sich behalten.

    Entschlossen ballte er die Hände zu Fäusten.

    Er zog seine Uniform an, schnallte den Waffengürtel um und warf noch einen Blick in den Spiegel eher er ihn wieder mit dem Tuch abdeckte.

    Ja, er gab einen guten Offizier ab.

    Den Bart würde er noch eine Weile stehen lassen, das würde ihm derzeit nur nutzen.

    So verließ er das Quartier wieder um zum Dienst zu erscheinen und zuvor noch ein paar Erkundigungen einzuziehen.

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

  • Siral liebte die Arbeit die mit dem Gasthaus und der Teestube einherging. Vermutlich zu sehr,um davon die Ruhezeit abzuzwicken die er eigentlich brauchte. Und manchmal fragte er sich, ob sich beides weiterhin gut genug miteinander vereinbaren ließ, wenn sich der Samhare die übrigen Nachtstunden zumeist damit um die Ohren schlug, sich um sein eigentliches Gewerbe im Kellergewölbe zu kümmern, dass er manche Tage mehrere Tassen starken Tee und einen Dampfbadbesuch brauchte um wieder einigermaßen in Form zu kommen.


    Der Samhare grübelte gerade, nach vielen bereits erledigten Aufgaben, hinter der Theke über seinem Kassenbuch und verteilte diverse Münzen aus einem Kästchen in kleine Beutelchen, während er den lauten Diskussionen Zustrans und seines Kochs auf Samhani mit halbem Ohr lauschte. Während sein Ziehonkel stets die Finanzen im Hinterkopf behielt und daran festhielt, nicht übermäßig die Speisekammern damit zu füllen, was man Ende gar nicht gebraucht wurde, so fühlte sich der Koch in seiner Freiheit mehr als eingeschränkt und protestierte gegen den vermeintlichen Geizhals. Siral hatte es aufgegeben sich dort einzumischen. Er vertraute darauf, dass sowohl Zustran als auch der Halbsamanharite sich wieder einig wurden. Schließlich konnte er sich nicht um alles in dem Haus kümmern, dann könnte er auch gleich Lareann hinterherdackeln und jeden ihrer Handgriffe beim Bettenüberziehen kritisieren. Desshalb hatte er ja eigentlich für jeden Bereich einen Stellvertreter ernannt. Dunija behielt die Gästezimmer und Sauberkeit im Haus Blick und damit auch die Zimmermädchen. Der Koch, dass die Verköstigung seiner Gäste reibungslos von Statten ging. Während Zustran eigentlich die Hand über alle anderen Verwaltungsangelegenheiten haben sollte, so hatte er sich das zumindest in anfänglicher Naivität vorgestellt. Die Realität sah dabei schlussendlich immer ganz anders aus.


    Er ließ die beiden Männer diskutieren, nur wenn es zu laut wurde, mischte sich der Hausherr ein. Ein offensichtliches Streitgespräch kam selten gut bei Gästen an, auch wenn der Gastraum noch sogut wie leer war. Ungewöhnlich für so einen Tag wie heute...

    Das Dschinnblut verteilte den Lohn der Tänzerinnen gerecht nach Vereinbarung und sortierte danach wieder die Beutel zurück in ein Kästchen, wo sich die Damen nach und Nach ihre Bezahlung abholen oder gegenverrechnen würden. Dabei trank er gelegentlich aus einem der verzierten Becher seine starke Teemischung.