Teehaus "Zum roten Schleier"

  • Beinahe jedes Haus in Sorieska erzählt seine eigene Geschichte und so auch das Teehaus "Zum roten Schleier". Am Rande zum Hafen in Unterstadt gelegen, war es früher häufig die erste Anlaufstelle für einsame Matrosen auf der Suche nach käuflicher Zuwendung. Einzig der Name, auf einem verwitterten Holzschild, und die alte Serjisa Bauweise erinnern noch an die verruchte Vergangenheit.

    Neuer sandfarbener Putz, geschwungene Ornamente, bunte Glasfenster, niedrige Tische und Sitzgelegenheiten, breit gespannte rote Sonnentücher, aus Samanhar deuten schon von Außen den neuen Verwendungszweck an. Doch erst Abends, erinnert es wahrlich an die heissen Wüstenstädte. Kupferlaternen mit bunten Gläsern und Fackeln tauchen sowohl das Äußere, als auch das Innere in angenehm warmes Licht.

    Betritt man nun den Schankraum des Teehauses durch die große mit Blattgold ornamentierte Doppeltür betritt man wahrlich Arjisthan. Landestypische Bodenfliesen und zahlreiche Teppiche pflastern das offene, ebenerdige Stockwerk, die Wände zum größten Teil mit Stoffen in warmen Farben behangen, während von der Decke zahlreiche Lampen und Goldene Verzierungen hängen. Bequeme, mit Samt und Seide bezogene Möbelstücke laden zum verweilen ein, kunstvolle Wasserpfeifen und Teekannen stehen ebenso bereit, wie süße und pikante Köstlichkeiten aus dem Heimatland des Besitzers Siral Al`Shazir. Doch das Prunkstück dieses Hauses, ist ein großer aufwendig gearbeiteter Tisch im hinteren Bereich, nahe der massiven Holztheke. Mit Goldfadenstickerreien deutete der Schöpfer hier eine Ovale Rennbahn auf dem roten Samt an. Sieben Kupferne Kamelnachbildungen, verraten erst auf den zweiten Blick, dass sie die eigentlichen magischen Akteure bei einer Wettveranstaltung bilden. Der Hausherr scheint stets ausgelassen und gastfreundlich, auch wenn er manchmal seinen Unmut über das kalte Klima verlauten lässt, trägt dennoch die arjisthaner Seide, wenn auch mehr Schichten als üblich. So manch ein Gast konnte ihn schon zu einer direkten Wette überreden, doch gerüchteweiser, hat er noch nie eine solche verloren.

    Doch auch wenn es gemütlich wirkt, nur selten herrscht hier langweile. An manchen Abenden tanzen hier samanharitische Frauen, mit klimpernden Goldplättchen und wild wehender Seide zur Musik der Spielleute aus den verschiedensten Teilen Samanhars. Auch lässt er vielversprechenden Reisenden gerne ein mal die Chance sich vor Publikum zu beweisen, oder stellt dem ein oder anderen Geschäftsmann eines der wenigen Séparée für einen Unkostenbeitrag zur Verfügung.


    Doch nicht jeder Bereich des Teehauses, steht jedem Gast hier offen. Die privaten Gemächer im oberen Bereich, ebenso wie die Gewölbe tief unter dem Gebäude, werden von einem ganz besonderen Wächter beschützt. Der abgerichtete Wüstenhund sitzt stets wachsam und hörig im Türrahmen zum abgehenden Flur, hinter der Theke und lässt keinen anderen passieren als den Hausherren selbst, seinen Vertreter Zustran oder jemanden in Begleitung eben dieser beiden.

  • Fortführung Event: Feentanz



    Seine Sinne klärten sich erst wirklich, als er durch die Hintertür ins Teehaus geschoben wurde, der uneinsichtige Gang verbarg die beiden Samharen sorgfältig vor den Kunden um Hauptraum, dennoch drang das vertraute Treiben an seine Ohren. Der Geruch von Wasserpfeife und Gewürzen vertrieb das letzte bisschen Lilienduft, der nurnoch in seiner Erinnerung blieb...

    Wärme.

    Siral rieb einmal über die unbedeckte und eiskalte Brust. Die Verwirrung stand ihm noch ins Gesicht geschrieben, als er den väterlichen Klaps Zustrans abbekam. Der Mann dort wedelte wild mit den Armen und erzählte irgendwas über ein Problem wesswegen er ja überhaupt ihn suchen gekommen war. Er hätte ihn dann so vorgefunden und wie töricht man eigentlich sein konnte. Wie vorgefunden? Siral sah auf, noch immer seine Erinnerung sortierend was genau geschehen war.

    "Seid ihr noch ganz bei Trost?! Habt ihr getrunken?!" blaffte ihn der Mann an, der ihn vermutlich mehr erzogen hatte als sein eigener Vater. Er war ein Diener, vielmehr Leibeigener der Familie und dennoch war Zustran der Einzige der ihn so ungeschoren zurechtweisen durfte. Das Dschinnblut, sah in ihm ein Familienmitglied.

    " Ich.. weiss nicht.." stammelte er und blinzelte angestrengt und schüttelte dabei schon den Kopf. Der Säbel den er die ganze Zeit in der Hand behalten hatte, wurde ihm aus der Hand genommen und beiseite gestellt.

    Der ältere Samhare, hatte offensichtlich nicht alles vom Abend mitbekommen, für Siral lag auch noch alles wie im Nebel. Es klang beinahe, als glaubte er, Siral hätte sich betrunken und dann vor all diesen Leuten Lächerlich gemacht. Ganz unrecht hatte er damit nicht... Nur dass ihn ein einziger Becher Gewürzwein noch keinesfalls betrunken machen konnte.

    " Da war...diese Frau...." druckste er weiter herum, als sei Denken und Sprechen zugleich schwierig.

    Wenn der Mann sich dabei etwas dachte, so sprach er es nicht aus. Er drängte seinen Herren zur Arbeit und auch wurde ihm klar, wesshalb Zustran sich überhaupt genötigt gesehen hatte nach ihm zu suchen. Im Teehaus herrschte ein heilloses durcheinander. Einer der Küchenjungen hatte sich beim Abräumen mit einem Gast angelegt. Hier galt es erst einmal zu schlichten. Eine Arbeit für die Sein Kopf so garnicht mehr zu gebrauchen war. Immer wieder schweiften seine Gedanken ab. Er erfasste das Problem der ganzen Situation nicht und warum der Seehändler so darauf bedacht, war, dass er den eigentlich zuverlässigen Jungen rauswerfen sollte. Zustran war es schließlich zu verdanken, dass er irgendwann doch zu Bett gehen durfte, oder vielmehr musste. Angeblich brachte er noch mehr durcheinander, als dass er eine Hilfe darstellte.


    Der Nächste Tag begann mit den täglichen Pflichten, die er eigentlich lieber Zustran anvertraut hätte, doch es gab Aufgaben, die konnte er nicht in seinem Namen erledigen. Bei dem Küchenjungen hatten sie sich darauf geeinigt, dass er einfach in ein paar Wochen wieder kommen sollte. Sie hatten kaum genug Zeit gehabt, um die Gesehenisse des letzten Tages in aller Ausführlichkeit zu bereden, da kam schon eine neue Lieferung die es zu überprüfen galt...

    Tivra war ungewöhnlich Anhänglich und Aufmerksam. Es mutete seltsam an, dass solch ein rießiges Tier sich gelegentlich mit den mächtigen Schultern an seinen Herren anschmiegte. Und doch war es ein Schutz der ihm nach den wirren Träumen der Nacht und den durchaus erschreckenden Ereignissen, den er zu schätzen wusste. Die Frau rief nach ihm.. Stachelte ihn an sie zu suchen, doch gerade war seine Innere Stimme stärker.

    Nostras Drohende Augen und die Worte die er ihm zuletzt entgegengeknurrt hatte, polterten immer wieder durch seine Gedanken. Dass dieser Mann zu Dingen fähig war war auch mehr als deutlich, dass Sirals immer wachsamer, ja gar nervöser wurde.

    Auch wenn er sich anfänglich noch eingeredet hatte, er wäre vielleicht irgendeinem normalem Bann erlegen, war die Skepsis inzwischen Größer. War diese Frau nicht zu berauschend gewesen um ein einfaches Hexenblut zu sein? Sagte man diesem Fest nicht nach, dass sich Feen unters Volk mischten? Viele Fragen die Offen blieben und ihm ein allgemeines Unwohlsein beschwerte.

    Die Wüstenhündin, schnüffelte stetig mit ihrer großen Nase in die Luft und suchte, knurrte und blieb meist Nähe bei ihm, wie in den Gewölben unter dem Teehaus. Doch hätte ihn der Anhänger nicht vor Feeneinfluss schützen müssen?


    Doch er konnte sich weder verkriechen, noch das ganze Geschäft hier wieder aufgeben oder Zustran alles alleine machen lassen. Er musste sich mit den Konsequenzen abfinden und abwarten. Ob dies alles noch Konsequenzen hatte?

    Gegen Nachmittag öffnete der Samhare die Schweren Holzfenster der Gaststube, die zwar Luft hereinließen, aber kunstvoll verzierte Eisengitter aufwiesen um Feen sowohl ein, als auch auzusperren. Seine Vorsichtsmaßnahmen waren nun wichtiger denn Je. Er trug auch den mit Eisenwurz präparierten Mantel, den er eigentlich nur unten bei den Feenwesen trug.

    Erstaunlich wenige Gäste kamen heute. Vermutlich schliefen einige noch den Rausch der letzten Feierlichkeit aus, doch ohne den zusätzlichen Küchenjungen, reichten die Hilfe des Kochs, des Zimmermädchens und Zustrans aus um das Geschäft am Laufen zu halten.

    Mit einem Tablett brachte er einem Gast die Kanne Tee und die verzierten Glasgefäße nach draußen zu den niedrigen Sitzgelegenheiten vor dem Teehaus. Die Sonne stand schon tief und hüllte die Stadt in sattes Rot, so dass er wohl bald die Laternen außerhalb entzünden würde müssen. Sein Blick ging suchend über die Straße, als fürchtete er jederzeit einen Angriff.

    " Einmal arjisthanische Feige.... Und der Sanranthis-Aufguss mit Honig..." erklärte er und füllte die Becher der Gäste mit heissem Wasser.

  • Coralyne betrachtete missmutig den Spazierstock, auf den sie sich stützte. Der weiße Kopf eines Einhorns war kunstfertig herausgearbeitet und krönte das gedrehte weiße Gebilde, das einem Horn nachempfunden war. Hübsch, ohne Zweifel. Aber die Schönheit des Stocks änderte nichts daran, dass er nur dazu diente, den Huf zu kaschieren, der ihren Gang unregelmäßig machte.


    Nun ... es war nicht zu ändern.


    Die Zuckerbäckerin seufzte und ließ wehmütig den Blick über die hübsch gekleideten Frauen gleiten, die über ihr durch die Gassen von Sorieska flanierten. Einst war sie eine von ihnen gewesen … jetzt war sie bestenfalls eine exzentrische Dame, deren zu langer Rock den Straßenstaub aufsammelte.


    Coralyne ließ nicht oft zu, dass sie in Melancholie verfiel, doch an Abenden wie diesem, wenn die Luft lau war und sie an die Vergangenheit in ihrer Heimat erinnerte, konnte sie nicht verhindern, dass die Wehmut sie überfiel. Doch sie bereute nichts … niemals.


    Für einen Moment presste sie die Lippen zusammen, dann atmete sie tief die Abendluft von Sorieska ein und gestattete, dass das Treiben in der Unterstadt sie von ihren trüben Gedanken erlöste. Coralyne hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, an den Abenden ihre neue Heimat zu erkunden, und so tat sie es auch heute, nachdem sie die Zuckerbäckerei geschlossen hatte.


    Coralyne blinzelte in die rötliche Abendsonne und besah sich die Geschäfte, die sich vor ihr ausbreiteten. Sie kam selten so weit hinab zum Hafen, dass sie die Schiffe sehen konnte. Selbst um diese Stunde war die Stadt hier noch lebendig. Die meisten Geschäfte wirkten heruntergekommener als in der Nähe des Marktes … bis … auf das exotisch anmutende Gebäude, das farbig aus den anderen herausstach wie ein funkelndes Juwel, das zwischen die Häuser des Hafens gefallen war.


    Coralyne kniff die Augen zusammen und musterte es für eine Weile mit schiefgelegtem Kopf. Ein Teehaus aus Samanhar? Welche Arten von Gebäck mochte man an einem solchen Ort wohl reichen? Neugierig trat sie darauf zu und ihr Schuhwerk hallte laut über das Pflaster, während sie darauf zuschritt. Zumindest würde niemand sie jemals mit einem Dieb verwechseln.


    Die Zuckerbäckerin lächelte versonnen und besah sich ein wenig ratlos die ungewohnt niedrigen Sitzgelegenheiten. Kaum dafür geschaffen, Damen mit langen Röcken zu beherbergen.

  • Coralynes Schatten reichte weit bis an die Stühle des Teehauses heran. Es war ungewöhnlich, dass in dieser Straße jemand stehen blieb und das erweckte als Erstes seine Aufmerksamkeit. Normalerweise spazierten die Stadtbewohner oder Reisenden direkt in einen Laden oder gingen zielstrebig weiter, kaum einer verharrte hier und sah sich um. Außer... Es handelte sich um einen potentiellen - aber zögerlichen- Kunden, den man sich erst noch einfangen musste.

    Mit einem freundlichen Lächeln einem knappen Kopfnicken in Richtung der bereits sitzenden Kundschaft, klemmte er sich das verzierte Tablett unter den Arm und sah sich wieder nach der Person um, die dort nicht unweit seines Teehauses stand.

    Schritte in seine Richtung.. ein Gutes Zeichen, das ihn fröhlicher stimmte. Die tief stehende Sonne ließ noch nicht allzuviel erahnen, dennoch erblühte das Lächeln eines freundlichen Geschäftsmannes auf seinem Gesicht. Ein Gehstock, die Figur einer Frau...

    " Darf ich Euch auf einen Tee einladen, Me`Dam?" machte er ein unverfängliches Angebot in die Richtung der Frau. Eine leichte Verbeugung. Eine einladende Handbewegung ins Innere des Teehauses. Noch ein Schritt näher an die Fremde heran, die noch ein wenig unschlüssig schien.

    "Lieber ein Glas Wein?" wog er lächelnd ab und eine Augenbraue wanderte verschmitzt nach oben, als sich ein spitzbübisches Lächeln auf seine Züge schlich. Der Geschäftsmann siegte über seine Bedenken, dass er nicht solange hier draußen sein wollte, nicht nachdem was letzte Nacht passiert war. Das Geschäft war heute so dürftig, dass man sich seine Kundschaft sichern musste.

    " Ich habe gerade Heute eine Kiste süßen Rotwein aus meiner Heimat bekommen. Er soll hervorragend sein. Ich habe ihn selbst noch nicht probiert. Aber mein Händler wirbt mit einer leichten Süßholz-Note... Der geht natürlich auf mich?"

    "Können wir nocheinmal etwas von den Kleinen... Runden... mit..." warf der Mann im Fortgeschrittenem Alter ein, den er soeben bedient hatte und formte die Finger um die Größe der Süßware anzudeuten, die sie beim letzten Besuch probiert hatten.

    Entschuldigend lächelte er kurz Coralyn an, bevor er der Kundschaft zunickte. " Die mit den kandierten Mandarinenstückchen und den Pistazien?" erkundigte sich Siral und erntete ein freudiges:

    " Ja! Genau die! " von der betuchten Kundin, die sich nun wie ein kleines Kind zu freuen schien und erwartungsvoll die Hände zusammengenommen hatte

    " Sehr gern Me`Dam, Me`Syr." und damit schien er sich endlich vollends der Dame vor sich wittmen zu können.

    " Wir haben im Inneren auch Mobiliar, dass nicht so niedrig ist.." schlug er Coralyn vor in der Hoffnung sie so zu ködern. Er hatte tatsächlich in den ersten Wochen festgestellt, dass Damen hierzulande ungern auf den niedrigen bequemen Polstermöbeln saßen. Entweder weil es sich nicht ziemte, oder kompliziert war, für die Damen die Reifröcke und komplizierte Gewandungen trugen.

  • Während Coralyne noch darüber grübelte, wie im Namen der Lichtherrin sie sich setzen sollte, ohne ihre körperlichen Besonderheiten zu offenbaren, stand plötzlich ein Mann vor ihr, der seinem Äußeren nach eindeutig aus Samhanhar stammen musste. Ein glücklicher Umstand, der sich sogleich auf ihre Stimmung auswirkte - versprach dies doch, dass in diesem Teehaus wahrhaftige Speisen aus dem Wüstenreich angeboten wurden. Und tatsächlich ... sie konnte es riechen. Aromen. Fremde Gewürze. Der Duft des Tees ... Coralyne nahm sie in sich auf und ein Lächeln erblühte auf ihren Lippen.


    Überrascht lauschte sie der Rede, die auf sie einströmte und ihre Augen leuchteten erfreut auf, als mehr Gebäck gefordert wurde. Mandarinen? Pistazien? Sie spitzte die Ohren und sah sich interessiert um. Die Atmosphäre wirkte belebend und vertrieb die düsteren Gedanken, die sie noch vor wenigen Augenblicken beherrscht hatten.


    Ihr Gegenüber war aufmerksam genug, um ihr Dilemma zu bemerken und so charmant, wie sie es von einem Samharen erwartete. Letztlich wusste sie selbst nur zu gut, dass Charme kein Fehler war, wenn man ein Geschäft besaß. Die Qualität der Ware mochte bedeutend sein - aber wenn man sich nicht darauf verstand, sie gebührend anzupreisen, nutzte dies wenig.


    Coralyne beugte sich über ihren Stock nach vorn und ihr Lächeln wurde verschmitzt. „Um ehrlich zu sein, bin ich gekommen, um Eure Geheimnisse auszuspionieren, Me‘Syr“, sagte sie verschwörerisch. Die Zuckerbäckerin schmunzelte und ihr Blick suchte ganz offensichtlich nach den Süßigkeiten, die hier zum Tee gereicht wurden. „Aber während ich das tue, koste ich gerne von Eurem Wein oder was immer Ihr am liebsten zu Eurem Gebäck reicht. Und wenn ich dies auf einer höheren Sitzgelegenheit dürfte, wäre ich Euch sehr dankbar.“


    Sie wies mit erhobenen Brauen auf ihren Rock und das Korsett, das ihre Bewegungsfreiheit einschränkte.

  • Die Frau war doch jünger, als es auf Siral es zunächst den Anschein gemacht hatte. Der ungleichmäßige Gang und der Stock als Hilfsmittel, hatten ihn dabei in dem Glauben gelassen, er hätte eine ältere Dame vor sich. Nun, da aber die niedrige Sonne sein Augenlicht nicht mehr trübte, erkannte er ,dass die Kundin kaum älter als er selbst sein konnte.

    Und sie schien tatsächlich gewillt auf sein Angebot einzugehen. Unaufdringlich musterte er sein Gegenüber und ließ der Dame dann den Vortritt indem er zwischen zwei Tische auswich.


    Der Samhare hatte kaum Zeit sich über diesen kleinen Erfolg zu freuen, denn ihre nächsten Worte, sorgten dafür, dass sein Herz einen Schlag aussetzte. Oder mehrere. Seine Geheimnisse auszuspionieren? Einen Sekundenbruchteil vergaß er der Frau zu folgen, oder sie gar auf dem Weg ins Innere zu überholen um die Wüstenhündin aus der Tür zu scheuchen, die Sorgenvoll ihrem Herren hinterherblickte. Wieder krochen die ganzen Befürchtungen der Nacht, an die Oberfläche. Wollte sich jemand zu nutze machen, was er letzte Nacht gesehen hatte? Gabs nicht viele Hexer in Sorieska? Was war schon dabei? Abgesehen, davon dass er hier Wetten veranstaltete, bei denen man ihm vorwerfen konnte, er würde sie manipulieren? Oder hatte diese Frau mit Nostra zu tun? Siral schluckte, bevor er sich doch zögerlich in Bewegung setzte.


    "N-natürlich. Me`Dam.. Folgt mir bitte..." bemüht gefasst und mit einem aufgesetzten Lächeln, überholte er die rätselhafte Frau, die gerade neugierig jedes Detail seines Teehauses in Augenschein zu nehmen schien.

    "Tivra." eine deutende Handbewegung sollte die Wüstenhündin zurück in den Flur schicken, den sie eigentlich bewachen sollte. Gehorsam folgte das abgerichtete Tier dieser Geste und setzte sich aufmerksam auf den roten Teppich um aber weiterhin den Gastraum im Auge zu behalten.

    Siral führte die Frau an der Auslage, mit den ausgestellten Süßigkeiten vorbei., dass ihr Blick länger an eben dieser Auslage haftete ließ das Dschinnblut ein wenig stutzig, langsamer werden und schließlich inne halten. War das gespieltes Interesse? Das Funkeln in ihren Augen wirkte aber echt.

    Langsam zog er ein Teeglas aus dem Regal, während er die Frau musterte und einzuschätzen versuchte. Sie wirkte jetzt nicht wie jemanden den man sonst anheuerte um Erpressungen oder Drohungen auszusprechen. Ins Innere des Hauses hatte sie es auch geschafft, ohne eine nennenswerte Regung zu zeigen. Eine Fee hätte ja wohl irgendwie auf die Eisenbeschläge oder den Geruch des überall ausgelegten Eisenwurz reagiert.

    Vielleicht reagierte er über? Paranoid bist du geworden... Aber nach der letzten Nacht auch kein Wunder...


    " Me`Dam.." bot er seiner Kundin einen Platz in der Nähe der Theke an, indem er ihr den Stuhl zurecht rückte. Hier auf der höheren Ebene, die einen guten Überblick über das Teehaus bot und dann mit einem Aufgang nach oben in die Räume führte, die er als Gästezimmer anbot, endete. Siral hatte eine Reihe der dunklen Holztische und ornamentierten Stühle aus dem alten Leben dieses Hauses wieder aufstellen lassen, nachdem sich viele weibliche Gäste geweigert hatten auf den niedrigen Möbelstücken platz zu nehmen. Lediglich etwas Politur und weiche samanharitsche Kissen, sorgten für neuen Glanz.


    Der Hausherr erinnerte sich an die Worte der Frau und wollte sich auf das einzige Stützen, dass nicht so furchterregend war, wie ein Intrigenspiel. Ihre Formulierung von zuvor, deutete doch an, dass sie das Gebäck eher interessierte, als das was er dazu zu trinken reichte. Noch dazu dieser Blick auf die Auslage. Der Mann bemühte sich seinen eigenen Herzschlag etwas zu drosseln.

    "Nennt mich doch Siral.. So wie jeder hier..." warf er schnell ein lächelnd ein und seine Stimme nahm wieder Festigkeit an. Er stellte das Gefäß auf dem Tisch ab und zog eine verzinnte Kanne mit dampfendem Wasser von dem arjisthanischen Kachelofen um auch diese geschäftig abzustellen.

    " Wenn ihr mein Gebäck kosten wollt.. so empfehle ich Euch diesen Tee." begann er wieder selbstbewusster zu erzählen und schöpfte etwas von der milden Minze und dem herberen Kraut aus einem Behältnis in das feine Sieb, dass er auf dem Glas platzierte.

    " Das herbe Aroma eröffnet euch die feinen Nuancen der verschiedenen Zutaten." Mit einer geschmeidigen Armbewegung zog er ein Tablett von der Auslage auf dem verschiedenste Kandierte Köstlichkeiten, mundgerechte Gebäckstücke und verschiedenste Süßwaren kunstvoll aufgestapelt waren um es seinem Gast zu präsentieren, schließlich auf ihrem Tisch zu platzieren und den Tee aufzugießen.

  • Coralyne ließ sich auf einem der weich gepolsterten Stühle nieder und lehnte ihren Spazierstock an einen anderen, während ihr Blick über das Teehaus wanderte und interessiert all die kleinen Details aufnahm, die seine Gäste in eine andere Welt entführten. Es war tatsächlich ein Ort, wie sie ihn in Celais niemals gefunden hatte, und diese Tatsache ließ ihr Herz höher schlagen.


    War Siral der Besitzer? Sein Auftreten ließ es vermuten. Ihr Gegenüber wirkte jung. Aber Coralyne wusste nur zu gut, dass dies nichts bedeutete. Sie musterte den Mann aus Samanhar ein wenig genauer und bemerkte, dass er … über die Maßen … nervös wirkte? Überrascht hielt sie inne und ihre Hände glitten mechanisch an ihrem Kleid hinab.


    »Me’Syr? Ist irgendetwas nicht in Ordnung?«, fragte sie, während sie ihren Rock richtete. Hatte er etwas bemerkt? Ein skeptischer Blick auf den Saum offenbarte nichts und Coralyne zog die Stirn in Falten. Was immer ihn beunruhigte, wurzelte zumindest nicht in ihrer körperlichen Beschaffenheit. Oder hatte sie sich auf andere Weise verraten?


    Verflucht sei dein miserabler Sinn für Humor, König der Feen, dachte sie mit einem innerlichen Seufzen. Vielleicht sollte sie ihre Zuckerbäckerei nicht mehr verlassen … eingepfercht hinter ihrem Verkaufstresen, war es unwahrscheinlich dass jemand ihre Geheimnisse entdeckte.


    Schließlich richtete sie sich gerader auf und ihre Finger trommelten auf den Tisch, die Süßspeisen für den Augenblick vergessen, wenngleich sie verführerisch wirkten. Besser, sie lenkte den Samharen ab, bevor ihm auffallen konnte, was sie nicht zu offenbaren wünschte. Ohne Zweifel würde ein Huf nicht dazu beitragen, ihn ruhiger werden zu lassen.


    »Vielleicht sollte ich mich vorstellen, bevor ich daran gehe, Eure Geheimnisse zu enträtseln.« Sie lächelte entwaffnend. »Ich bin Coralyne A…« Sie stockte und räusperte sich. »Coralyne«, setzte sie ihre Rede dann entschlossener fort. Nein, sie würde den Namen ihrer Familie nicht länger tragen. Sie hatte sich nur noch nicht daran gewöhnt, eine Namenlose zu sein - und es stand nicht zu erwarten, dass eine Eheschließung jemals geschehen und etwas daran ändern würde. Besser, sie fand sich damit ab. »Ich bin die Besitzerin einer Zuckerbäckerei«, fuhr sie fort, »und ich fürchte, die Aussicht darauf, Speisen aus Eurer Heimat kennenzulernen, war so verführerisch, dass ich keine Wahl hatte, als Euer Teehaus zu betreten.«

  • Zwei Seelen die um ihr Geheimnis fürchteten, obgleich sich keiner der beiden Geschäftsführer vor dem anderen verraten hatte. Nur für einen Augenaufschlag hatten sich ihrer beider Blicke getroffen. Dabei bemüht sich nichts anmerken zu lassen, goss Siral das heisse Wasser in das Behältnis und stellte die Kanne mit einstudierten Bewegungen zur Seite.

    Jemand der sich dem anderen in Überlegenheit wusste , sei es durch eine Drohung oder Erpressung, strich sich doch nicht so unsicher über die Kleidung oder? Er beobachtete gern seine Kundschaft und unter anderen Umständen fiel es ihm nie Schwer dabei losgelöst und unbeschwert zu sein, doch jetzt fühlte er sich gerade wie ein emotionales Wrack.

    Ein wenig zu spät schüttelte er den Kopf.

    „Nein, Me‘Dam.“ es klang nicht einmal halb so überzeugt wie er beabsichtigt hatte und auch eher wie eine Frage. Unwohl rieb er sich über den goldbestickten Ärmelsaum seines sandfarbenen Mantels, der um die Hüfte mit einem breiten Gürtel zusammengehalten wurde.


    Doch ihre Anfänglichen Worte kündeten an, ihre wirklichen Absichten zu offenbaren. Und selbst wenn sie eine Erpressung aussprechen würde, käme er damit wohl besser zurecht, als mit dieser Unsicherheit, die sich in seinem Inneren festgesetzt hatte.

    Wieder sprach sie von Geheimnissen, schien sich aber zuerst vorstellen zu wollen. Der Samhare, wechselte von einem Bein aufs andere und achtete auf jede ihrer Bewegungen, für den Fall dass nun doch eine ungute Überraschung kommen sollte.

    Nungut. Ein Vorname... Kein Nachname...

    Doch dann kam die alles entscheidene Aussage. Eine Offenbarung die ihm ein leises erleichtertes Ausatmen entlockte, schien er sich die ganze Zeit doch umsonst Sorgen gemacht zu haben, wenn dem so war wie sie behauptete.

    "Eine Zuckerbäckerin?" fragte er überrascht nach und zog sich selbst einen Hocker von der Theke näher heran um sich langsam in angemessenem Abstand darauf nieder zu lassen.

    Seine Aufmerksamkeit war jetzt voll und ganz bei ihr, wenn auch nichtmehr, weil er befürchtete sie könnte ihm jederzeit einen Dolch in die Seite rammen und eine Warnung ausprechen, sondern aus Neugierde. Seine Anspannung lockerte sich dabei merklich, als sein Blick ihrem zu dem Tablett folgte.

    "Na.. wenn das schon alles gewesen sein soll... Das hättet Ihr gleich sagen können, Me`Dam." ein gewinnbringendes Lächeln entblöste eine Reihe ebenmäßiger weisser Zähne. Er schien sichtlich gelöster, mit jedem Wort, dass er aussprach gewann er an Standfestigkeit zurück.

    " Eigentlich mache ich garnicht so ein Geheimnis daraus, dass man sich derart geheimnisvoll geben muss." lachte er kurz auf und zog mit zwei Fingern die Platte über den Tisch, neben den Teebecher und machte Anstalten seinen Hocker ebenfalls näher an den Tisch zu ziehen, das war in Samanhar normalerweise nichteinmal der Frage wert. Es gehörte in der Regel zum Guten Ton, dass sich der Hausherr einmal mit dazu setzte. Doch er war hier in Sorieska und nicht in seiner Heimat. Die Dame ihm gegenüber fasste das vielleicht falsch auf. Soviele Tücken in einem fremden Land...

    " Darf ich?" erkundigte er sich höflich mit einer Handbewegung auf den Freien Platz um seinem Hocker näher an den Tisch ziehen zu dürfen, damit er ihr die verschiedenen Gebäckstücke erklären konnte.

    " Zustran? Acht von den Mandarine-Pistazien-Zrishak für die Herrschaft draußen, bitte." erklärte er dem schnell vorbeieilenden Samharen der gerade dem Zimmermädchen Lareann zur Hand gegangen war, denn seine Aufgabe war das eigentlich nicht, die Wäsche durch den Schankraum zu tragen. Doch solang eine Arbeitskraft fehlte, musste jeder überall mit anpacken.

  • Coralyne legte den Kopf schief und betrachtete Siral verblüfft. Der Samhare wirkte, als wäre eine Last von seinen Schultern gefallen. Oder als hätte sich eine mordlüsterne Raubkatze als kleines Schmusekätzchen entpuppt. Inzwischen bezweifelte sie, dass seine Unruhe auf ihr Geheimnis zurückzuführen war. Die Annahme, dass er selbst etwas verbarg, lag deutlich näher - doch es war nicht an ihr, in seiner Schmutzwäsche zu wühlen. Sie hatte genug damit zu tun, ihre eigene vor den Augen der Welt sauber zu halten.


    Die Zuckerbäckerin nahm den Tee in Augenschein und ließ den aromatischen Dampf auf sich wirken, während ihr Gastgeber sich einen Hocker heranzog, um sich zu ihr zu setzen. Dann zögerte er leicht verunsichert - vermutlich nicht völlig mit den Sitten dieses Landes vertraut. Nun, nicht, dass sie selbst eine bessere Figur dabei abgab.


    »Aber gewiss«, stimmte Coralyne seiner Frage zu, sich setzen zu dürfen. »Dies ist Euer Territorium und ich habe es betreten. Also passe ich mich Euren Gebräuchen an.«


    Anders als ihre Landsleute war Coralyne keineswegs der Auffassung, dass sich alle Welt ihren Gewohnheiten zu beugen hatte. Tatsächlich war es eine Haltung, die sie in ihren Jahren in Celais zu verachten gelernt hatte. Niemand auf ganz Atharys war von sich selbst eingenommener als ein hochgeborener Celaier. Nun … nicht, dass die Landbevölkerung viel besser war. Selbst die Celaier Kartoffeln waren das großartigste Gut, das je den Boden dieser Welt mit seiner Anwesenheit beehrt hatte.


    Die Zuckerbäckerin lächelte schief, als sie die Erklärung des Samharen vernahm.


    »Dann seid Ihr erstaunlich offen, Me’Syr. In meinem Heimatland vertraut niemand einem anderen seine Geheimnisse an.« Jeder Celaier würde eher vom Glockenturm der Kathedrale springen, als einem potenziellen Konkurrenten auch nur ein überflüssiges Wort zu verraten. Und sei es nur ein schlichtes Rezept für Sandkuchen. Wer konnte schon sagen, ob sich nicht eine Zutat darin befand, die ihn weit über den eines Konkurrenten erhob. Selbst wenn dieser nur eine Mutter war, die den Himmelstagskuchen für ihre Familie zusammen mischte.


    Interessiert betrachtete Coralyne die Leckereien, die Siral vor ihr aufgereiht hatte und nahm dann einen kleinen Kuchen auf, der offensichtlich mit Nüssen zubereitet war.

  • Auf Coralynes Zustimmung hin, zog er sich den Hocker näher heran und nahm darauf Platz.

    "Mit den vielen verschiedenen Gebräuchen hier in Sorieska, kann man bisweilen einen Gast beleidigen ohne es überhaupt zu bemerken..." erklärte er sein Zögern. Nur kurz fing der vorbeieilende Diener seine Aufmerksamkeit ein, der den Gästen vor dem Teehaus das georderte Gebäck brachte. Doch seine volle Aufmerksamkeit lag bei der Dame vor sich.


    Der Samhare wirkte erheitert, denn eigentlich hatten diese Rezepte rein garnichts mit einem Geheimnis gemein. Sie waren in Samanhar allgemein bekannt, er hatte sie lediglich über Jahre hinweg zusammengetragen. Jede Familie besaß eines oder mehrere. Von Gebiet zu Gebiet verschieden.. Je nach verfügbarkeit der Zutaten, änderte schnell nur ein Zusatz das ganze Gericht.


    Als Coralyne auf ihre Heimat zu sprechen kam wanderte eine Augenbraue nach oben. Erst als er sich auf ihren gesprochenen Wortklang konzentrierte, fiel ihm wirklich auf, dass diese Frau eine viel weichere Art zu Sprechen besaß, als viele andere, die hier in sein Teehaus kamen. Viele Akzente und Sprachen, die er noch immer nicht alle sorecht zuordnen konnte. Kulturen und Modische Eigenheiten vermischten sich hier in Sorieska. Erst als sein Blick wieder auf den Stab fiel, der an dem anderen Stuhl lehnte, kam ihm eine Vermutung. Ein Volk, dass seine Handwerkskünste geheim hielt? Ein kunstvolles Einhorn aus Glas....

    " Ihr stammt aus Celais!" mutmaßte er mit einer ruckartigen Handbewegung, schien aber auch irgendwie stolz, dass er diese verschiedenen Hinweise verknüpfen konnte.

    " Ich besitze eine äußerst Kunstvolle Teekanne aus diesem Land." erklärte er und beugte sich nun mit durchgedrücktem Rückgrat vor um die Leckerrei zu erklären, die sich die Frau als erstes Auserwählt hatte.

    " Es enthält kein Mehl. Nur gemahlene Nüsse.. Das Püree einer süßen klebrigen Kaktusfrucht und getrocknete Blüten. Es ist vielleicht nicht so weich, wie die Gebäckstücke die Ihr kennt, Me`Dam, aber der Geschmack ist fantastisch." begann er wie beiläufig zu erzählen und klopfte das Sieb auf dem Glas leicht ab, bevor er es entfernte um es auf einem Extra Tellerchen abzulegen, damit Coralyne den Tee nun kosten konnte.

    " Und um nochmal darauf zu kommen, dass ich meine Geheimnisse nicht hüten würde... Nun... Dazu müssten es wohl erst meine Geheimnisse sein. Ich habe lediglich alle Rezepte zusammengetragen und ein klein wenig an die Gegebenheiten hier anpassen müssen." schmunzelte er und schob mit der Zange ein helles Schmalzgebäck an den Rand des Tellers.

    " So ist dieses.. Nicht mit Kamelmilch angerührt und in Fett gebacken, Sondern mit Sahne und in Butter gewendet."

  • »Ihr seid überaus scharfsinnig«, erwiderte Coralyne mit einem Schmunzeln. »Ich stamme in der Tat aus Celais. Aber Ihr müsst Euch nicht sorgen - Ihr könnt mich nicht allzu schnell beleidigen. Tatsächlich sagt man mir nach, ich wäre aus der Art geschlagen.«


    Ihr Vater hatte noch blumigere Worte gefunden, um ihren Mangel an Manieren zu beschreiben. Aber Coralynes besaß genügend Anstand und hatte eine ausreichend gute Kinderstube genossen, um diese nicht zu wiederholen. Was mochte sie verraten haben? Ihr Akzent? Ihr Spazierstock? Oder die Wahl ihrer Worte. Nicht, dass es von Belang gewesen wäre. Coralyne verbarg ihre Abstammung nicht. Im Gegenteil - sollte ihr neu erlangter Ruhm nach Adrís gelangen, würde sie keine Anstrengung unternehmen, um es zu verhindern.


    Aufmerksam lauschte sie den Erklärungen des Samharen zu seinem Gebäck, dann nahm sie eine Bissen davon und ihre Brauen schnellten in die Höhe. »Das ist in der Tat exzellent«, lobte sie die Backkünste des Teehauses, bevor sie von dem Tee kostete, dessen Aroma ausgezeichnet zu dem Gebäck passte. »Kaktusfrucht, sagt Ihr? Ich muss gestehen, dass ich noch nicht davon gehört habe.«


    Coralyne lehnte sich zurück und wartete ab, während er das Schmalzgebäck präsentierte. »Aber seht Ihr, Me’Syr Siral - genau dies sind die Geheimnisse, die ein Celaier noch nicht einmal unter Androhung seines Todes preisgeben würde.« Sie seufzte. »Ich befürchte, das Volk meines Landes ist verschlossener, als Ihr es Euch vorstellen könnt. Allerdings …« Das Lächeln schlich sich wieder auf die Lippen der Zuckerbäckerin. »… bin ich Euch nicht böse, wenn Ihr Eure Zutaten so willig preisgebt. Seht, ich bin stets auf der Suche nach Neuem, um meine Kunden zufriedenzustellen. Und ich habe gelernt, dass die Kundschaft williger zurückkehrt, wenn man ihr mehr bieten kann als ein Konkurrent. Allerdings ziehe ich es vor, dieses Ziel durch Können zu erreichen. Nicht durch den Einsatz von Intrigen, wie es in Celais üblich ist.«


    Nun ... und eine Prise Feenmagie schadete ebenfalls nicht. Doch dies war tatsächlich ein Geheimnis, das Coralyne nicht zu teilen wünschte.


    Sie zwinkerte Siral zu und setzte abermals die Teetasse an ihre Lippen, um einen Schluck zu nehmen.

  • Der Gesichtsausdruck der Zuckerbäckerin war schon Lohn genug für seine Arbeit. Natürlich war es durchaus möglich, dass sie das spielte. Gerade, weil sie aus der gleichen Geschäftssparte kam. Aber Me`Dam Coralyne war bisher auch so ehrlich gewesen, zuzugeben spionieren zu wollen, dass er sich nicht sicher war, ob sie soetwas heucheln würde. Eine wahrlich schwer einzuschätzende Frau. Doch sie tat dies vermutlich nicht ohne Hintergedanken, ebenso wie er. Sein Koch war gut, was normale Speisen anbelangte, aber ihm fehlte eine gewisse Leidenschaft für dieses Gebiet und der Blick fürs Detail . Siral selbst hatte einfach nicht die Zeit sich stundenlang der Konditorei und dem Zuckerhandwerk zu wittmen.


    Der Samhare sah wieder von dem Präsentierteller auf und erkannte, dass die Frau ihn musterte. Seine Worte und Taten analysierte, so, dass auch er sich langsam wieder zurücklehnte. Das Dschinnblut verzog in leichter Ratlosligkeit den Mund.

    " Wisst ihr, Me`Dam Coralyne." begann er langsamer, fast ein wenig wehmütig und strich sich mit zwei Fingern über den Kinnbart und legte den Kopf leicht schief.

    Ihre Offenheit war doch überraschend und entlockte ihm ein verständnisvolles Schmunzeln. Diese Frau brannte für ihr Handwerk und war sich nicht zu schade vor den Kopf gestoßen zu werden. Er verstand was diese Frau antrieb. Sie wollte Annerkennung für ihr Können und war stolz darauf, was sie erreicht hatte oder würde und vor allem eins.

    " Ich weiss sehr zu schätzen, wenn jemand einen großen Ehrgeiz besitzt." Der Samhare legte seine Hand auf dem Tisch ab und strich nachdenklich mit den Fingerspitzen über die Maserung.

    " Und, dass Ihr auch dabei bereit gewesen wärt Risiken einzugehen, nämlich Solche, dass ihr genauso gut auf einen Mann hättet treffen können, der euch bei eurer Offenbarung sogleich wieder hinausgeworfen hätte?" Ein verschmitztes Lachen sollte der Frau versichern, dass er das definitiv nicht vorgehabt hätte.


    " Ich würde euch gerne etwas .. hmm.. vorschlagen. " das Dschinnblut nahm beide Hände zusammen und drehte an einem goldenen Ring an seinem Zeigefinger. "Ihr seid Zuckerbäckerin.. demnach könnt Ihr Euch einer Ausbildung rühmen, die Ich nicht besitze - Aaber!" Siral hielt inne und wollte dieses Angebot gesondert würdigen indem er eine theatralische Pause setzte.

    " Ich bin bereit euch in mein Konvolut an Geheimnissen einzuweihen... Vorausgesetzt! Ihr helft mir bei dem ein oder anderen Problem, dass ich mit ein paar Rezepten habe und unterstützt mich in kleinem Rahmen.. Entgeldlich natürlich.

    Versteht mich nicht falsch. Mein Koch ist ausgezeichnet, doch es fehlt ihm an..." seine Hand wedelte unschlüssig in der Luft herum bevor er die passenden Worte fand. " Einem gewissen Feingefühl und Leidenschaft für die kleinen Einzelheiten... Und wer weiss.. vielleicht kommen wir dabei ja zu einer Übereinkunft in beidseitigem Interesse?"

  • Coralynes Augen weiteten sich und sie verschluckte sich an ihrem Tee, als Siral sein Angebot an sie herantrug. Hastig stellte sie ihren Tee ab, bevor sie der Husten schüttelte. Dann atmete sie tief ein und räusperte sich. Coralyne hatte gewiss alles erwartet - aber nicht, dass er ihr eine Zusammenarbeit antrug und dies in das Gewand einer Gegenleistung kleidete.


    »In der Tat, die Geschichten über die Geschäftstüchtigkeit Eures Volkes sind nicht übertrieben. Ihr verkauft Eure Geheimnisse offenbar nicht so bereitwillig, wie es den Anschein hatte, Me’Syr. Ich hoffe, sie werden es wert sein.«


    Coralynes Schmunzeln kehrte auf ihre Lippen zurück und sie schüttelte den Kopf, dann tippten ihre Finger nachdenklich auf die Tischplatte.


    »Ich will ehrlich zu Euch sein. Ich bin noch nicht lange in Sorieska. Ich bin den Intrigen meiner Heimat entflohen und habe meine Zuckerbäckerei in dieser Stadt neu eröffnet.« Ihre Augen blickten an einen fernen Punkt des Teehauses, ohne ihn zu sehen. Es war keine Lüge - bis auf die Tatsache, dass es keine Konkurrenten gewesen waren, die sie in die Flucht geschlagen hatten, sondern ihre eigene Familie. Nach einem Moment richtete sich ihr Blick wieder auf den Samharen. »Ich kann Euch helfen - allerdings werde ich vorher eine Hilfskraft einstellen müssen. Im Augenblick ist meine Zuckerbäckerei allein mein Reich und ich verrichte alle Arbeiten allein. Allerdings wird es Zeit, diesen Zustand zu ändern.«


    Und mit zusätzlichen Mitteln würde sie Personal einstellen können, das ihr zur Hand ging. Einen Lehrling vielleicht … wie Selayne … Coralyne seufzte, als sie an das Mädchen zurückdachte, das ihr in Adrís zur Hand gegangen war. Nicht, dass sie daran zweifelte, dass es ihr gut ging. Gewiss hatte ihr Vater dafür gesorgt, dass sie eine neue Anstellung in der Zuckerbäckerei Avélan fand und ihr Wissen teilte. Und Joslan würde mehr als erfreut gewesen sein, ein solch hübsches Ding wie Selayne an seiner Seite zu wissen. Coralyne verzog für einen Herzschlag das Gesicht zu einer Grimasse, ohne es zu bemerken. Sie waren abscheulich. Alle beide. Und oh, bei der Lichtherrin - sie würde vieles dafür geben, es ihnen heimzuzahlen. Mehr, als sie bislang gegeben hatte.

  • Erschrocken blickte Siral auf die hustende Coralyne. Hatte er nun doch irgendetwas Falsches gemacht? Schnell streckte er sich nach einem Serviertuch, die fein säuberlich auf einem Stapel hinter ihm lagen um sie noch einmal gefaltet neben die Tasse auf den Tisch zu legen.


    Jetzt tat sie ihm doch ein wenig unrecht. Sirals Lippen waren nurnoch ein dünner Strich, als sie ihm vorwarf, seine Geheimnisse verkaufen zu wollen.

    Er hörte ihrer Ausführung zu und sammelte seine Gedanken, um das Gespräch in eine wohlwollendere Richtung zu lenken. Zum Einen hatte er nie behauptet, seine Geheimnisse wären etwas Wert. Wert lag bekanntlich im Auge des Betrachters. Sie wollte fremde Rezepte und neue Zutaten? Die hatte er. Und zum Anderen, ging es hier nicht um den Verkauf... Es war ein Einstiegsangebot für eine weitere Zusammenarbeit. Aber das war hier wohl nicht so gebräuchlich.

    Doch sein Gegenüber schien ihre eigenen Worte garnicht so viel Gewicht beizumessen, denn sie lächelte wieder.


    " Ich bitte darum." nickte er entschlossen, als sie zugab ehrlich sein zu wollen. Dass sie ebenfalls noch nicht lange hier in Sorieska zu leben schien, bestätigte doch nur, dass eine Zusammenarbeit vielleicht für beide von Nutzen sein konnte. Er hatte nicht genug Zeit und Leute um sich um all das hier zu kümmern. Lernte vielleicht das Ein oder Andere von ihr. Im Gegenzug hatte er auch einiges zu bieten. Abgesehen davon, dass sie ihre Ware so auch noch durch das Teehaus an den Mann und die Frau brachte.


    Lagen da Bedenken in den satten braunen Augen? Er war sich nicht sicher... Aber alles in allem, klang dies doch vielmehr nach einem Ja, Als einem Nein. Auch wenn sie sich offensichtlich noch nicht festlegen wollte. Wer ließ sich auch gerne Ketten anlegen? Doch das hatte er ja garnicht beabsichtigt.

    " Me`Dam Coralyne. Ich verkaufe meine Geheimnisse nicht und ich will euch nicht in einen Knebelvertrag zwingen. Nichts liegt mir ferner. Ich glaube nur... " Seine Augenbrauen zogen sich grübelnd zusammen und er verschränkte die Arme vor der Brust.

    "Dass uns beiden. Mir und Euch eine Zusammenarbeit gleichermaßen helfen könnte."


    Siral biss sich kurz auf die Unterlippe bevor er sich wieder vorbeugte. Seine Miene wirkte nun geschäftiger und er schien verhandlungsbereit.

    " Ihr wollt neue Rezepte, andere Verarbeitungsmethoden und neue Zutaten. Ich kann euch das bieten. Auch langfristig, denn ich beziehe meine Ware direkt aus Arjisthan. Wir würden uns die Händlerabgaben teilen, wenn wir gemeinsam eine größere Menge abnehmen würden. Ich kenne mich aus mit der Qualität, eben dieser Gewürze und Früchte und habe einen soliden Händlerstamm."

    Zur Unterstützung nahm er die Finger dazu, an denen er die einzelnen Argumente abzählte.

    " Ihr hingegen, würdet euch vermutlich viel leichter tun, diese Dinge zuzubereiten und sie deutlich ansprechender anrichten, als das da." Unterstützend deutete er auf die Platte voller Leckerreien, die bei fachlicher Betrachtung wohl wirklich noch einen Feinschliff brauchen konnten.

    " Eure Erfahrung ist ein ebenso wertiges Gegenangebot. Ich würde entlastet und bekäme dafür Qualität. Ihr hättet jede Woche ein Mindestmaß an Einkommen, dasseEuch sicher ist, wenn Ihr mich beliefert. Es ist Werbung für Euch.. und für mich..."

    Und man sah ihm an, dass er mit jedem Einwand, dass er aufbrachte mehr überlegen musste, aber viele Dinge gegeneinander abwog. Aber der Teehausbesitzer hatte sich in Rage geredet.

    " Und außerdem... Ihr könnt nichts verlieren. Im Schlimmsten Fall sind meine Geheimnisse nichts wert, dann könnt ihr noch immer noch ablehnen und ohne Verlusste - Abgesehn von ein wenig Zeit- dafür aber mit einem Umfangreichen Wissen an Gewürzen und Früchten aus meiner Heimat- wieder gehen."

  • Coralyne fasste nach der Serviette und tupfte sich den Mund ab, während sich eine Vielzahl von Gefühlen auf dem Gesicht ihres Gegenübers abzeichneten. Zögerlich legte sie das Tuch gefaltet zurück, während sie zu ergründen versuchte, woran es liegen mochte. Schließlich verstand sie und ein »Oh« wollte über ihre Lippen kommen, das sie im letzten Moment zurückhielt.


    Ein Samhare … gewiss. Es war nur zu wahrscheinlich, dass er ihre Worte zu ernst nahm, weil er es nicht gewohnt war, eine Frau auf diese Weise sprechen zu hören. Coralynes wusste wenig über das ferne Land - das Gerede über Harems und verschleierte Frauen, die sich dem Willen ihres Gemahls zu beugen hatten. Es war nur zu gut möglich, dass er die verschleierte Art der Celaier falsch aufnahm und dass sie ihn verärgerte oder zumindest Missverständnisse hervorrief. Coralyne biss sich betroffen auf die Zunge. Es mochte angebracht sein, die Schleier fallen und stattdessen Direktheit walten zu lassen.


    »Me’Syr Siral«, begann sie und neigte sich über den Tisch nach vorn. »Ich bin mir sicher, dass ein solches Geschäft uns beiden zugute kommen würde. Und ich würde Euch niemals vorwerfen, mich in einen Vertrag zwingen zu wollen. Ich fürchte, ich bin mehr Celaierin, als ich zugeben möchte.« Coralyne lächelte. »Also bin ich Euch mit zu wenig Direktheit und allzu verschleierten Worten begegnet. Dies würde ich gern ändern.«


    Coralyne faltete die Hände auf dem Tisch und stieß den Atem aus. Sie wusste nur zu gut, dass sie das Angebot im Augenblick nur zu gut gebrauchen konnte. Nicht, dass ihr Geschäft schlecht laufen würde, im Gegenteil. Aber sie brauchte helfende Hände, wenn es wachsen sollte. Und hier bot sich eine Möglichkeit für sie, den Vorgang zu beschleunigen. Sie machte sich nichts vor. Der Anfang würde schwierig sein … aber durch das zusätzliche Einkommen …


    »Ich nehme an.«


    Ein schlichter Satz ohne Schnörkel und alles, was zu sagen blieb. Coralyne blickte auf und begegnete dem Blick des Samharen.

  • In Solche Dinge hatte ihn sein Vater viel zu wenig eingeweiht, oder er hatte vermutlich zu wenig Ehrgeiz gezeigt., wie er jetzt unheimlich bereute. Die Absichten der Frau vor ihm, zu lesen, fiel Siral unbeschreiblich schwer. Worauf wollte sie hinaus? Was wollte sie erreichen? Intrigen gab es bei den Samanhariten durchaus. Doch einfache Geschäftsabschlüsse, mit denen er nun mal häufiger zu tun hatte, bestanden lediglich aus Handeln. Offene Diskussionen, bei denen beide Seiten zufrieden oder auch gleichermaßen unzufrieden aus einer Verhandlung kamen.


    Die Frau kam ihm entgegen, als sie ebenfalls ihren Standpunkt klar machte. Vielleicht hatte er dieses Angebot unbedacht und voreilig unterbreitet... Er war schon immer Ungeduldig gewesen, wenn er eine Chance für ein gutes Geschäft gewittert hatte. Doch was sorgte dann dafür, dass Me`Dam Coralyne so nachdenklich und unentschlossen wirkte? Ein abwägendes und vorsichtiges Nicken wollte seine Bedenken zugeben. Ja, diese Frau hatte ein Talent dafür zugleich offen und direkt zu sein und gleichzeitig soviel vor ihrem Gegenüber zu verbergen.


    Abwartend, begegnete er ihrem Blick. Keine Miene verriet, welches Durcheinander gerade in seinem Kopf herrschte.

    Zuerst sprach sie davon, dass sie direkt sein wollte und doch schwang in ihrer Zusage ein leises "Aber" mit, dass sie nicht aussprach. Oder kam ihm das nur so vor? Jedenfalls ergänzte sie kein "Aber" .

    Der Teehausbesitzer schob dieses ganze Wirrwarr, dass seine Gedanken einnehmen wollte beiseite. Hatte er nicht genau das gewollt? Eine schlichte Zusage auf sein Angebot? Vielleicht lag es daran, dass sie noch keinerlei Rahmenbedingungen ausgearbeitet hatten, dass ihn das ein bisschen nervös machte. Nichts desto trotz, hatte er gerade eine Geschäftspartnerschaft geschlossen. Ein vielversprechendes Abkommen und erst jetzt traute sich langsam ein Schmunzeln hervor, dass zu einem aufrichtigen Lächeln heranwuchs. Der Mann wirkte zufrieden und stellte beide Beine fest auf den Boden um sich weiter aufzurichten.

    " Das werdet Ihr nicht bereuen, Me`Dam, Coralyne. ..Abgemacht." Siral streckte der Zuckerbäckerin die Hand entgegen. In seiner Heimat kam soetwas selten vor, dass eine Geschäftsbeziehung zwischen einem Mann und einer Frau beschlossen wurde. Was schlicht daran lag, dass es wenige Frauen in Arjisthan schaften sich gegen Männer in der Gesellschaft durchsetzten, doch Siral hatte dabei keinen Moment gezögert. Ihn kümmerte das nicht, solange es sich um einen guten und zuverlässigen Geschäftspartner handelte außerdem kam man hier in Sorieska vermutlich nicht weit, wenn man an solchen Dingen festhielt.

    Als nächstes würde er wohl mit etwas Geisitgem aufwarten um die Abmachung zu besiegeln.

  • "UUUND DAS DU MIR ES NICHT NOCHEINMAL WAGST HIER HERZUKOMMEN, DAMIT DAS KLAR IST, VERSCHWINDE JETZT BEVOR ICH DIE STADTWACHE RUFEN LASSE UND DEINE FREUNDIN NIMM AUCH MIT!!!!" Tuuli und seine Begleitung wurden etwas unsanft vom Ladenbesitzer aus der Tür gestoßen. Nur einem sehr genauen Beobachter mochte dabei auffallen, das er keinen der beiden wirklich berührte... Und auch der kurze entschuldigende Ausdruck auf dem Gesicht des Wirten, passte so gar nicht zu der lauten Stimme und dem gehabe. Auch wirkte der junge Mann der eindeutig dem Wandervolk zuordenbar war keineswegs eingeschüchtert, stattdessen zierte ein wissendes und verzeihendes Lächeln sein Gesicht, als er sich umdrehte und als wäre nichts gewesen von dem Wirtshaus davon Schritt. Lediglich für Nari tat es ihm Leid... Wäre die Sache hier anders gelaufen, dann hätte sie vielleicht in dem Laden sogar arbeit finden können... Schließlich kannte er den Wirten noch von seinem letzten Besuch in der Stadt und er mochte ihn... Auch wenn diese Scharade notwendig gewesen war, so tat es Tuuli Leid, das sie ihr gemütliches Zimmer hatten aufgeben müssen, aber natürlich verstand er Marik den Wirten nur zu gut und es war ja im Grunde seine Schuld gewesen... Er hätte sich einfach nicht auf das Kartenspiel einlassen dürfen... und spätestens als die Geldbeträge höher wurden, hätte er aufhören sollen... aber die Möglichkeit seinen Geldbeutel so einfach wieder ein wenig aufzufüllen war einfach zu verlockend gewesen....


    Er hatte einen ganz guten Gewinn gemacht, darüber konnte er eindeutig nicht meckern und es wäre sicherlich kein Problem eine neue Übernachtungsmöglichkeit zu finden, war es doch ein leichtes gewesen zu gewinnen wenn einem der Wind im Innenhof, dann und wann zuflüsterte, was die Gegner so auf der Hand hatten... Er hatte aber schließlich wohl einfach zu oft in Folge gewonnen... Ein besonders groß gebauter Herr, der offenbar den Tumult am Feentanzfest nicht ganz unbeschadet überstanden hatte, war schließlich aufgesprungen und hatte ihn des Betrugs beschuldigt. Nun ganz unrecht hatte er damit nicht, aber da er weder versteckte Karten noch sonst etwas hatte konnte man ihm keinen Betrug vorwerfen, weßhalb man ihm auch den Gewinn nicht abstreitig machen konnte. Als der Mann aber schließlich auch noch behauptete Tuuli hätte ihn bestohlen um die anderen Gäste auch noch gegen den Wandervölkler aufzubringen, bei denen es sich vorallem um hier lebende handelte, die nur zu bereitwillig glaubten was über sein Volk gesagt wurde... Nun wenn auch in diesem Fall nicht zutreffend, so lag man auch damit nicht selten falsch... Da war Marik, gar keine andere Wahl mehr geblieben, als ihn des Hauses zu verweisen um eine Schlägerei, die womöglich sein Möbiliar und vielleicht sogar andere Gäste mithineingezogen hätte zu vermeiden... Doch er hatte sich nicht nur dafür bei Tuuli entschuldigt bevor er sie hinausgeworfen hatte sondern, ihm sogar noch das vorrausbezahlte Geld inklusive der Vornacht als entschädigung zurückgegeben. Etwas, das Tuuli ob der Einnahmen am Kartentisch, gar nicht für notwendig empfunden hätte.


    Tuuli sah während sie weggingen entschuldigend zu Nari. "Ich fürchte ich hab mir da drinnen keine Freunde gemacht." Obwohl es durchauß hätte ernst werden können und es ihm tatsächlich Leid tat, wirkte er gut gelaunt und unbeschwert während sie die kleine Straße entlang gingen ihr Hab und gut über die Schulter geworfen. Offensichtlich war es nicht das erste mal das Tuuli aus einer Gaststube geworfen wurde und definitiv würde es nicht das letzte Mal sein.

    Wir sind Fremde

    Fremde wohin wir gehn

    Folg den Wagen

    Wohin die Winde weh’n

    Spielmann, sag uns

    Deine Geschichten auf

    Lang schon bist du

    Im fahrenden Volk zu Haus

  • Nari hob die Schultern. "Man kann sich nicht überall nur Freunde machen.", relativierte sie und hielt sich den kleinen Beutel enger vor die Brust, in dem sie die Marzipanfigur für den Moment aufbewahrte, bis sie herausgefunden hatte, wie genau sie ihr helfen würde. "Allerdings würde ich vorschlagen, das Karten spielen vorerst ruhen zu lassen.", fügte sie mit einem verschmitzten Lächeln hinzu. Seit sie diese Zuckerbäckerei verlassen hatten, fühlte sie sich besser. Natürlich war sie noch nicht am Ziel, doch sie spürte einfach, dass sie diesem einen großen Schritt näher gekommen war. Und irgendwie machte es das einfacher für sie.
    Ihre Augen wanderten die Straße entlang und suchten nach aushängeschildern, die eine Übernachtungsmöglichkeit versprachen. "Dann wollen wir mal sehen, wo es uns für die heutige Nacht hin verschlägt.", murmelte sie und wanderte eine Weile wortlos die Straßen entlang. Irgendwann fiel ihr einige Meter weiter ein Schild ins Auge. "Zum roten Schleier..?" Es schien sich um ein Teehaus zu handeln, doch ob diese auch Gästezimmer hätten, wusste Nari nicht recht einzuschätzen. Fragen konnte jedoch nicht schaden. Sie wandte sich zu Tuuli um. "Was denkst du, wollen wir mal hinein schauen, ob wir dort für ein paar Nächte unterkommen können?" Die Aufmachung und die bunten Fenster sahen irgendwie fremdartig aus und Nari wurde neugierig auf das Innenleben des Gebäudes. Sie näherten sich und als Nari eine Hälfte der Doppeltür aufdrückte, kam wehte ihr ein Gemisch aus verschiedenen Gerüchen entgegen von Süß zu Würzig, die sie hinein lockten. Sie warf einen versichernden Blick über die Schulter, um sicher zu gehen, dass Tuuli noch hinter ihr wäre und drückte dann etwas mehr, um durch die Tür zu treten.
    Sie sog die Eindrücke in sich auf, die bunten Stoffe, die Wasserpfeifen, das, duch das bunte Glas gedämpfte Licht.. und wunderte sich über die junge Frau, die zwischen den Tischen hindurch flitzte, eine Teekanne und vielleicht einige Tassen zuviel in den Armen. Ein Klirren machte deutlich, dass eine der Teetassen ihren Sturz nicht überlebt hatte und die Frau verzog das Gesicht angesichts der zusätzlichen Arbeit. In Naris Kopf drehten sich die Räder und sie warf einen weiteren Blick zu Tuuli, diesmal mit einem halb verborgenen Lächeln. Womöglich war es doch nicht so schlecht gewesen, dass sie zuvor hinaus geflogen waren. Es sah so aus, als könne man hier vielleicht ein zusätzliches Paar Hände gebrauchen, sofern der oder die Besitzer bereit waren, dieses zu bezahlen. Aber eins nach dem Anderen. Zunächst galt es zu klären, ob man hier auf ein Zimmer hoffen konnte. Dann fiel ihr Blick auf ein Gesicht, das ihr seit kurzem bekannt war. Sie tippte Tuuli an und wies unauffällig, wie sie hoffte, in die richtung der jungen Zuckerbäckerin. "Sieh mal, ich würde sagen, das ist ein Zeichen, dass wir hier richtig sind.", erklärte sie zwinkernd.

  • So nervös und zögerlich er zu Beginn gewirkt haben mochte - wenn es um den Abschluss eines Geschäfts ging, schien Siral so zielstrebig und seiner Sache sicher, dass es Coralyne in Erstaunen versetzte. Denn im Augenblick lag die Ungewissheit auf seiner Seite. Sie konnte das Teehaus sehen und sich ein Bild davon machen. Er jedoch hatte nicht die geringste Ahnung, ob sie es verdiente, die Bezeichnung »Zuckerbäckerin« zu tragen.


    »Wenn Ihr ein solches Vertrauen in mein Können besitzt, schenke auch ich Euch mein Vertrauen«, erwiderte Coralyne und ergriff die Hand des Teehaus- Besitzers. »Allerdings möchte ich Euch gern einladen, in meinen Laden zu kommen und zu kosten, ob meine Ware tatsächlich genießbar ist. Falls sie nicht Eurem Geschmack entspricht, entbinde ich Euch natürlich von diesem Geschäftsversprechen.«


    Die Zuckerbäckerin zwinkerte Siral zu. Es war keineswegs so, dass sie annahm, dass dies eintreffen würde. Sie besaß ein gesundes Selbstbewusstsein, wenn es ihre Zuckerbäckerei besaß. Nicht umsonst hatte ihr Vater ihren Laden niedergebrannt, als das Königshaus auf sie aufmerksam geworden war. Doch Siral konnte keineswegs wissen, wen er vor sich hatte und Coralyne würde es nicht erwähnen. Sie zog es vor, sich ihren Ruf neu zu erschaffen, wenngleich sie die Gerüchte um ihre Person durchaus zu nutzen wusste, wenn sie sich regten.


    Coralyne hatte die bekannten Gesichter im Teehaus noch nicht bemerkt. Ihre Aufmerksamkeit war auf Siral gerichtet. Es erstaunte sie, dass ein Samhare bereit war, sich auf ein Geschäft mit einer Frau einzulassen, war dies doch keineswegs das gewöhnliche Verhalten des Wüstenvolkes. Und es machte sie neugierig - Coralyne war stets darauf aus, Neues zu entdecken und hier hatte sie eine Gelegenheit gefunden.

  • Natürlich war das auch mit einem gewissen Risiko behaftet, dass wusste er. Doch es bestand eine große Chance, dass dies ein Erfolg werden konnte. Er brauchte Unterstützung und mehr namhafte Kunden. Eine Geschäftsbeziehung dieser Art konnte dazu beitragen. Und wenn nicht, konnte er noch immer sagen er hätte es versucht.


    " Ich habe da garkeine Bedenken, nehme aber gerne an." lächelte der Teehausbesitzer zuversichtlich und schüttelte mit entschlossener Geste die Hand der Zuckerbäckerin. Dann erhob er sich euphorisch und nahm zielsicher eines der Regale in Augenschein.

    " So lasst uns das noch.. mit einem guten Tropfen besiegeln. Dann gebe ich Euch einen ersten Einblick in meine Geheimnisse, Me`Dam Coralyne." Mit einer geschäftigen Bewegung zog er eine verkorkte Flasche aus dunklem Glas aus dem Regal.


    Noch während er sich der eingravierten Aufschrift besah, zuckte er bei dem Geräusch von berstendem Glas zusammen. Sein Blick wanderte durchs Teehaus und fand die arg zerstreute Lareann. Das junge Zimmermädchen schob nur mit dem Fuß, schnell die Scherben zusammen und balancierte dabei den Rest des Geschirrs auf den Armen.

    " Es tut mir leid, Me`Sir.. Ich... zahle euch die Tasse...Me`Syr." entschuldigte sie sich, während ihr Blick verzweifelt zu Siral huschte.

    " Dann arbeitest du und verdienst bald nichts mehr, Lareann." schmunzelte der Samhare und stellte langsam die Likörflasche auf dem Tisch Coralynes ab, als die nächste Tasse zu fallen drohte. " Stell`s ab. Ich räume es gleich weg." winkte er in ihre Richtung, von Verärgerung war bei dem Dschinnblut absolut keine Rede. Nichts könnte ihm gerade die Laune verderben. Viel wichtiger war, dass sich Jemand um die neue Kundschaft kümmerte und von Zustran war keine Spur. Er wollte seine neue Geschäftspartnerin nicht hier sitzen lassen, langsam goss er den Likör zwei kleine Kelche aus Buntglas und mit goldenen Verzierungen, sein Blick lag noch immer auf dem Zimmermädchen.

    "Entschuldigt, ich musste gestern meinen Küchenjungen wegen eines Missverständnisses erst einmal nach Hause schicken.." entschuldigte sich Siral bei Coralyne und überreichte ihr das Likörglas in offizieller Geste.

    Lareann ließ nun das Geschirr irgendwie auf dem Tisch ab und drehte sich dann die Hände an ihrer Schürze abwischend den beiden Kundschaften zu.

    Mehrere Strähnen des blonden lockigen Haares hatten sich aus ihrer Frisur gelöst und fielen ihr ins Gesicht.

    "Was kann ich für Euch tun, Me`Dam.. Me`Syr?" erkundigte sich das Zimmermädchen und deutete auf ein halbmondförmiges Sofa und den niedrigen Tisch dazu. Man sah ihr an, dass ihr Kellnern absolut nicht lag. "Einen Tee? Das Tagesgericht?"