Teehaus "Zum roten Schleier"

  • Vajdán trat auf den Gang und schloß sein Quartier ab.

    Einen Moment lauschte er, kam jemand die Treppe runter? Kam jemand aus dem Dampfbad oder war Dunija wieder unterwegs um die Zimmer aufzuräumen?

    Die von der Schneiderin angefertigten Kleidungsstücke hatte er sauber in den Schrank gehängt solange er sie nicht brauchte, er wollte niemandem einen Anreiz bieten darin zu wühlen bei dem Versuch Ordnung in seine Dinge zu bringen.

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

  • Laflar verließ ihren Raum nun wieder, mit dem Ziel des Gastraumes. Sie dachte sich, dass mittlerweile vielleicht ein paar Gäste anwesend sein könnten oder dass ihre Musikerkollegen schon da waren oder dass sie jemanden treffen würde, den sie schon kannte, den sie noch einmal ein Gespräch führen könnte. Schleier und Maske ließ sie in ihrem Zimmer zurück, so wie Vajdan es ihr geraten hatte. Als sie die Treppe herunter kam, sah sie Siral, der völlig in Gedanken mit einem Haufen an Geld beschäftigt war. Es sah aus, als würde er es in kleine Lohnsäckchen aufteilen. "Me'Syr Siral.", begrüßte sie ihn, als sie an der Theke vorbei lief um sich gegenüber von ihm auf der anderen Seite der Theke zu platzieren. "Ich hoffe ich störe euch nicht?" Sie bemühte sich höflich zu sein, während sie überlegte, wie sie ein Gespräch mit ihm anfangen könnte.

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare

  • Siral vermerkte die Summe gerade in dem schweren Kassenbuch, als er die vorsichtige Anfrage an ihn gerichtet hörte. Eine Sekunde später und unmittelbar nach dem letzten Federstrich sah der Samhare auf, noch während die ersten Silben ihrer Befürchtung über ihre Lippen gekommen waren hatte die Sängerin seine volle Aufmerksamkeit. Er hatte zwar die Bewegung im Augenwinkel bemerkt, doch hätte er die Stimme nicht zuerst gehört und eindeutig Me`Dam Laflar zugeordnet, hätte er sich wohl in Anbetracht eines ihm unbekannten Gesichts gehörig in die Nesseln setzen können.

    "Nein, tut ihr nicht. Me`Dam." ein zuvorkommendes Lächeln bahnte sich seinen Weg auf das gebräunte Gesicht während er das Kassenbuch ein Stück zur Seite schob. Warum also trug sie einen Schleier, wenn es eigentlich keinen Grund gab, dass sie sich verhüllen müsste? Sie war weder entstellt, noch verlangte die ungewöhnlich helle Hautfarbe im Inneren des Hauses danach vor der Sonneneinstrahlung geschützt zu werden. Unaufdringlich musterte er sein Gegenüber. Dass sich die Frauen in Samanhar verhüllten, war ihm bekannt... doch sonst? Und vor allem, warum trug sie ihn jetzt nichtmehr? Lag es daran, dass sich hier weniger Gäste als am gestrigen Abend befanden?

    " Ganz und garnicht. Wie kann ich Euch helfen? Tee?" fragte Siral aufrichtig interessiert wirkend und wartete keine Antwort ab, bevor er einen sauberen Kupferbecher auf ein Tablett stellte, etwas von einer fruchtigeren Kräutermischung hinein Löffelte und in einstudierten Bewegungen nach dem von der Hitze rosigglänzenden Teekessel griff um das Gefäß mit dem dampfenden Wasser aufzugießen.

  • Von den Gesprächen bekam Vajdán nichts mit, er verließ das Teehaus durch den Nebenausgang.

    Sein Ziel war die Bibliothek. Er hoffte das eine oder andere Buch über Feen und Feenmischlinge zu erhalten. Aus diesem Grund hatte er auch bereits die Uniform angelegt, einem Leutnant der Nachtwache würden derartige Schriftstücke eher ausgehändigt, als einem Zivilisten und der leichte Bart und die Narben rückten ihn weit weg von jedem Verdacht, selbst eine Fee zu sein.


    die Bibliothek von Sorieska

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

    Einmal editiert, zuletzt von Vajdan Jaromer ()

  • Laflar musterte Siral, als er seinen Blick hob um sie ebenfalls anzusehen. An der kurzen Unsicherheit, die an seinem Gesicht abzulesen war, bemerkte Laflar wieder, dass sie ihren Schleier ja gar nicht trug und das niemand hier ihr richtiges Gesicht kannte.
    Siral bot ihr Tee an, sie musste jedoch gar nicht zustimmen, da war er schon dabei den Tee aufzugießen. "Gerne.", antwortete sie ihm dennoch, denn das schien ihr höflich zu sein. "Achso das mit dem Schleier. Ich hatte meinen ersten 'größeren' Auftritt in einem anderen Gasthaus und trug dort eine Kapuze, die ich gestern, als ich ankam auch trug. Daraus hatte sich dann der Künstlername 'Die verborgene Lyra' ergeben und ich dachte, dass sich die Verschleierung gut verkaufen ließe." Sie pausierte kurz, um dann wieder anzusetzen zu sprechen: "Aber dann hat mich jemand darauf angesprochen, dass es in dieser Stadt einige misstrauische Gestalten gibt, die zu viel hinterfragen und falsche Schlüsse ziehen könnten, wenn ich weiter das Bild einer geheimnisvollen Künstlerin aufrecht erhalten würde und deshalb habe ich mich nun doch dagegen entschieden." Ihr Monolog klang weniger wie eine Rechtfertigung und mehr nach einer analytischen Kosten Nutzen Abwägung, die sie Siral nun präsentierte. Der Sinn dahinter war natürlich trotzdem, ihm eine plausible Erklärung zu liefern - auch wenn sie nicht der ganzen Wahrheit entsprach - damit er sich keine eigene suchen müsste.

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare

  • Die getrockneten Kräuter gaben schnell ihre Farbe an das heisse Wasser ab und verbreiteten ihren unvergleichlichen Duft. Orangenblüten aus Theramia, Kaktusblüte aus Arjisthan und eine seichte Gewürzmischung, die dem süßen Geschmack noch eine Kräftigere Note verliehen.

    Siral wartete eigentlich darauf, dass die Sängerin mit der hellen Haut zu ihrem eigentlichen Anliegen kam. Doch sie schien sich erst erklären zu wollen, warum sie keinen Schleier trug. Oder suchte sie einfach nur Gesellschaft und suchte nach einem Thema mit dem sie in ein Gespräch einsteigen konnte? Er war selbst ein wenig überrascht von dem Wortschwall mit dem sie ihre Seite der Geschichte verdeutlichte, obwohl er garnicht vorgehabt hatte, sie darum zu bitten sich zu erklären. Soetwas wäre unhöflich und konnte missverstanden werden.

    Siral kannte schon eine Menge, eigentümlicher Personen. Es hätte den Samharen auch nicht gestört, wenn sie einfach nur exzentrisch gewesen wäre und desswegen einen Schleier trug. Oder auch einen anderen Grund gehabt haben mochte, als schlichte Ruffördernde Maßnahmen.

    " Zuweilen, mag ein Geheimnis die Neugierde der Kunden steigern, es kann aber auch ins Gegenteilige umschlagen und dem Ruf schaden, da habt Ihr Recht." nickte Siral dem Ganzen irgendwie zustimmend und doch ließ er seine eigene Meinung dazu nicht wirklich durchblicken. Er selbst, das Teehaus und seine Gebäckstücke Ja sogar seine eigentliche Ware, ließen sich manchmal besser anpreisen, wenn man eine vermeintliches Geheimnis erwähnte, doch sollte man an gewissen Dingen nicht kratzen, wenn man das Geheimnis nicht zu offenbaren bereit war.

    " Ich kann Euch versichern, dass Jemand wie Ihr, sich nicht hinter einem Schleier verstecken müsste, nur um sich der Neugierde der Gäste sicher zu sein." versuchte er sich an einem Kompliment und hob das kleine Tablett von seiner Seite der Theke um es vor Laflar zu stellen und das Sieb abzuklopfen und Abzuheben. Ihre Haut und Haarfarbe war ungewöhlich hell und die Augen für sein Empfinden zu durchdringend... So manche Männer mochte das durchaus anziehen. Nicht, dass das den leidenschaftlichen Gastwirten aus der Bahn werfen würde.

    "Das beste aus Arjisthan und Theramia.." meinte er selbstsicher präsentierend mit einem kurzen Deuten auf den Tee. Dann stellte er ein kleines Tiegelchen Honig daneben. " Wenn Ihr denn wünscht, doch ich finde er besitzt schon eine leichte süße Note, die Honig für manche überflüssig macht."

  • Der Zufall wollte es, dass Arvijd kurz nach seinem Besuche bei Noah an Sirals Teehaus vorbei kam.

    Das heißt, er war eine Weile durch die Strassen gewandert, sich orientieren und um eine Bestandsaufnahme vorzunehmen. Was war noch bekannt, was war neu?

    So beständig die Stadt auch war, die meisten Geschäfte und Gaststätten, die er von früher kannte, hatten, wenn es sie noch gab, zumindest neue Besitzer.

    Und so kam er schließlich auch am 'roten Schleier' vorbei.

    Er kannte dass Etablissement noch unter dem gleichen Namen, aber offenbar mit einer anderen Funktion. Damals hatte eine bestimmte Dame hier gearbeitet, eine gewisse Me'Dam Erinija, zumindest war das ihr richtiger Name. Ihr Kunden kannten sie wohl eher als Me'Dam Lotusblüte und sie war damals mit einem ganz besonderen Anliegen zu dem Arzt gekommen. Er hatte ihr geholfen, wenn auch wiederwillig, da er sich ja eigentlich dem Erhalt von Leben verschrieben hatte. Doch er hatte auch einsehen müssen dass es auch darum gehen mußte es für jeden Beteiligten lebenswert zu gestalten. So hatte er ihr und von Zeit zu Zeit auch Kolleginnen von ihr geholfen. Dass es einen diskreten und guten Arzt gab, der sich auch um solche Probleme kümmerte, hatte sich in der Szene damals schnell herumgesprochen und das war wohl auch der Anfang vom Ende gewesen. Viele vertrauten nicht auf Magie und gaben sich lieber in menschliche Hände. Unter den Damen war er damals beliebt, er bereit sie und half ihnen auch, sich gegen Krankheiten zu schützen und in vielen Etablissements wurde er dafür auch kostenlos bedient.

    Doch es hatte wohl jemanden gegeben, dem er damals ein Dorn im Auge gewesen war. Der Mord an dem Arzt war jedoch nie aufgeklärt worden, immerhin hatte man auch nie eine Leiche gefunden.


    So war es vielleicht sogar ein Segen, dass er zwar den alten Namen an dem Bauwerk vorfand, jedoch versehen mit neuen Sonnensegeln und Laternen aus Samanhar. Auch die Fenster waren getauscht worden und das Ladenschild. Das sprach doch alles dafür, dass der Besitzer gewechselt hatte und den Namen nur aus Traditionsbewusstsein behalten hatte.

    Die Funktion hatte sich allem Anschein nach doch grundlegend gewandelt.

    Er hatte nie vor gehabt, hineinzugehen und nach einer Me'Dam Erinija zu fragen, aber der Duft nach frischem Tee lockte ihn nun hinein, und vielleicht eine Spur Neugier, was aus dem alten Hurenhaus heute geworden war.

  • Der Heiler hatte sie gewarnt, ihren Fuß nicht zu überanstrengen und Coralyne war klug genug, seiner Anweisung zu folgen, wenngleich sie sich den Ausfall nicht leisten konnte. Doch der leise Schmerz, der bei jedem Schritt durch ihren Knöchel schoss, erinnerte sie ohne Gnade daran, wie dumm es wäre, die Warnung zu ignorieren - und zu riskieren, dass die Zuckerbäckerei länger geschlossen bleiben musste als nötig.


    Coralyne seufzte, als der Kutscher der Mietkutsche die Tür öffnete und ihr den Arm anbot, um ihr beim Aussteigen zu helfen. Es war ein Luxus, den sie sich gemeinhin nicht leistete und der nicht dazu beitrug, die Löcher in ihrem Geldbeutel zu stopfen. Doch ihre Situation ließ ihr kaum eine Wahl und sie hatte es nicht länger ausgehalten, untätig in ihrer Wohnung zu sitzen, während es in ihren Fingern kribbelte, an die Arbeit zu gehen. Hierher zu kommen, war die beste Möglichkeit, etwas zu tun. Etwas, das ihr das Gefühl gab, für ihre Zukunft zu arbeiten, anstatt in Stillstand zu verharren und langsam wahnsinnig zu werden.


    Sie schenkte dem Kutscher ein Lächeln, als sie die Fahrt bezahlte, wenngleich es ein wenig trüber ausfallen mochte als gewöhnlich. Ihr Blick fiel auf die Teestube und sie straffte sich. Me’Syr Siral würde gewiss überrascht sein, sie heute zu sehen, nachdem sie ihm ihre Anschrift hinterlassen hatte. Doch nachdem der Likör es ihr nicht gewährt hatte, die Küche zu besichtigen, gab es einen guten Grund, hier einzukehren.


    Gewiss, zukünftig würde sie vorsichtiger sein, wenn der Samhare ihr seinen Likör darbot. Sehr viel vorsichtiger. Coralyne presste die Lippen zusammen und trat durch die Tür in die Gaststube. Ihr Gang wirkte noch ein wenig unsteter als gewöhnlich, konnte sie doch den verletzten Knöcheln nicht belasten wie gewohnt, und sie fluchte innerlich, obgleich sich nichts von ihrem Verdruss auf ihrer Miene zeigte. Coralyne war es zu sehr gewohnt, ihr Ungemach zu überspielen, als dass sie es jetzt offenbarte.


    Es war leerer zu dieser Zeit. Die Zuckerbäckerin ließ suchend den Blick über die Gäste schweifen, auf der Suche nach dem Besitzer des Teehauses oder einem bekannten Gesicht, an das sie sich wenden konnte.

  • Laflar lauschte den Worten des Teehauswirtes, der ihr teilweise zustimmte, jedoch blieb er mit seiner Antwort eher vage, als sehe er für beides seine Vor- und Nachteile. Er versuchte sich an einem Kompliment, doch Laflars Ausdruck verriet wie immer nichts darüber, ob es ihr schmeichelte oder nicht. Auch wenn sie an diesem Tag etwas gesprächiger schien, änderte sich nichts an ihrem kühlen Wesen. Die Notwendigkeit zu reden bestand, einerseits um an Informationen zu gelangen, andererseits um nützliche Beziehungen aufzubauen und Vajdans Beispiel hat ihr gut gezeigt, dass es durchaus positiv sein kann, sich etwas mehr zu öffnen.
    Nun präsentierte der Samanhare ihr stolz den Tee, den er während ihres kurzen Gesprächs fertig gemacht hatte. Laflar roch kurz daran, um auszuschließen, dass sich auch darin Eisenkraut verbarg. Nochmal wollte sie das Erlebnis aus dem Wirtshaus, in dem sie zuvor mit Vajdan war, nicht wiederholen. Der Duft des Tees schien ihr aber unverdächtig, im Gegenteil, ihr kam ein süßlich angenehmer Duft entgegen. "Er riecht gut.", kommentierte sie ihr handeln. Wenn sie ihre Hand um die Tasse legte, spürte sie aber, dass der Tee noch ziemlich heiß war, daher ließ sie ihn erst einmal etwas abkühlen. "Ich hoffe ich bin nicht zu aufdringlich, wenn ich das Ein oder Andere über den Mann, in dessen Gasthaus ich verbleibe, erfahren möchte. Ich nehme an, dass das Lokal Euch gehört? Zumindest wirkt es so, als wenn Euch hier jeder als Chef ansieht.", begann sie. Es schien ihr legitim etwas über den Wirt, unter dessen Dach sie nächtigte, in Erfahrung zu bringen und so würde sie möglichst ohne viel von sich selbst preisgeben zu müssen, ein paar Dinge erfahren.

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare

  • Auch wenn sie zuvor verhüllt gewesen war, hatte er diese Frau schon richtig eingeschätzt. Ihr Gesichtsausdruck verriet selten, welchen Einfluss seine Worte haben könnten. Ein Kompliment brachte sie sichtlich nicht aus der Bahn. Der Augenaufschlag mit dem sie ihn ansah verriet kaum etwas über das was in ihr vorgehen mochte und noch weniger Regung zeigte sich, als sie an dem Behältnis roch aus dem der Dampf aufstieg.

    Kein Staunen.. Kein Wiedererkennen eines geliebten Duftes. Keine Überraschung über ein neues Aroma.

    Es lag zwar ein Klang in der Stimme, aber wenig aufrichtiges Gefühl. Wie Jemand der Worte schlecht einstudiert hatte und nur gering beeindruckt war...

    Sein Blick lag einen Moment auf den schlanken Händen die das Gefäß umklammerten. Er war schon zu lange im Geschäft um durchdringen zu lassen, dass es ihn doch etwas kränkte, dass sie eine solch erlesene Teemischung nicht entsprechend zu würdigen wusste. Die er ihr noch nicht einmal berechnet hätte. Doch rief er sich ins Gedächtnis, dass nicht jeder dem arjisthanischem Tee gleichermaßen Wertschätzung beimaß und schon garnicht in Sorieska. Wo die Geschmäcker andere waren.. Dinge mehr oder weniger Wert besaßen als Zuhause. Eine erneute herausforderung mit jedem neuen Kunden...


    Und außerdem war sie direkt... Siral horchte auf ihre Nachfrage und nahm es ihr keinesfalls übel, dass sie mehr über ihn wissen wollte, auch wenn es gleichermaßen ungewöhnlich war, dass jemand so fordernd nach Antwort verlangte. Eine Frau die kaum mit ihm bekannt war und selbst soviel zu verbergen vermochte. Etwas, dass er auch erst hier hatte lernen müssen... Dass die Frauen in Serijsa anders waren als in Arjisthan.

    Sein Vater hätte mit einem Zähneknirschen geantwortet um den Schein des guten Gastgebers zu wahren, doch er der alte Samhare hätte das niemals so auf die leichte Schulter genommen, wie Siral es tat.

    Er legte die Utensilien auf ein Tablett und stellte es näher an die Küche ein mildes Schmunzeln lag auf seinen Zügen.

    " Ich bemühe mich, ein freundschaftlicheres Verhältnis zu meinen Angestellten zu wahren als viele Wirte in manch anderen Teehäusern, desswegen ist es vermutlich schwerer ersichtlich wer hier wirklich das sagen hat. " meinte er scherzend und lächelte bevor er wieder mit der Schulter zuckte.

    " Für manch einen, mag das unkonventionell wirken. Aber ich finde die Stimmung in so einem Hause ist doch eine ganz andere. Also ja. Das Gasthaus gehört mir. Mein Onkel unterstützt mich allerdings bei dieser Aufgabe." erklärte er noch abschließend und sah einmal kurz auf als er mitbekam wie sich die Türe geöffnet hatte. Beinahe überkam ihn ein schlechtes Gewissen, als er Me`Dam Coralyne erkannte, die auf den Stock gestützt in den Schankraum eintrat.

    Er hatte so schnell nicht mit ihr gerechnet, oder hätte sie erwartet, dass er ihre Angebot zuerst nachkam? Um sich ihr Geschäft anzusehen und sich ihres Könnens zu versichern? Er hatte eigentlich gedacht, er hätte deutlich gemacht, dass er in diesem Punkt auf ihr Wort vertraute. Das Dschinnblut lächelte begrüßend und hob kurz die Hand in die Richtung der Zuckerbäckerin. Es wäre unhöflich Laflar gegenüber, jetzt davon zu stürmen und ihr einen Platz anzubieten. Doch der Etikette nach folgend, wäre ein Geschäftspartner wie es Coralyne nunmal war höher gestellt als ein angestellter Musiker..

    " Me`Dam Coralyne, ihr beehrt mich unerwartet!" schmunzelte er und hob bittend die Hand. " Wenn Ihr mich noch einen Augenblick entschuldigen würdet? Ich bin gleich bei Euch." versicherte er ihr und griff nach einem leeren Gefäß, während er sich wieder Laflar zuwandte.

    "Es ist das erste Geschäft meiner Familie, so weit außerhalb von Arjisthan. Doch wer nichts Neues wagt und etwas mit Herausforderung sucht hat sich den Stolz seiner Familie nicht verdient, meint ihr nicht auch?"

  • Siral schwieg einen Moment, als er ein paar Dinge in Richtung Küche räumte, ehe er ihr antwortete. Laflar hatte schon bemerkt, dass Siral oft sehr zuvorkommend und freundlich war, schließlich war sie ja jetzt auch eine seiner Angestellten, obgleich ihre Arbeit natürlich deutlich weniger anstrengend war, als die eines Kochs oder einer Kellnerin. Wirklich dominiert hat sie sich von ihm nicht gefühlt, eher schien es, als wenn jeder seine Rolle kannte, aber dennoch sehr frei in der Ausführung war. Es gefiel ihr, wie er seinen Laden führte und sie konnte sich gut vorstellen, dass das Teehaus sich für sie irgendwann wie ein Wohnzimmer, wie 'nach Hause kommen' anfühlte. Aber bis dahin war noch ein langer Weg, auf dem sie noch herausfinden musste, warum ihr dieser Ort trotz allem hin und wieder so seltsam und unwohl vorkam.
    Eine Frau, die Laflar nicht kannte betrat nun den Laden. Sie wandte ihren Kopf kurz zu ihr, als Siral sie mit einem Lächeln und Winken begrüßte und ihr versicherte, dass er sich gleich zu ihr gesellen würde. Er begrüßte sie mit Coralyne und aus seiner nun fast schon übertriebenen Freundlichkeit deutete Laflar, dass sie wohl ein wichtiger Gast für Siral war.
    Nun wandte er sich wieder an Laflar, die zuvor kurz etwas in Gedanken versunken war, jetzt aber wieder aufblickte und ihm aufmerksam zuhörte. Er sprach über Stolz und Familie und Laflar war einen Moment nicht sicher, was genau sie darauf sagen sollte. Sie hatte nie wirklich eine Familie, außer ihren Onkel, der zu ihr eine Hassliebe empfand. Liebte sie wie die eigene Tochter, aber hin und wieder kam der Hass zu ihrem Vater, zu den Feen hoch. Stolz und Ehre, diese Dinge bedeuteten Laflar nichts, weil es ihr im Allgemeinen egal war, was andere Leute von ihr dachten, solange sie diese Gedanken nicht in Gefahr brachten.
    Da Sirals Frage aber eher so gestellt war, dass er von ihr erwartete, dass sie seine Aussage bestätigte, nickte Laflar einfach. "Ja ich denke schon.", erwiderte sie zusätzlich und blickte dann zu der Frau, Coralyne, die eben herein gekommen war. "Sie scheint ein wichtiger Gast zu sein. Lasst sie lieber nicht warten." Nun blickte sie wieder zu Siral. "Meine Bezahlung komme ich dann später abholen, wenn Ihr sie fertig gemacht habt."

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare

  • Laflar nickte ausweichend, doch es war nicht an Siral das weiter zu ergründen. Jeder hatte seine Vergangenheit und Gedanken, nicht jeder sah es so wie er und er hatte schon viele Geschichten und Leidenswege von Gästen gehört um zu wissen, dass man bei so etwas nur dann nachbohrte, wenn sein Gegenüber einen kleinen Hinweis fallen ließ, dass er es insgeheim wünschte.

    Nicht so Laflar, ihr Blick ging durch den Raum zurück zu Coralyne und dass die Sängerin so zuvorkommend reagierte überraschte ihn ein wenig.

    "Ein Gast? Nein. Nein, nicht direkt. Der Zufall hat es gewollt, dass sich erst vor kurzem eine vielversprechende Geschäftspartnerschaft ergeben hat. Aber.." seine Hand hob sich um Laflar zu deuten, dass sie sich einen Moment gedulden sollte, während die andere die Beutelchen durchging, die er sorgfältig in die Kiste gereiht hatte.

    " Ich habe.. euren.." Siral hob ein vermeintliches Beutelchen heraus und steckte es wieder zurück, als er den Vermerk darauf nicht die Sängerin betraf. " Lohn bereits..." triumphierend zog er einen roten Seidenbeutel heraus in dem mehr Münzen klimperten, als ursprünglich abgemacht schienen.

    " Hier. Einschließlich der direkten Spenden im Nachhinein, bei denen ich so frei war, sie Statt in Ware.. also einem Ausgegebenem Getränk einer Speise - in den effektiven Münzwert umzusetzen. Ich hoffe, das war in Eurem Sinne." Er stellte den Lohnbeutel vor der hellhäutigen Frau ab und strich in seinem Kassenbuch die Zeile durch. Viele Gäste gaben den Sängern Getränke oder Speisen aus, die in den meisten Fällen natürlich nicht alle verzehrt werden konnten und desswegen vermerkt wurden und schlussendlich abgerechnet.

    Sein Blick ging zu Coralyne die sich an ihren erwählten Platz gesetzt hatte während seine Hände weiter arbeiteten.

    " Heute ist es etwas ruhiger, ich bin mir Sicher es ergibt sich später am Abend für Euch die Möglichkeit mehr über Jenen zu erfahren, in dessen Gasthaus ihr Verbleibt." ein zuvorkommendes ja fast zufriedenes Lächeln zierte sein Gesicht, während er Gedanklich daraus schlussfolgerte, dass ihm die Sängerin wohl noch eine Weile erhalten blieb. Er hob das Sieb von der Tasse ab, schwenkte es kurz um die verbliebene Flüssigkeit abtropfen zu lassen und schließlich den Tee für Coralyne servierbereit herzurichten, während es ihn schon mehr zur Zuckerbäckerin zog.

  • Siral erklärte, dass die blonde Dame eine seiner Geschäftspartnerinnen war. Gut, das schloss Laflar nun unter wichtigen Gästen ein, denn zu Gast war sie ja trotzdem, auch wenn sie nicht nur ein Kunde war. Dann stockte er ein wenig, während er mit seiner Hand den Lohnbeutel für sie aus dem Kästchen zog, das vor ihm stand. "Natürlich. Vielen Dank Me'Syr." Sie nahm das Beutelchen, dass ihr nun etwas schwerer vorkam, als erwartet und lauschte dann Sirals letzten Worten, in denen er ihr versicherte, dass sich heute zu einem späteren Zeitpunkt sicher nochmal die Gelegenheit ergibt, mit einander zu sprechen.
    "Ich werde darauf zurückkommen." Sie stoß sich nun von der Theke ab, an die sie sich gelehnt hatte. "Also bis später.", verabschiedete sich Laflar, während sie schon den Weg ins Obergeschoss zu ihrem Zimmer einschlug.

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  • Kurz vor einer Dame, die am Stock ging hatte bereits Arvijd das Teehaus betreten, das zu dem Zeitpunkt relativ leer war. Er hatte nicht darauf gewartet, dass man ihn zu einem Tisch geleitete, nicht in diesem Etablissement, auch wenn es sich sicher gewandelt hatte.

    So saß er bereits und ließ die Atmosphäre auf sich wirken als der Besitzer das Gespräch mit einer zierlichen blassen Frau beendete und die Frau am Stock begrüßte.

  • In ihrem Zimmer angekommen verschloss das Feenblut die Tür, kämmte sich durch die etwas vom Wind zerzauste Frisur und nahm in der Entschlossenheit, bevor sie im Teehaus ihren Auftritt hatte noch ein wenig in der Stadt nach Spuren zu suchen, einen Mantel. Dann verließ sie ihr Zimmer wieder, schloss ab und lief die Treppen herunter, durch den Schankraum, ohne dabei Augenkontakt zu irgendwem zu suchen, durch die Haupteingangstür nach draußen auf die Straßen der Unterstadt. Sie steuerte die Oberstadt an, konkreter die Taverne, in der sie ihren ersten Auftritt hatte: Das Auge des Mondes.

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  • " Bis später, Me`Dam Laflar." verabschiedete er sich mit milder Tonlage und hob die leere Tasse von der Theke um auch diese näher an die Küche zu schieben. Noch immer konnte er seinen Koch und seinen Ziehonkel energisch in Samhari diskutieren hören und innerlich rollte der Samhare mit den Augen. Auch wenn nicht viel los war, so waren doch Gäste im Schankraum und das war nicht unbedingt färderlich für den Ruf des Teehauses. Ein wenig überdeutlich stellte er die Tasse, ohne sie wirklich zuerst abgestellt zu haben auf den langen Tisch innerhalb der Küche, ohne wirklich den Raum betreten zu müssen und wurde mit einem kurzen Schweigen belohnt. Das genügte ihm um anzudeuten, dass es durchaus Arbeit gab, der auch irgendwer nachkommen musste.


    Mit einem frisch aufgebrühtem Tee für die Zuckerbäckerin auf dem Handteller balancierend, umrundete er die Theke mit gleichmäßigen Schritten. Dabei lächelte das Dschinnblut der Sängerin noch ein letztes Mal entschuldigend entgegen und trat dann seiner neuen Geschäftspartnerin entgegen.

    "Me`Dam Coralyne." begrüßte er sie aufrichtig lächelnd und neigte in langsamer Geste den Kopf um ihr zeitgleich den Tee zu servieren.

    " Ich muss gestehen, Euer Besuch überrascht mich. Positiv selbstverständlich. Ich hoffe, Ihr seid hier, weil ich Euch beeindruckt habe und nicht, weil ich Euch mit meiner Nachlässigkeit verstimmt haben könnte und ihr mich nun spüren lassen wollt, dass ich eure Geduld überstrapaziert habe? " schon nach den ersten zwei Sätzen erblühte ein schelmisches Lächeln auf seinen Lippen. Ein wenig von sich selbst überzeugt und an dieser Stelle sich selbst nicht ganz ernst nehmend.

    Natürlich hoffte er, dass Me`Dam Coralyne nicht verstimmt war, aber Frauen neigten häufig dazu, ihre wahre Gefühlslage nicht nach Außen dringen zu lassen. Vorsichtig und etwas abwartend, lehnte er sich etwas zurück. Seine gebräunte Hand legte sich langsam auf einer Stuhllehne ab, fast als überlegte er ob er sich einfach setzen sollte, oder erst einen etwaigen Sturm abwarten, der womöglich über ihn hinwegrollen könnte. Auch, wenn er die Zuckerbäckerin nicht so einschätzte. Ihr letzter Besuch hatte eigentlich sehr deutlich gemacht, dass sie eine direkte aber ehrliche Frau war. So war es doch sicherer und hier in Sorieska vermutlich höflicher abzuwarten bis sie ihm einen Sitzplatz anbot.

  • Coralyne lächelte, als der Besitzer des Teehauses an ihrem Tisch erschien, um ihr einen Tee zu servieren. Siral schien gut gelaunt und doch … ein wenig vorsichtiger, als erwartete er tatsächlich, dass Donner über ihn hereinbrechen könnte. Mit einer Geste wies sie auf einen freien Stuhl, wirkte er doch, als wüsste er nicht, ob er sich setzen sollte oder lieber im Stehen das Donnerwetter erdulden wollte.


    „Aber nein, Me’Syr Siral. Wenngleich ich fürchte, dass Euer Likör nicht ganz unschuldig an meinem Erscheinen ist. In zweifacher Hinsicht.“


    Sie zwinkerte ihm zu, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass ihre Worte keineswegs ernst gemeint waren, dann neigte sie den Kopf, um das Aroma des duftenden Tees einzuatmen. Ihr Lächeln verbreiterte sich, als sie die Mischung von Gewürzen wahrnahm, die in der Luft schwebte. Instinktiv versuchte sie, die einzelnen Aromen zu entschlüsseln. Eine Angewohnheit, die sie vor langer Zeit angenommen hatte, stets auf der Suche nach neuen Pfaden, die sie mit ihrem Gebäck und ihren Süßigkeiten beschreiten konnte.


    „Ein kleiner Unfall auf dem Heimweg zwingt mich, die Arbeit für eine Weile ruhen zu lassen, also dachte ich, es sei eine gute Gelegenheit, nachzuholen, was wir gestern versäumt haben. Der Heiler hat keinen Zweifel daran gelassen, dass ich meine Verletzung nur verschlimmern würde, wenn ich die Zuckerbäckerei verfrüht öffne und ich fürchte, ich muss ihm gehorchen.“


    Sie hob die Schultern und stieß ein Seufzen aus. Es wirkte, als würde sie ihre missliche Lage leichthin abtun, wenngleich nichts in ihr den Unfall so leicht nahm, wie sie es erscheinen lassen wollte. Nicht öffnen zu können bedeutete, auf Einkünfte zu verzichten und womöglich gar Kundschaft zu verlieren. Für einen Moment zog ein Schatten über ihr Gesicht und Coralyne neigte den Kopf über den Tee, noch ohne davon zu kosten, bevor ihr Gastgeber sich gesetzt hatte. Es half, die flüchtige Empfindung zu überspielen.

  • Coralyne wies mit einer Geste auf den Stuhl und Siral würde der Aufforderung nur zu gerne nachkommen, doch er würde warten, bis sich der kurze Moment ergab, sich selbst etwas zu trinken einzuschenken. Das Dschinnblut nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte und zog den Stuhl ein Stück unter dem Tisch heraus.

    Es war erleichternd, als sie seine Befürchtung im Sande verlaufen ließ.

    Der Likör? Ein leichtes Schmunzeln verzog seine Lippen und er legte kurz die Finger unters Kinn. Ja, der schaffte sie alle und dennoch oder gerade desswegen, kamen die Damen wieder. Der Likör war süß genug um ihr Interesse zu wecken und raffinierter im Geschmack, vor allem aber nicht so scharf wie der Alkohol den lieber die Herren der Schöpfung tranken. Da hatte er wohl etwas gefunden, dass es in Sorieska nicht allzuhäufig gab und so hatte er sich seine eigene kleine Stammkundschaft geschaffen.


    Me`Dam Coralyne zwinkerte ihm zu, dennoch überkam ihn das leichte Gefühl, nicht gänzlich vom Tadel verschont geblieben worden zu sein. Sein Blick lag auf der Person vor ihm, die ihre Teetasse langsam anhob, sich in diesem Moment beinahe schon ehrwürdig dem Tee widmete um die Aromen in sich aufzunehmen.

    Wann traf man schon auf jemanden, der sich wirklich die Zeit dafür nahm? Und offensichtlich noch so Gefallen daran fand? Unwillkührlich erwiederte er das Lächeln das auf ihren Zügen erblühte, zumindest bis sie sich zu erklären begann.


    Und hier wurde auch deutlich warum er glaubte einen leichten Tadel in ihren ersten Worten gehört zu haben. Einen Unfall? Sein Gesichtsausdruck wandelte sich.

    "Nichts Ernstes so hoffe ich doch?" erkundigte sich Siral ohne wirklich eine Antwort zu erwarten, denn sie war hier und wirkte auf den ersten Blick nicht so, als wäre etwas gavierenderes geschehen, Es war anmaßend das genaue Gebrechen zu erfragen, wenn es ein Gegenüber nicht von sich aus erzählte, doch darum schien es auch garnicht zu gehen.


    Die Gedanken eines Geschäftsmannes begannen ihre Bahnen zu ziehen. Wenn sie ihre Bäckerrei nicht öffnen konnte, hieß das, sie hätte einbußen. Vermutlich sogar schwerwiegende... Er versuchte in ihrem Blick zu lesen, doch allzuviel offenbarte sie ihm nicht, oder sie versuchte es zu überspielen. Er besaß zwar eine gute Menschenkenntnis, doch war Coralyne kein offenes Buch für ihn.

    Er ließ sich nun doch langsam auf den Stuhl sinken, der Tee konnte warten. Zumindest sein Eigener.

    "Und dann bemüht ihr Euch hier her, statt einen Boten zu schicken und mich zu Euch zu bestellen?" ein bisschen verständnislos aber belustigt schüttelte er kurz den Kopf. Eine eigenwillige Frau...


    "Selbstredend, komme ich gerne meinem Teil der Abmachung nach und wir knüpfen dort an, was ich Gestern eigentlich vor hatte... doch..." fügte er beinahe im gleichen Atemzug an und verschrenkte die Finger ineinander.

    Der Samhare lehnte sich nachdenklich zurück.

    " Ich bin vielleicht anmaßend, doch kommt das natürlich auch nicht ganz uneigennützig.. " er schmunzelte und die Stimmung ein wenig aufzulockern.

    " Was wäre nötig um Euch zu helfen, dass ihr - Euch schonend selbstverständlich- Euer Geschäft nicht vorrübergehend schließen müsstet?" ein wohlwollendes Angebot, wusste er doch um laufende Kosten und die Befürchtungen die damit einherkamen. Siral strich sich nachdenlich einmal mit der flachen Hand über die Mundpartie, strich einmal kurz über den gepflegten Kinnbart und sah seine neue Geschäftspartnerin mit leicht schräg gelegtem Kopf an.

  • Coralyne sah ihr Gegenüber überrascht an. Es war eine Frage, die sie mit Gewissheit nicht erwartet hatte und für einen langen Moment fand sie keine Antwort darauf. Sie tippte mit dem Finger gegen die Teetasse und ein leiser Laut erklang, bevor sie zum Sprechen ansetzte.


    „Ich …“ Sie stockte, dann seufzte sie. „Nun, tatsächlich fürchte ich, dass ich eine fähige Hilfe in der Küche anstellen müsste, doch in der kurzen Zeit, gibt es wohl kaum eine Möglichkeit, dies zu bewerkstelligen.“


    Sie hob die Schultern und wies dann auf ihren Fuß, jedoch nicht in der Erwartung, dass der Teehausbesitzer tatsächlich nach unten blicken würde, um den Wahrheitsgehalt ihrer Worte zu überprüfen.


    „Ich fürchte, ich war ungeschickt und bin auf dem Heimweg gestürzt. Es ist gewiss keine schlimme Verletzung, aber der Heiler hat mir zu verstehen gegeben, dass ich für einige Tage darauf verzichten sollte, meiner Arbeit nachzugehen, wenn ich nicht will, dass sich der Knöchel verschlimmert. Ich war geneigt, nicht auf ihn zu hören, aber …“ Sie lächelte verlegen. „… der Schmerz hat mit verdeutlicht, dass es dumm wäre, es zu tun. Und natürlich kann ich weder in der Backstube noch hinter der Theke stehen.“


    Coralyne nahm ihre Tasse und nippte nachdenklich an ihrem Tee. Die heiße Flüssigkeit besaß etwas Tröstliches und aus Gewohnheit prüfte sie die Aromen mit der Zunge, bevor sie schluckte.


    Sie brauchte kaum zu erzählen, dass der Unfall sie in eine missliche Lage brachte. Ihr Gehstock und ihr ohnehin unsteter Gang fiel jedem ins Auge, der sie laufen sah. Dass nun der andere Fuß ebenfalls nicht mehr richtig funktionieren wollte, war weitaus mehr als ein kleines Missgeschick. Es war eine Katastrophe.


    Die Zuckerbäckerin merkte kaum, dass sich ihre Miene verfinstert hatte. Etwas, das ihr gemeinhin selten geschah. Für gewöhnlich hatte sie sich weitaus besser unter Kontrolle.

  • Fast entgegen seiner Erwartungen hatte Arvijd einen aromatischen Tee von einer der sehr hübschen Bedienungen erhalten und einen kurzen Moment ging es ihm durch den Kopf, dass sich das Etablissement vielleicht doch nicht so sehr verändert haben mochte.

    Sicher, die Einrichtung war eine andere, doch er konnte sich auch noch gute an die Themenabende der Me'Dam Erinija erinnern, da ging es zuweilen auch irgendwie Samanharisch zu. Mehr oder weniger authentisch. Die Schleier waren vielleicht noch ein wenig durchsichtiger, knapper. Aber sonst?

    Schade eigentlich.

    Dennoch konnte er das Ambiente genießen. Neugierig wanderten seine Blick über das Interieur, ganz als wäre er schon sehr lange nicht mehr hier gewesen.

    Er sah Gäste kommen und gehen - um diese Uhrzeit freilich noch nicht wieder so viele - doch dafür waren sie umso vielfältiger. Noch immer gingen hier überwiegend Männer ein und aus, und immer noch waren es meist Händler die die Stadt bald wieder verlassen würden.

    Doch auch einzelne Frauen waren darunter, so auch die Dame, mit der der Besitzer immer noch verhandelte. etwas an ihr war merkwürdig, und nicht nur Umstand dass sie für ihr junges Alter bereits früh an einem Stock ging. So wanderte sein Blick von der Einrichtung auch immer wieder zu ihr zurück.