Gasthaus zum weissen Hirschen

  • [Timeline: unmittelbar nach dem Fest]


    Der alte Seemann... war er das? Er hatte nach Salzwasser gerochen und nach Schweiß und etwas anderem... den Abbauprodukten von Alkohol, vielleicht hatte er sich auch schon krank gesoffen... Und woher verdammt wußte er das schon wieder...?


    Egal, nicht wieder den Faden verlieren.


    Er hieß Nevin und hatte gefragt ob er Pridbor sei.


    War das ein Hinweis? Kannte er ihn?


    Aber bei dem Namen klingelte nichts.


    Sollte es das denn?


    Irgendwie glaubte er daran... daß sich etwas bekanntes anders anfühlte als etwas unbekanntes. Aber das würde bedeuten, dass ihm all die Menschen heir, die ganze Stadt zur Gänze unbekannt waren, kein vertrautes Gefühl. Außer: auf der Brücke aus Eis. Und der Blick dieses Feenmannes. Was das bedeuten konnte wollte er sich gerade nicht ausmalen.


    Der Seemann... Nevin... hatte ihn in das nächstbeste Gasthaus gezerrt, zwei Starkbier und zwei Korn bestellt und war dann verschwunden, nachdem ein Matrose nach ihm gefragt hatte. Irgendetwas brannte wohl, zumindest stimmte etwas beim Löschen nicht. Egal. Nicht sein Problem.


    Leider hatte er nicht erklärt, woher er ihn zu kennen glaubte, und wer Pridbor sei.


    Aber wenigstens hatte er etwas zu trinken hinterlassen. Wenn auch deutlich zu viel und sein Magen sagte, dass Essen wohl vernünftiger wäre...


    Aber es verschaffte ihm Zeit nachzudenken: Über die Frau aus dem Wasser, und was auf dem Fest geschehen war.


    Er hatte den Kopf in die Hände gestützt und starrt nur auf die Gläser, die vor ihm standen.


    Der Seemann war nicht wieder gekommen, so saß er hier alleine. Damit alleine zu sein hatte er keine Probleme, es kümmerte ihn auch nicht weiter, dass der andere ihn hier hatte sitzen lassen. Andere Dinge beschäftigten ihn.


    Seine Finger tasteten durch seine kurz geschorenen Haare. Die meisten Männer trugen die Haare lang. War es einfach nur die Mode eines anderen Landes oder ein Hinweis auf seine Lebensumstände zuvor?


    Was war fremd und was bekannt?


    Die Frau mit den Fischschuppen und der kühlen Haut. Andersartigkeit war ihm nicht fremd.


    Die Dornen und die Brücke aus Eis... Die beiden Feenmänner, ihr Blick... auch das war nicht fremd.


    Der Seemann und der Name dagegen schon.


    Ein furchtbarer Verdacht keimte ihn ihm auf. Seine Hände krallten sich in seine Haare und glitten über die verbrannte Haut.


    Er kämpfte den Gedanken nieder. Eines der Gläschen mit Korn war dabei behilflich.


    Mit dem Bier konnte er nachspülen.


    Die Bedienung schien ihn zu ignorieren, kein Wunder, sah er mit seinen zusammengeklauten Klamotten ein wenig wie ein Landstreicher aus. Er nahm sich vor, sich neu einzukleiden, aber zuvor musste er noch einige Grundbedürfnisse stillen.


    Schließlich gelang es ihm doch, die Bedienung zu sich zu lotsen. Sie hatte zuvor am Nachbartisch eine Bestellung angenommen.


    "Bringen sie mir ein großes Stück Braten und dunkles Brot. Danke."


    Als die Bedienung noch zögerte legte er ein paar Münzen auf den Tisch.


    Nein, er war kein Landstreicher, ja, er konnte zahlen. Aber was er dann war... Die Frage blieb sehr groß im Raum stehen. Er spülte sie er schnell mit dem zweiten Korn runter.


    Einen Dank an den Seemann. Sollte er ihn wiedersehen musste er ihm einen ausgeben.

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

    Einmal editiert, zuletzt von Vajdan Jaromer ()

  • [Timeline: irgendwann nach der Bestellung bei der Schneiderin...]


    Um diese späte Zeit - oder sollte man besser sagen, früh? war noch immer erstaunlich viel Leben in der Gaststube.

    Vielleicht war der weisse Hirsch deshalb bei Seeleuten und Handwerkern so beliebt, weil es offenbar keine Sperrstunde gab - und wenn, wurde sie zumindest nicht durchgesetzt.

    Trotzdem gelang es Nevin erstaunlich schnell, einen Tisch zu erobern.

    "Du sagst, Bier un Korn gehen dieses Mal auf dich?"

    der Namenlose nickte nur und der Seemann bestellte.

    Dieser nahm nun wohl seinen ganzen Charm zusammen, flirtete mit der Bedienung, flüsterte ihr etwas zu, worauf sie rot wurde - der Namenlose überlegte was wohl eine Bedienung in einem Gasthaus nahe am Hafen noch rot werden ließ - aber was es auch war, sie bekamen die Getränke vor allen anderen.

    Als sie angestoßen hatten ergriff Nevin das Wort.

    "Also. Du hast mich sicher nicht gesucht, weil du dein Geld mit einem wie mir versaufen willst, oder? Hast du es dir überlegt, bist du doch Pridbor, oder kennst du ihn? Oder was ist es?"

    Der Namenlose ließ sich eine Weile Zeit mit der Antwort, er mußte sorgfältig abwägen was er preis gab. Aber das wesentliche zuerst:

    "Ich habe deine Adresse angegeben, für Rückfrage. Ich habe bei der Schneiderin Kleidung bestellt."

    "Beim Schneider? Du mußt ja echt Asche haben. Aber mir soll's recht sein. Ein paar Tage liegen wir noch am Hafen."

    "Außerdem suche ich Arbeit. Ich brauche Geld. Hast du eine Idee?"

    "Ja, das kann ich mir vorstellen... Lass mich überlegen... Kennst du dich denn mit Schiffen aus?"

    "Nein."

    "Dann nicht. Was kannst du denn?"

    "Ich bin ein guter Beobachter, ich lerne schnell, vor allem Sprachen. Ich denke auch, ich wäre ein guter Kämpfer... Ansonsten... Das wird sich zeigen."

    "Wird sich zeigen? Wie denn? Wann denn? Hast du nichts gelernt? Hast du keinen Beruf, wie... Zimmerer... Schmied... wobei, nein, das sicher nicht... eher... Naja, wie ein Kaufmann siehst du auch nicht aus, auch wenn du riechst als würdest du mit Gewürzen handeln. Aber vielleicht hast du recht, du siehst eher wie ein Soldat aus. Auf meinem Schiff kann ich dich jedenfalls nicht brauchen. Versuch es mal bei der Stadtwache... wobei, da brauchst du einen guten Leumund. Oder... Bist du etwa auf der Flucht?"

    ER musterte den Namenlosen als versuchte er sich nun einen Verbrecher vorzustellen. "Du hast mir noch nicht mal deinen Namen verraten... Oder hast du keinen?"

    Das war der Moment. Kein Zurück mehr...

    "Das weiß ich nicht."

    "Was weißt du nicht?"

    "Meinen Namen... ob ich vielleicht auf der Flucht bin... ob ich einen Beruf habe."

    "Warum nicht?"

    "Das wüßte ich auch gerne. Ich bin vor knapp zwei Tagen hier in der Stadt zu mir gekommen, in einer Seitengasse nahe am Hafen. Ich hab keinerlei Erinnerung an das was vorher war, wer ich bin, woher ich komme. Ich konnte mich nicht einmal an eine Sprache erinnern. Aber ich habe sie gelernt, in wenigen Stunden... "

    "Zwei Tage? Vor dem Fest, oder?"

    "Ja."

    Nevin wirkte ernsthaft erleichtert. "Dann waren es zumindest keine Feen. Das ist schon mal gut. Vielleicht hast du dich einfach besinnungslos gesoffen? Am Hafen sagst du?"

    "Ja, ich kann es dir zeigen... Gelbgießergasse... oder so."

    Nevin nickte, als würde er verstehen.

    "Nicht nötig. Und das mit deinem Gesicht?"

    "Ich erinnere mich nicht, aber als ich zu mir kam waren manche davon frischer..."

    "Vielleicht wurdest du ausgeraubt? Warst du bei der Wache?"

    "Das habe ich auch überlegt, aber, nein, was soll ich denen erzählen? 'Ich wurde ausgeraubt... also vielleicht... ich weiß nciht einmal was gestohlen wurde' sie hätten mich für verrückt gehalten."

    "Das stimmt auch wieder."

    Eine Weile herrschte Schweigen, sie tranken, dann ergriff der Namenlose das Wort.

    "Wer ist nun eigentlich Pridbor?"

    "Ja, Pridbor... ein Mann, den ich mal kannte, ein kluger Mann. Ein Freund. Und er sah dir ähnlich, wirklich, wie aus dem Gesicht geschnitten. Du könntest er sein... nur die Mimik, und diese Narben... das ist anders."

    "Du redest von ihm in der Vergangenheitsform..."

    "Ja, richtig... Ich denke, er ist tot. Ich hab schon viel zu lange nichts mehr von ihm gehört. Damals, als er verschwand war er so alt wie du jetzt. Das war vor... das muß jetztr fast 20 Jahre her sein... deshalb kannst du es nicht sein, das ist mir schon klar, aber dann dachte ich, vielleicht hatte dieser Mistkerl einen Sohn von dem er mir nie erzählt hat."

    Nevin sah seinen Gesprächspartner einen Moment so hoffnungsvoll an, dass dieser eine dass der Namenlose einen Entschluss faßte.

    "Nein... das heißt ich weiß es nicht. Ich erinnere mich an keinen Vater und auch nicht an den Namen. Manchmal kommen mir Dinge bekannt vor... Aber ich kann nicht verifizieren ob das Erinnerungen sind oder etwas anderes. Vielleicht kannte ich aber auch einfach meinen Vater nicht."

    "Deine Mutter... hm... Von einer Frau weiß ich nichts..."

    "Wie hätte dieser Pridbor seinen Sohn denn genannt?"

    "Woher soll ich das wissen? Über soetwas spricht man eher selten unter Männern... Wobei... er hat mir einmal von seinem Vater erzählt, der ihm sehr viel beigebracht hatte Vajdan war sein Name. Vielleicht hätte er seinen Sohn nach seinem Vater benannt? Vajdán Jaroměr, hilft dir das?"

    "Er kommt mir auch nicht bekannt vor, aber wenn du nichts dagegen hast verwende ich den Namen und schlüpfe in diese Rolle. Ich werde aber Hilfe dabei brauchen, sie auszufüllen."

    "Du bist also der unbekannte Sohn eines guten verloren geglaubten Freundes? Warum auch nicht. Das sind die Geschichten, die man gerne erzählt und hört. Gut. Ich helfe dir."

    Und der nun nicht mehr Namenlose lächelte. Ein Teil seines Plans war aufgegangen.

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    (Matthias Beltz)

  • Sie unterhielten sich noch einige weitere Stunden, bestellen Bier und Schnaps und gesalzene Nüsse und getrocknetes und frittiertes Gemüse mit Gewürzen. Das meiste davon kannte der Namenlose, der sich jetzt Vajdán nannte, nicht. Aber er lernte mit Begeisterung.

    Nevin hatte auch noch einen Beutel mit seltenem Tabak aus Samanhar bei sich und eine kleine Pfeife aus Meerschaum, und er zeigte Vajdán wie man den Tabak zerbröselte und eine Pfeife stopfte und anzündete. Es zeigte sich, dass der gar nicht so ungeschickt damit war und zumindest seine Lunge schien den Rauch gewöhnt zu sein, denn er sog den Qualm ein ohne größere Hustenanfälle.

    Und so erzählte Nevin von seiner letzten Reise nach Bagharam, und einer heissen Nacht die er dort mit einer Frau von Dschinnblut verbrachte hatte.

    Nevin war hoch erstaunt, dass sein Gesprächspartner nicht einmal wußte, welche Länder es gab, welche Städte und Völker, was Schinns waren, was Feen, Dämonen und Hexen.

    Wie konnte man so etwas nur vergessen? Als Seefahrer hatte er schon vieles gesehen und erlebt und konnte ihm zumindest ein paar Eindrücke vermitteln. Ein paar Geschichten udn Erlebnisse und Abenteuer. Nichts davon kam Vajdán jedoch bekannt vor.

    Nevin versuchte es daraufhin mit gemeinsamen Erinnerungen mit dem Freund von damals... Doch auch das brachte in Vajdán keine Saite zum klingen, so dass es der Seefahrer schließlich aufgab.

    Aber dennoch schienen die beiden Männer irgendwie einen Draht zueinander zu haben, sie tranken, rauchten und redeten und lachten bis die Sonne aufging. Nevin hatte es nicht eilig zurück auf's Schiff zu kommen, so verließen sie den Hirschen in den frühen Morgenstunden, betrunken jedoch nicht müde.

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  • [Timeline: 2 Tage nach dem Fest]


    Ihre Wegen trennten sich an diesem Abend, doch sie wollten bald wieder zusammen trinken und feiern, vielleicht dieses mal mit ein paar weiteren Kumpels, das wäre noch lustiger - so Nevins Meinung.

    Der Namenlose - nein nicht mehr - er überlegte noch, ob er diese Meinung teilte, während er vor dem Gasthaus stand und Nevin beobachtete, der langsam und torkelnden Schrittes in der Nacht verschwand. Nein, nicht mehr Nacht, es graut schon der Morgen.

    In der Hand hielt Vajdán die Meerschaumpfeife und einen kleinen Beutel mit Samanharischem Tabak und einem kleinen Gerät zum Stopfen der Pfeife. Die Pfeife war kunstvoll beschnitzt, Tiere, Fabelwesen wanden sich darauf umeinander, manche mit fast menschlichen Zügen, ihre Körper liefen jedoch in Knoten aus und waren in einem kunstvollen Muster ineinander verwoben, das allen anatomischen Möglichkeiten widersprach.

    Im Moment sah er das Muster jedoch weniger als er es ertastete, denn sein Blick verlor sich in der fernen der dunkeln Gasse, in der der Freund verschwunden war.

    Verwoben und verworren... das war es auch was die Gedanken beschrieb, die ihn umtrieben. Es war schwer einen herauszugreifen und bis zum Ende zu verfolgen, er war verknotete mit einem weiteren und es gelang ihm nicht die Knoten aufzulösen.

    Gedankenverloren öffneten seine Hände den Beutel und fischten das kleine Werkzeug heraus.

    Feiern mit Freunden bis zum Morgengrauen... vertraut oder nicht? Trinken, Würfelspiele und Karten... Vielleicht?

    'Und dann zeige ich dir wo du noch ganz andere Vergnügungen findest! Ich kenn ein Freudenhaus, die machen dort Sachen, das hast du noch nicht erlebt!' War eine der Versprechungen Nevins als er sich verabschiedete.

    Nein, erlebt nicht, zumindest erinnerte er sich nicht. Aber so unbedarft wie sein väterlicher Freund wohl dachte war er sicher auch nicht, nicht gewesen. Aber was war er damit für ein Mensch? Gasthäuser und Freudenhäuser und Feiern?

    Dass wohl irgendwo eine Familie auf ihn wartete, diesen Gedanken, den er kurz nach dem Aufwachen gehabt hatte, den hatte er in all der Zeit vollkommen vergessen gehabt. War ihm das also vollkommen fremd?

    Gedankenverloren stopfte er die Pfeife und steckte sie an. Er wußte jetzt wie es ging, und Nevin hatte sie ihm zum Geschenk gemacht. Als Andenken, wenn er wieder abreisen würde.

    Ein Freund seines Vaters? Zu gerne würde er genau das glauben. Doch es gab jedesmal Knoten, die verhinderten, dass er den Gedanken auflöste. Er sog an der Pfeife und bließ aromatischen Qualm aus, während er langsam und ganz und gar nicht trunken durch die Gasse schritt. Leise summte er dazu eine Melodie vor sich hin, eine merkwürdige, die so gar nicht in die Stadt zu passen schon. Er hatte sie zuvor in der Schneiderei gehört, und sie ging ihm nun nicht mehr aus dem Kopf.



    [...diese Zeitlinie des Namenlosen lass ich mal weitgehend hier enden.

    Nevin wird noch am Hafen vorbeikommen: Der Hafen ]

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    2 Mal editiert, zuletzt von Vajdan Jaromer ()

  • von hier.


    Sie hatten bereits die Strasse erreicht, in der der weisse Hirsch lag, nun noch noch ein paar hundert Schritt in diese Richtung und sie wären da.

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  • Vajdans Ton wurde während des Gesprächs wieder deutlich fordernder. Laflar bemerkte sofort, dass ihm ihre Antworten nicht reichten, aber sie vertraute ihm nach wie vor nicht genug, um zu viel von sich preiszugeben. Sie ließ ihn seinen Monolog beenden, an dessen Ende er sich dann doch dafür entschuldigte, dass er wieder etwas über die Stränge geschlagen und begonnen hatte, sie wie in einem Verhör auszufragen. Laflar konnte verstehen, dass die Antworten, die sie gab, nicht zufriedenstellend waren, wenn man jemanden kennenlernen wollte und sie wünschte sich innerlich, einfach offen zu jemandem sprechen zu können, denn Spaß bereitete es ihr nicht, sich dauernd zu verstecken, sich so zu verhalten, als existiere man nicht wirklich. Zum ersten Mal ließ sie einen Blick auf das, was in ihr vorging zu, indem ihr ein Seufzer entfloh. "Vajdan.", begann sie, nach ein paar Minuten des Schweigens, in denen sie überlegt hatte, was sie ihm nun antworten könnte. "Ich kann Euch so viel sagen: Ich bin nicht in Gefahr, solange ich nicht zu viel über mich preisgebe. Wissen in den falschen Händen, das könnte mich gefährden." Sie machte eine kurze Pause und sah den blonden Mann dann direkt an. "Ich bin hier, weil ich etwas über mich selbst herausfinden will. Über einen Teil von mir, den ich bisher nicht kannte. Ich habe keine Verwandten mehr, nirgendwo, mein Onkel, der mich großgezogen hat ist vor ein paar Monaten gestorben und sein Haus wurde verpfändet, weil er in Schulden unterging. Deswegen habe ich auch keinen Wohnort mehr." Sie versuchte nun zumindest ihm die Fragen zu beantworten, die sie für ungefährlich hielt, so dass Vajdan sich nicht zu viel selbst dazu interpretierte und dadurch zu falschen Schlüssen kam. "Ich bin nicht komplett verschlossen, es gibt nur ein kleines Detail in meinem Leben, das ich privat halten möchte, das ist doch nicht ungewöhnlich oder?"

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare

  • Als sie ihn mit seinem Vornamen ansprach blickte er sie direkt an. Das war ungewöhnlich.

    Was sie sagte gab ein stimmiges Bild, wenn auch immer noch weite Teile im Schatten lagen. Etwas nicht zu wissen bereitete ihm Unbehagen, aus wohl verständlichem Grund, in dem Moment bemerkte er jedoch, dass er bei anderen wohl suchte, was er bei sich selbst nicht fand.

    Auf ihre Beteuerung, sie wäre nicht in Gefahr und wollte nur manche Teil privat halten lächelte er.

    "Ja, das ist richtig. Ich bin übrigens auch erst seit einigen Tagen in der Stadt. Ich war bei der Garde in Fellshym und habe jetzt hier bei der Stadtwache angefangen... Was ich sagen will. Fragen zu stellen und Ermittlungen anzustellen ist mir wohl zu etwas wie einer zweiten Natur geworden. Wenn ich euch also bedrängt habe tut es mir leid. Dennoch habt ihr mit eurer Stimme einfach mein Interesse geweckt, und ich fürchte, so schnell werdet ihr mich jetzt auch nicht mehr los." Er gab sich redlich Mühe, nun einen lockereren Tonfall anzuschlagen.

    "Wenn ich euch also bei irgendetwas behilflich sein kann, und sei es dabei Nachforschungen anzustellen, zögert nciht, euch an mich zu wenden."

    Sie hatten mittlerweile das Gasthaus erreicht.

    Wieder öffnete er ihr die Türe, hier enthielten Die Klinken wohl kein Feeneisen, doch mit Handschuhen war ihm das mittlerweile gleichgültig.

    "wo wollt ihr denn sitzen?"

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    (Matthias Beltz)

  • Nun, da sich Laflar ihm ein wenig mehr geöffnet hatte, wirkte Vajdan gleich deutlich zuvorkommender. Sie bemerkte, dass es vielleicht besser wäre, weniger geheimniskrämerisch zu sein um kein Misstrauen zu wecken, andererseits lag es auch nicht in Laflars Natur viel zu plaudern. Besonders nicht, wenn ihr Gegenüber ihr nicht näher bekannt war. Als der große blonde Mann nun aber erzählte, dass er bei der Stadtwache angefangen hatte, wurde Laflar hellhörig. Sie war sich nicht sicher, wie die Stadtwache Sorieskas mit Feenblütern umging, aber wenn sie sie genauso fürchteten oder verabscheuten, wie es die Landbevölkerung in dem Dorf, in dem sie aufgewachsen war, dann wäre es wohl besser das so gut wie möglich vor ihm zu verbergen. Außerdem kam ihr sein abschließender Satz, in dem er erwähnte, dass sie ihn nun so schnell nicht mehr loswerden würde, etwas merkwürdig vor. "Ich danke euch für eurer Angebot, vielleicht werde ich irgendwann darauf zurückkommen."
    Nun öffnete Vajdan ihr die Tür zum Gasthaus, in das Vajdan sie eingeladen hatte, dieses mal schaffte er es, ohne dass ihm die Tür wieder entglitt. Sie traten ein und Vajdan erkundigte sich bei Laflar, wo sie sitzen wollte. Laflar sah sich in dem Raum um, welcher der Gastraum zu sein schien, an. Tische standen relativ regelmäßig nebeneinander, mal zwei paar Stühle, mal mehrere standen unter die Tische geschoben, bis auf die, auf denen Gäste saßen. Die Gäste schienen, anders als im Auge des Mondes, eher der einfachen Bevölkerung anzugehören. Handwerker und Seemänner teilten sich einen Tisch mit einem Getränk, in dem vermutlich Alkohol enthalten war, lachten, spielten Karten mit ihren schmutzigen und rauen Händen. Wahrscheinlich verbrachten sie gerade ihre Mittagspause in diesem Lokal. Laflar blickte in eine Ecke des Raumes, in dem es etwas ruhiger schien. Ein Tisch für zwei stand abseits der Tische, die von den Arbeitern besetzt waren. Sie überlegte nicht lange und deutete dann mit ihrer blassen Hand zu diesem Tisch. "Der sieht doch ganz gut aus." Ohne eine Antwort des großen Mannes, der sie hierher begleitet hatte abzuwarten, setzte sie sich nun in Richtung dieses Tisches in Bewegung.

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  • Laflar hatte sofort einen Tisch im Blick der etwas abseits stand. Von hier aus konnte an den Raum im Blick haben ohne den anwesenden zu nahe zu sein. Vajdán hätte vielleicht einen anderen Tisch gewählt, denn abseits zu stehen bedeutete auch immer leichter gesehen zu werden. Aber dieses mal war er nicht hier um die Menge zu beobachten. Zu seiner Begleitung passte die Wahl.

    Er wartete bis sich die junge Frau gesetzt hatte und nahm dann ihr gegenüber Platz.

    Die Einrichtung war einfach gehalten, hölzerne Tisch, Stühle und Bänke. Kunstvolle Schnitzereien suchte man hier vergeblich. robuste quadratischte Teracottaflisen waren am Boden verlegt, die Wände weiß gekalkt. An manchen Stellen konnte man frische Spritzer von Bier und Wein erkennen, aber auch dass solche Spuren von Raufereien und ausgearteten Gelagen immer schnell beseitigt wurden. An einer Wand hing ein Jagdhorn, an einer anderen eine alte Armbrust, auf einem Regal lagen Hüte von Jägern, ein Ölbild über der Bar, das einen weissen Hirschen in grüner Landschaft zeigte und ein paar Geweihstangen waren der Familientradition des Inhabers geschuldet.

    Die Bedienung, heute eine dünner aufgeweckter Junge, vermutlich half er heute in der Familienwirtschaft aus, kam schon an den Tisch und wartete auf die Bestellung.

    "Was wollt ihr essen?" wandte sich Vajdán an Laflar und "Ich nehme eine gemischte Jägerplatte. Gebt mir bitte nur ein Glas Wasser dazu. Danke." an den Jungen gewandt.

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  • Laflar ließ sich auf einem der Stühle des Tisches nieder, den sie ausgesucht hatte. Sie verschaffte sich nochmal einen Blick über dieses doch relativ einfach gehaltene Gasthaus und sah dann einen jungen schmalen Mann auf den Tisch zukommen. Vajdan wusste sofort, was er essen wollte, Laflar warf zuvor einen kleinen Blick auf den Zettel, mit dem Menü des Tages, welches ihr der junge Mann vor die Nase gelegt hatte. Sie sah sich die Gerichte an und überlegte kurz, sah dann zu dem jungen Mann. "Ich hätte gerne diesen Auflauf hier.", sie deutete auf ein Gericht auf dem Blatt Papier, der junge Mann nickte. "Und auch ein Glas Wasser bitte.", ergänzte sie ihre Bestellung noch, bevor der Bedienstete sich wieder von ihrem Tisch entfernte. Laflar blickte nun ihrem Gegenüber nun in die Augen, allerdings wurde sie von den Narben, die an seinem Hals und an einer Seite seines Gesichts verliefen und verdächtig nach Verbrennungen aussahen abgelenkt. So genau hatte sie sich die zuvor nicht anschauen können. "Ist euch in der Garde vielleicht mal etwas passiert, durch dass ihr diese Verbrennungen erlitten habt?", fragte sie ihn nun einfach und deutete mit der Hand auf das narbige Gewebe auf seinem Hals und seinem Gesicht.

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  • Auch Laflar bestellte und der Junge nickte und verschwand. Notiert hatte er sich nichts, aber es wunderte Vajdán kaum, die meisten Kellner hatten ein gute trainiertes Gedächtnis.

    Als sie wieder zu zweit saßen kam Laflar unweigerlich auf seine Narben zu sprechen.


    Es war Vajdán klar, dass sie jedem sofort ins Auge stachen, doch die meisten seiner Gesprächspartner versuchten sofort ihren Blick zu lösen, was selten wirklich gelang. Irgendwie blieben dann ihre die Augen immer wieder an den Stellen hängen, doch selten stellte jemand eine offene Frage dazu. Dies kam ihm sehr entgegen, hatte er doch selbst keine Ahnung, was tatsächlich geschehen war, doch er war nun lange genug in der Stadt und hatte Zeit gehabt die vernarbten Verletzungen zu begutachten und sich eine Erklärung zurecht zu legen.


    "Ein Feuer in einem Heuschober. Ich war jung und leichtsinnig und habe noch versucht, das Vieh rauszuholen. Jetzt weiß ich zumindest dass so ein trockener Dachstuhl sehr schnell einstürzt. Aber das ist Jahre her."

    Jetzt am Tisch legte er nun auch die Handschuhe ab, und auch an den Händen konnte man die Verbrennungen sehen.

    "Meist vergesse ich ganz, dass sie da sind. Aber manche Materialien reizen wohl dass Narbengewebe, es ist sehr unangenehm sie zu berühren. Er drehte die Hände und begutachtete sie. An den Fingerspitzen fanden sich frische rote Stellen, an denen er tags zuvor die Türklinken im Teehaus berührt hatte."

    Dann stellte der Junge auch schon die zwei Becher mit Wasser ab, nickte kurz und verschwand wieder.

    Vajdán nahm sein Glas und trank einen Schluck, dann blickte er auf und versuchte Laflar direkt in die Augen zu sehen.

    Der Schleier verdeckte dass meiste, aber auf diese Entfernung und so wie das Licht einfiel konnte er zumindest erkennen, dass sie sehr helle helle Haut hatte, gut, das hatte ihm am Vorabend auch ihr Ausschnitt verraten, den er jetzt bewußt nicht anstarrte. Wahrscheinlich hatte der doch zu viel vom Samanharischen Wein gehabt.

    Aber er konnte jetzt auch erkennen, dass sie helle Haare und wohl auch helle Augen hatte.

    Er hätte noch eine Menge mehr an Fragen stellen wollen, wie

    '...wer hat euch beigebracht so zu singen...'

    verzichtete jedoch vorerst darauf. Vielleicht erzählte sie dann von sich aus mehr.

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  • Vajdan erzählte von einem Feuer, dass seine Narben dabei zustande kamen. So übersäht wie seine Haut mit diesen Narben schien, wunderte sich Laflar allerdings ein wenig, wie der blonde das überhaupt hatte überleben können. Er scheint wohl viel Glück gehabt zu haben oder er erzählte nicht die ganze Wahrheit. Aber da Laflar ja selbst einige Dinge hatte, über die sie nicht weiter sprechen wollte, respektierte sie das und glaubte ihm diese Antwort erst einmal. An seinen Fingern fanden sich noch weitere Narben, die noch nicht allzu alt schienen. Vajdan erklärte das damit, dass manche Materialien das Narbengewebe reizten.
    Laflar nahm den Becher, den der Bedienstete kurz zuvor vor ihr abgestellt hatte und nippte daran. Sofort spuckte sie das Wasser zurück, als sich ein brennender Schmerz in ihrer Speiseröhre ausbreitete, als hätte sie eine ätzende Flüssigkeit getrunken. Sie begann schwer zu husten und bemerkte dann, wie sie die anderen Gäste und besonders der Bedienstete, der ihr den Becher zuvor gebracht hatte, skeptisch anblickte. War das eine Falle? Hatte er irgendetwas in ihren Becher getan, dass sie vergiften würde? Hatte in dieser Stadt schon jemand herausgefunden, dass sie ein Feenblut war? Ihr erster Instinkt war es eigentlich, sofort zu gehen, aber wenn sie näher darüber nachdachte, würde sie das wohl nur noch verdächtiger machen. "Wenn nur dieser verdammte Husten und das Brennen aufhören würden. Es war doch nur ein kleiner Schluck!" , dachte sie sich. "Ich... hab mich... nur... verschluckt.", krächzte sie keuchend, doch der Husten schien nicht besser zu werden.

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  • Für einen kurzen Moment blickte Vajdán seine Begleitung erschrocken an. Verschluckt also... Dann hustetet man nur und spuckte das Wasser nicht zurück. Das tat man wenn etwas zum Beispiel verdorben war.

    So setzte in seinem Verstand bereits die Analyse ein.

    Er schnupperte... tatsächlich war da der schwache Duft von Eisenkraut. Sein Wasser war in Ordnung gewesen.

    Er nahm ihr Glas un begutachtete das Wasser, tatsächlich war es etwas trüb.

    "Die haben euch wohl das Spülwasser gegeben." konstatierte er humorlos.

    Laflar hustete immer noch, es sah dramatisch aus, klang aber nicht nach verschlucken.

    So stand Vajdán auf und brachte das Glas zu dem jungen Kellner.

    Er wechselte ein paar knappe Worte mit ihm und kam dann mit einem frischen Becher zurück.

    "Man entschuldigt sich vielmals für die Unachtsamkeit, hier ist ein neues Glas. Trinkt einen Schluck, dann wird es besser."

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  • Vajdan prüfte Laflars Getränk und ihm schien etwas aufgefallen zu sein, das Laflar entgangen war, bevor sie ansetzte zu trinken, was sie nun bitter bereute. Vajdan nahm das Glas, brachte es zum Bediensteten und brachte Laflar gleich ein neues Glas mit frischem Wasser. Dankbar nahm sie es an sich und kippte so gleich ein paar große Schlucke herunter, bis das Brennen in ihren Hals Stück für Stück nachließ, wenn es auch nicht ganz verschwand. "Danke.", brachte sie hervor, als sich ihr Hals wieder etwas beruhigt hatte und sie nicht mehr pausenlos hustete. Was war das eben gewesen? Laflar war sich fast sicher, dass man ihr etwas gegeben hatte, dass für sie gefährlich war. Versuchten diese Leute sie zu vergiften? War das ein Test, fand man mit der Flüssigkeit vielleicht heraus, was ihre wahre Identität war? Sie nahm eins der Papiertücher, die auf dem Tisch lagen und wischte sich damit über den Mund. Als sie sich das Tuch ansah, fielen ihr kleine Blutflecken auf. Ein wenig erschrocken knüllte sie das Tuch zusammen und legte es beiseite, so dass man das Blut nicht erkennen konnte. Mehr und mehr begann sie sich in diesem Gasthaus unwohl zu fühlen. Sie spürte von überall Blicke auf ihr. Doch sie riss sich zusammen, blickte nun wieder zu Vajdan auf. "Entschuldigung. Das ist mir noch nie passiert." Sie beschloss erstmal nicht weiter auf ihren Verdacht einzugehen und weiter so zu tun, als hätte sie sich bloß verschluckt.

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  • Langsam beruhigte sich Laflar wieder. Das saubere Wasser schien ihr gut zu tun.

    Entweder sie wußte tatsächlich nicht, was sie da getrunken hatte auf jeden Fall schien etwa sin Ihrem Taschentuch sie für einen kurzen Moment zu erschrecken. Was es auch war, sie packte es schnell weg. Sie entschuldigte sich sogar.

    Vorerst würde Vajdán mitspielen, vor allem es ihm Zeit brachte um nachzudenken.

    Dann brachte der Junge sehr schnell das Essen.

    Er wirkte deutlich verlegen, entschuldigte sich noch einmal und versicherte ihnen, dass für diese Unachtsamkeit das Essen auf's Haus gehe. Er wartete noch ob noch eine Forderung kam.

    Etwas, oder jemand schien ihm einen Schrecken eingejagt zu haben. Ob es Vajdán gewesen war, der besonderen Nachdruck in seine Worte gelegt hatte oder etwas anderes, er würde es wohl nicht preisgeben.

    Vajdán nickte ihm nur zu und entließ ihn mit dieser Geste, dann begann er schweigend zu essen. Zum einen weil er tatsächlich Hunger hatte, zum anderen weil sich sein Verstand ganz massiv gegen eine Erkenntnis sperrte.

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

  • Vajdan sagte nichts weiter dazu, genauso wie Laflar. Nur wenig später kam dann auch der junge Bedienstete und brachte das Essen. Laflar beobachtete ihn einen Moment lang und bemerkte, dass er verängstigt wirkte. Sofort sah Laflar das Bild der Bekannten ihres Onkels vor Augen, die sie ebenso verängstigt angesehen hatte, als ihr auf der Beerdigung ihres Onkels dieser kleine Unfall passiert war. Galt seine Angst auch ihr? Hatte sie dieser Hustenanfall vielleicht wirklich verraten? Laflar wusste nicht, was in diesem Getränk so sehr brannte, aber vielleicht gab es ja Substanzen, auf die nur Feen oder Feenblute so extrem reagierten. Vajdan schien hungrig, denn er begann gleich zu essen, Laflar dagegen aß deutlich langsamer. Ihre Kehle schmerzte noch immer und der Auflauf selbst brannte zwar nicht, aber bei der Berührung mit den gereizten Stellen in ihrem Schlund brannte es doch noch ziemlich stark, so dass sie es auch nicht schaffte, das gesamte Essen herunterzubekommen. Etwa nach der Hälfte legte sie ihr Besteck nieder und trank noch einen Schluck des kühlen Wassers, das sich ein wenig wie Balsam in ihrem Rachen anfühlte. Nach wie vor herrschte eine unangenehme Stille, die Laflar nicht so recht zu deuten aber auch zu brechen wusste.

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare

  • Sie aßen schweigend zuende, und der Junge räumte das Essen ab. Sein ängstlicher Blick galt jedoch eher Vajdán als Laflar.

    Vajdán drückte ihm dennoch ein paar Münzen in die Hand und trank sein Wasser aus.

    "Wollen wir noch ein paar Schritte gehen?"

    Wandte er sich an Laflar.

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

  • Als auch Vajdan fertig war, schlug er nun vor, noch einen kleinen Spaziergang zu machen. Da das Essen so schlecht verlief, hauptsächlich durch Laflar, fühlte sie sich ein wenig schuldig und nahm sein Angebot an, auch wenn ihr Zustand sich nicht wirklich verbessert hatte. Sie erhob sich nun also von ihrem Platz, schob den Stuhl wieder heran, wartete einen Moment auf Vajdan und begab sich dann zur Tür. Auf ihrem Weg dahin wurde Laflar erneut das Gefühl nicht los, dass alle Augen dieses Raumes auf sie gerichtet waren.

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare

  • Sie verließen das Gasthaus und Vajdán war vollkommen klar, wie unwohl Laflar sein mußte.

    Er erinnerte sich zu gut, wie er tags zuvor auf das Kraut reagiert hatte und welche Übelkeit es selbst in getrockneter Form in ihm ausgelöst hatte, und sie hatte es getrunken. Und wenn es nun tatsächlich das war, was er befürchtete...

    Eine einzige Frage konnte ihm jetzt vielleicht zu einer wichtigen Erkenntnis über seine eigene Natur verhelfen. Aber wollte er die Antwort tatsächlich hören? Und wenn er sich diese Frage bereits stellte, hieß das nicht dass er längst zu genau dem Schluß gekommen war?

    Zählte er die Indizien zusammen....

    Jetzt war es plötzlich Vajdán, der schweigend und in sich gekehrt wirkte. Er würde die Frage nicht stellen, er hätte zu viel von sich selbst damit verraten. Seine Antwort hatte er vermutlich bereits. Am ersten Tag hätte er es vielleicht noch versucht, aber diese Naivität hatte hinter sch gelassen. Er würde sich nie wieder eine Blöße geben und jemandem die Wahrheit zu erzählen. Die Schneiderin und die Fischfrau waren bereits zwei zu viel.

    "Parmesan und Partisan - Wo sind sie geblieben? - Partisan und Parmesan - Alles wird zerrieben."

    (Matthias Beltz)

  • Laflar lief eine Weile schweigend neben Vajdan her, ihr Unwohlsein wurde von Minute zu Minute schlimmer und es fühlte sich an, als würde das Gift, falls es welches war, darüber war sich Laflar bisher nicht so sicher, gerade seine Wirkung entfalten.
    Sie bemerkte, dass Vajdan seit ihrem Missgeschick kaum noch gesprochen hatte und allgemein deutlich verschlossener schien, als auf ihrem Hinweg noch. Sie grübelte viel darüber nach, weshalb und ob er sie vielleicht nur aus Höflichkeit gefragt hatte, ob sie noch ein wenig umherstreiften wollte, denn wirklich sprechen taten sie nicht.
    "Ihr wisst was in dem Getränk war oder?", brach sie nun die Stille. "Es schien als wenn euch sofort klar gewesen ist, dass es kein Gift war, das mich hätte töten können. Und ihr wusstet auch, was mir in dem Moment am Besten helfen konnte."

    "For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so." - The Tragedie of Hamlet, William Shakespeare